Welche Bedürfnisse stecken hinter dem Urteil „ungerecht“?

Gerechtigkeit ist in der GFK ein sehr umstrittenes Bedürfnis. Nach den Kriterien der GFK ist es ein Bedürfnis, gleichzeitig steckt oft eine Haltung dahinter, bei der es eng in mir wird, bei der es um Richtig und Falsch geht. Das weist darauf hin, dass es meist nicht als Bedürfnis verwendet wird. In diesem Blogatikel möchte ich dem Thema Gerechtigkeit auf den Grund gehen und verschiedene Richtungen anbieten, worum es dabei gehen könnte, wenn wir uns „Gerechtigkeit“ wünschen oder etwas als „ungerecht“ erleben.

Gerechtigkeit als Bedürfnis?

Nach der Definition der GFK ist Gerechtigkeit ein Bedürfnis, denn es erfüllt die entsprechenden Kriterien:

Es ist abstrakt, also nicht greifbar oder direkt sinnlich wahrnehmbar und unabhängig von bestimmten Personen, Orten, Zeiten, Handlungen oder Dingen. Es ist ein allgemein menschlicher Wert. Das heißt, jeder Mensch und jede Gesellschaft wünscht sich in der einen oder anderen Form Gerechtigkeit. Es ist vielfältig und bietet viele Möglichkeiten, um es zu erfüllen.

Warum also ist es so fragwürdig, dass Gerechtigkeit ein echtes Bedürfnis ist?

Gerechtigkeit ist deshalb ein umstrittenes Bedürfnis, weil es fast immer mit einem Denken von Richtig und Falsch einhergeht. Was wir als gerecht erleben, basiert stark darauf, was wir als Richtig und was wir als Falsch definieren. Dass unsere Bewertung darüber bestimmt, ob wir ein Bedürfnis als erfüllt oder unerfüllt erleben, gilt letztendlich für alle Bedürfnisse. Gleichzeitig ist „Gerechtigkeit“ noch stärker an moralische Grundsätze gebunden, geht meist mit Vergleichen einher und hat oft einen Wunsch nach Rache, Vergeltung oder Strafe zur Folge.

Wenn du dich schon länger mit GFK beschäftigst, weißt du vielleicht, dass es dabei vor allem um eine Haltung von Eigenverantwortung und Miteinander geht. Bei dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit erlebe ich häufig, dass Menschen es zwar als Bedürfnis verwenden, jedoch feststecken in dem Gedanken, dass jemand anders falsch oder richtig gehandelt hat. Diese Gefahr birgt jedes Bedürfnis. Ich kann zum Beispiel sagen „Ich bin traurig, weil ich mir Unterstützung wünsche.“ und dabei denken „Und du hast mich nicht unterstützt und solltest das aber tun, schließlich sind wir Freunde!“ – dann bin ich nicht wirklich beim Bedürfnis, das unabhängig ist.

Du kannst an deinem eigenen Körper erkennen, ob du wirklich bei einem Bedürfnis bist oder nicht. Wenn du an das Bedürfnis denkst, wird dir dann eher eng und es schmerzt? Kommt Wut, Traurigkeit, Frust oder Druck auf? Dann bist du nicht in einer bedürfnisorientierten Haltung. Wahrscheinlich bist du dann in einer Haltung, dass jemand das erfüllen müsste und es nicht tut oder – also hängst du an einer bestimmten Strategie?

Wenn du allerdings beim Gedanken an das Bedürfnis Weite, Offenheit und Kraft spürst, dann bist du sehr wahrscheinlich in der bedürfnisorientierten Haltung.

Ich erlebe es als äußerst schwer, wenn ich an Gerechtigkeit denke, nicht in den Gedanken zu fallen, dass jemand etwas ändern muss, damit bei mir Gerechtigkeit erfüllt ist. Das ist an sich auch völlig in Ordnung, jedoch sind wir dann nicht mehr bei dem Bedürfnis nach GFK. Denn dabei geht es um einen allgemeinen Wert, den ich als bereichernd in meinem Leben erlebe und für den ich mehr gehen möchte – in Eigenverantwortung.

Um das Urteil „ungerecht“ besser zu verstehen“, möchte ich hier ein paar Ansätze und Ideen liefern, was hinter dem Bedürfnis nach Gerechtigkeit stecken könnte. Wenn ich verstehe, was dahintersteckt, ist es meiner Erfahrung nach leichter, im nächsten Schritt in die eigenverantwortliche Haltung der GFK und damit in eine Unabhängigkeit von anderen sowie in die echte bedürfnisorientierte Haltung zu kommen.

Ernst genommen und berücksichtigt werden

Wenn ich etwas als ungerecht erlebe, dann könnte dahinter der Wunsch stecken, ernst genommen zu werden. Ich möchte sichergehen, dass mein Anliegen ebenfalls wichtig ist und zählt. Ich möchte, dass die Wichtigkeit dessen erkannt wird, was ich mir wünsche.

Nehmen wir ein Beispiel: Mein Partner macht mit seinen Kumpels aus, dass sie gemeinsam eine bestimmte Bergtour machen. Nun wäre ich allerdings auch gerne mit meinem Partner diese Tour gegangen und möchte nicht mitkommen, weil es eine ausgemachte Männerrunde ist.

Ich könnte das als ungerecht erleben, weil ich denke, dass mein Anliegen weniger zählt als das der Kumpels. Dass ich weniger wichtig bin, mein Wunsch weniger zählt. Vielleicht geht es also gar nicht um Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, sondern darum, dass wir in unserer Partnerschaft den anderen und seine Wünsche ernst nehmen und mitberücksichtigen.

Das berührt auch das Thema Gleichwürdigkeit, das ich in einem weiteren Absatz näher behandle.

Wirksamkeit und Mitbestimmung

Vermutlich geht es auch darum, dass ich noch mitwirken kann in einer Entscheidung. Ich erlebe Dinge oft nur dann ungerecht, wenn ich vor „vollendete Tatsachen“ gestellt werde, also den Eindruck habe, nichts mehr daran ändern zu können und im Entscheidungsprozess nicht einbezogen worden zu sein.

Hätte mein Partner mich in dem Beispiel vorher gefragt, wie ich dazu stehe und mir seine Gründe offengelegt, mich in den Prozess einbezogen und mich dabei ernst genommen, dann wäre vielleicht dasselbe Ergebnis rausgekommen und ich hätte es nicht als Ungerechtigkeit erlebt.

Wenn ich also wütend über eine „Ungerechtigkeit“ bin, habe ich vielleicht den Gedanken „Ich kann nichts ändern, ich bin machtlos.“ und bin vielleicht eigentlich hilflos und verzweifelt, weil ich gerne wirksam wäre? Gerne mitgestalten möchte? Gerne selbst entscheiden würde?

Gesehen, verstanden und wertgeschätzt werden

Wenn ich möchte, dass jemand für Ungerechtigkeit bestraft wird, ich zum Beispiel anschließend sage, dass ich mit meiner besten Freundin in die Therme gehe, obwohl ich es mit meinem Partner ausgemacht habe, kann es auch dabei um gesehen werden gehen: Ich möchte, dass mein Gegenüber erkennt und weiß, welche Traurigkeit, Enttäuschung oder Wut in mir ist. Ich möchte in meinen Gefühlen gesehen und verstanden werden – und wie ginge das besser, als wenn dem Gegenüber dasselbe widerfährt?

Wenn ich also einen anderen Menschen „verletzen“ möchte, weil ich selbst „verletzt wurde“ (Achtung, das sind Gedanken, keine Wahrheit – in der GFK gehen wir davon aus, dass niemand einer anderen Person Gefühle machen kann), dann bin ich auch da vielleicht hilflos und sehne mich danach, in meinen Gefühlen verstanden zu werden, gesehen zu werden, in meiner Verletztheit einfach sein zu dürfen und dabei gehalten und unterstützt zu werden?

In anderen Fällen geht es vielleicht darum, dass ich den Gedanken habe, „mehr zu verdienen“ als ich bekommen habe. Auch das kann „Ungerechtigkeit“ triggern und auch da geht es vermutlich darum, mit den eigenen Leistungen, Besonderheiten, Fähigkeiten, Bemühungen gesehen und wertgeschätzt zu werden, oder?

Wenn ich mir zum Beispiel Mühe gebe, eine Vereinbarung einzuhalten, und eine andere hält sich nicht daran, wird aber nicht bestraft und ich erfahre auch keine Belohnung für mein Einhalten, kann das „ungerecht“ wirken. Ich habe vielleicht selbst viel investiert und zurückgesteckt, um mich an das Ausgemachte zu halten und erwarte mindestens eine Konsequenz dafür, dass die andere nicht dieselbe Bereitschaft hatte. Vermutlich geht es dabei darum, dass meine Mühe gesehen und wertgeschätzt wird?

Orientierung und Planbarkeit

Vereinbarungen, Regeln und Richtlinien geben Sicherheit und Orientierung. Zu wissen, woran ich bin, was welche Konsequenzen hat, womit ich rechnen kann, in welchem klaren Wertesystem von Richtig und Falsch ich mich bewege, erleichtert oft das Leben. So muss ich nicht ständig neu überlegen, was jetzt das „Richtige“ oder „Beste“ wäre, sondern habe klare Leitlinien, um mich zu orientieren, denn ich weiß, dass ein Regelverstoß R1 Konsequenz K1 zur Folge hat und ein andere Regelverstoß R2 Konsequenz K2. Daran kann ich mich orientieren und meine Entscheidungen bewusst und selbstbestimmt treffen.

Wenn allerdings nun ein anderer für Regelverstoß R1 keine Konsequenz erfährt, oder ich für Regelverstoß R2 die schlimmere Konsequenz K3 erfahre, dann kann das meine Orientierung und damit mein Sicherheitsempfinden erschüttern und damit das Urteil „ungerecht“ triggern.

Ein Beispiel:
Jemand parkt auf dem Parkplatz neben mir falsch und ich bekomme ein Knöllchen, während die andere Person keines bekommt. Wie unfair ist das denn?

Hinter dem Urteil „Wie unfair ist das denn“ steckt vermutlich unter anderem ein klarer Wunsch, mich orientieren zu können und zu wissen, woran ich bin. Es geht auch um Sicherheit, da ich nur dann einen Eindruck von Sicherheit habe, wenn ich ungefähr weiß, welches Handeln welche Konsequenzen mit sich bringt.

Augenhöhe und Gleichwürdigkeit

Wenn ich möchte, dass durch Strafe oder Rache Gerechtigkeit wiederhergestellt wird, kann es auch um Augenhöhe gehen. Ich denke, dass das in vielen Fällen eine große Rolle spielt. Dabei läuft vielleicht unbewusst folgender Gedankenstrang ab:

Jemand hat mich ungerecht behandelt. Er hat sich über mich gestellt und mir ein Unrecht zugefügt. Jetzt steht er über mir und ich bin klein, verletzlich, untergeordnet.
oder
Jemand hat mehr bekommen als ich. Jetzt steht sie über mir, ist wichtiger, wertvoller und ich bin klein, verletzlich, untergeordnet, weniger wert.

In beiden Fällen ist in meinem Erleben die Augenhöhe und die Gleichwürdigkeit verrutscht und das ist etwas, das Menschen schwer aushalten. Wir möchten miteinander auf Augenhöhe sein, möchten gleichwürdig sein, als (mindestens) genauso wertvoll erachtet werden wie andere.

Und eine unserer angelernten Strategien, um wieder mit anderen Menschen, die wir über uns erleben, auf Augenhöhe zu kommen, ist diese runterzuziehen, indem wir sie angreifen, bestrafen oder abwerten. Frei nach dem Motto „Wenn ich nicht zu dir hoch kann, dann kommst du aber wenigstens zu mir runter, dafür sorge ich.“

Und eigentlich steckt hinter der Wut der dringende Wunsch, meinen Wert zu schützen? Auf Augenhöhe, gleichwürdig zu sein?

Was bringt das Ganze nun?

In der GFK geht es darum, immer besser zu verstehen, was mir eigentlich wirklich wichtig ist und wie ich selbst dafür sorgen kann, ohne andere Menschen ändern zu wollen oder zu müssen. Umso mehr ich dem auf die Spur komme, was wirklich hinter dem ersten, augenscheinlichen Bedürfnis steckt, das noch voll von urteilenden Gedanken ist, desto tiefer komme ich wirklich an den Kern des Ganzen und erkenne, was mir wirklich wichtig ist – wie eine Zwiebel, die geschält wird.

Von da aus kann ich dann einige Urteile, einiges an Starrheit und Fixierung, loslassen und viel offener nach Erfüllung meines Bedürfnisses suchen und mit anderen ins Gespräch gehen, wie sie mich unterstützen können.

Ein Beispiel zum Reinspüren: Fühle mal, wie sich die beiden Versionen für dich anfühlen.

Mann, das ist so ungerecht! Jetzt hat mein Bruder von meinen Eltern Geld bekommen und ich nicht! Wie fies ist das denn bitte?! Ich leiste mindestens genauso viel und bräuchte ebenso die Unterstützung. Aber ich bin denen ja egal. Das ist so dermaßen unfair! Ich wünsche mir Gerechtigkeit! Die müssen mir doch genauso Unterstützung geben wie meinem Bruder! Pf, werden sie schon sehen, dann melde ich mich halt nicht mehr bei denen.

vs.

Boah, da kommt so eine Wut hoch und das Bedürfnis nach Gerechtigkeit. Aha, ich finde das ungerecht – was da wohl dahintersteckt? Ich hab so Gedanken wie „Ich bin denen egal!“ oder „Ich leiste genauso viel wie mein Bruder.“ Vielleicht geht’s mir darum, dass ich gerne gesehen und wertgeschätzt werden will in meinen Leistungen und Bemühungen. Und ich hätte gerne die Gewissheit, auch wichtig zu sein und unterstützt zu werden. Ich frage mich wirklich, warum sie so gehandelt haben. Ich glaube, mir könnte es helfen, ihre Beweggründe zu verstehen – und vielleicht wissen sie ja gar nicht, dass ich auch Unterstützung bräuchte. Ich denke, ich werde sie mal fragen, wieso sie da einen Unterschied gemacht haben zwischen mir und meinem Bruder. Und vielleicht frage ich auch, ob sie bereit wären, mich ebenfalls zu unterstützen.

Macht es für dich einen Unterschied?

Fallen dir weitere Bedürfnisse ein, die hinter dem Urteil „ungerecht“ stehen könnten? Schreib mir gerne eine Mail mit Anregungen, Ideen, Fragen oder Kommentaren.

Wenn du noch mehr über GFK erfahren und sie live erleben möchtest, schau doch mal bei meinen Angeboten vorbei! Ich und andere TrainerInnen von der Akademie Achtsame Kommunikation bieten neben Einzelcoachings noch eine große Vielfalt an Onlineangeboten an – von kostenlosen Schnupperwebinaren über 3-stündige Miniworkshops bis hin zu 6-teiligen Webinaren zu Grundlagen, Vertiefung und tiefes Eintauchen in die eigenen Themen.

Folge 22: Ist das Empathie? Empathie nach GFK tiefer verstehen und klar abgrenzen (GFK-Podcast)

In der letzten Folge hast du schon die GFK-Definition von Empathie näher kennengelernt und erfahren, wie sie sich sich von Mitleid und Sympathie abgrenzt. In dieser Folge lade ich dich ein, dein Erleben von Empathie zu überprüfen und anhand konkreter Beispiele tiefer in die Haltung der GFK zu Empathie einzusteigen und dabei Empathie noch klarer von anderen Konzepten abzugrenzen.

Folge 22: Ist das Empathie? Empathie nach GFK tiefer verstehen und klar abgrenzen (GFK-Podcast)

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Props und herzlichen Dank an Andi Bree, der das Intro und Outro eingespielt hat! Danke für deine Geduld, Mühe und Offenheit, deine wundervolle Musik mit den Menschen zu teilen!

Folge 21: Was genau ist Empathie nach GFK? (GFK-Podcast)

Du erinnerst dich vielleicht daran, dass wir uns in der GFK mit zwei Seiten beschäftigen: dem ICH und dem DU. Wir haben uns bisher viel mit der Ich-Seite befasst, also dem, wie ich das, was in mir ist, verstehen, damit umgehen und bei Bedarf auch ausdrücken kann. Nun möchte ich dir die andere Seite näherbringen, die DU-Seite, also sozusagen das HÖREN „mit Giraffenohren“ (= GFK-Ohren).

Dabei geht es vor allem um Empathie. Wie also kannst du empathisch hören, was andere Menschen sagen, egal was sie sagen oder wie sie es tun? Wie sieht die empathische GFK-Haltung anderen Menschen gegenüber überhaupt aus?

Bevor wir uns damit befassen, möchte ich in dieser und der nächsten Podcastfolge zunächst die Frage klären, was Empathie nach GFK ist, und sie in einer weiteren Grundunterscheidung von einigen anderen Haltungen und Reaktionen abgrenzen, mit denen sie häufig verwechselt wird. In dieser Folge bekommst du eine Definition und Erklärung zu Empathie und im nächsten wird durch eine interaktive Übung und Beispiele die Abgrenzungen noch klarer.

Folge 21: Was genau ist Empathie nach GFK? (GFK-Podcast)

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Miniworkshops

Je nach Workshop für Menschen mit Vorkenntnissen oder für Menschen in jeder Lernphase
3 interaktive Stunden zu einem konkreten Themenschwerpunkt; mit Übungen, Inputs und gemeinsamer Reflexion + Raum für deine Fragen zu dem Thema
Nachbereitungsmail mit Fotoprotokoll, Anregungen und Übung oder Möglichkeiten zur weiteren Arbeit an dem Thema

Wir bieten verschiedene Miniworkshops an: Manche sind für Menschen gedacht, die bereits GFK-Grundkenntnisse haben, andere sind für Menschen in jeder Lernphase der GFK, also sowohl „Neulinge“ als auch „Fortgeschrittene“ und „alte Hasen“.

Sie sind jeweils drei Stunden lang und behandeln einen ganz konkreten Themenschwerpunkt, den wir mittels GFK beleuchten. Das Ziel ist es, die eigene Perspektive zu erweitern, uns selbst besser zu verstehen und das eigene Handlungsrepertoire um neue, konstruktive Möglichkeiten zu erweitern.  

Der Workshop ist interaktiv und vielseitig aufgebaut: Es wird sowohl Inputs und Anregungen geben, die dir helfen, neu hinzusehen, als auch praktische Übungen und gemeinsame Reflexionen, damit du das Thema selbst erforschen und neue Wege ausprobieren kannst. In der Mitte wird es mindestens eine Pause geben, damit alle die Chance haben, auch bis zum Schluss konzentriert dabei zu sein.

Danach bekommst du dann noch eine Nachbereitungsmail mit dem Fotoprotokoll der Inputs und des gemeinsam Erarbeiteten sowie weiteren hilfreichen Übungen, Anregungen oder Weiterbildungsmöglichkeiten.

Meine Miniworkshops:

Mit GFK konstruktiv über Veganismus sprechen

Beobachten, staunen, umbewerten

Mit Selbstliebe zu neuen Wegen der Bedürfniserfüllung

Schnubbinare (Kostenlose Webinare)

Schnubbinare (Kostenlose Webinare)

Für Menschen, die uns und/oder die GFK unverbindlich und kostenlos kennenlernen möchten: 75 Minuten schnuppern, mitmachen und uns live erleben

Unsere Schnubbinare (= Schnupper-Webinare) zu vielfältigen Themen sind für alle Menschen, die uns und/oder die Achtsame Kommunikation kennenlernen möchten. Sie dauern 75 Minuten, sind kostenlos und du kannst so viele besuchen, wie du magst.

Wir haben sie so konzipiert, dass du in jedem Schnubbinar etwas mitnehmen kannst:

  • Du lernst uns im Schnubbinar kennen und kriegst einen Eindruck, ob dir unsere Art des Arbeitens gefällt und du Lust hast, von und mit uns zu lernen.
  • Du erlebst unser Verständnis von Achtsamer Kommunikation (GFK) und wie wir mit ihr arbeiten.
  • Du bekommst mindestens eine Idee, wie Achtsame Kommunikation in deinem Leben wirklich nachhaltige Veränderung bewirken kann.
  • Lernen durch Mitmachen: Wir beziehen alle TeilnehmerInnen mit ein. Eine Person erhält die Möglichkeit, ein konkretes eigenes Beispiel einzubringen, mit dem wir arbeiten werden. Als Dankeschön gibt es für diese Person ein kostenloses Nachcoaching.

Hier kommst du zu den Schnubbinaren mit mir und Christian Hinrichsen:

Selbstliebe
Selbstfürsorge 
Schuld, Scham
Depressive Verstimmungen
Krisen
Entscheidungen
Grenzen setzen
Schweinehund-Tango

Hier findest du weitere Schnubbinare mit Christian Hinrichsen, Simone Otterbein und Heidi Hahn:

Partnerschaft
Eltern
Kinder
Wut
Kritik
Glaubenssätze
Rechthaberei
„Nie hörst du zu“
Schnubbinar Jahrestraining

„Schon wieder an diesem Punkt!“ – Warum es manchmal scheint, als würde das eigene Wachstum nicht vorangehen

Lernen in Wellen

„Es geht nichts voran in meiner Entwicklung! Ich habe mir das Thema jetzt schon hundert Mal angeschaut und reagiere wieder genau so, wie ich es nicht will! Ich hab doch schon so viel an mir gearbeitet, wie kann es sein, dass ich noch immer oder schon wieder ganz am Anfang stehe? Ich weiß es doch eigentlich besser und kann immer noch nicht da raus! Habe ich denn gar nichts gelernt?“

Es erscheint, als wäre all die Mühe umsonst gewesen und ich stünde wieder am Anfang. Geht’s dir auch manchmal so?

Dieser innere Kritiker oder Antreiber kann manchmal ganz schön nerven, oder? Gleichzeitig ist er so wichtig und schön, denn hinter ihm steckt eigentlich der Wunsch nach Wachstum, Wirksamkeit und Vorankommen. Er sagt uns, dass wir gerne mehr unsere Werte leben möchten und will uns bekräftigen, nicht aufzugeben und weiter dafür zu gehen, das Leben zu leben, das wir uns wünschen.

Dennoch kann der Gedanke, nicht voranzukommen, sehr frustrierend, vielleicht sogar lähmend sein und genau nicht dazu führen, dass du weiter den Weg gehst, den du gehen möchtest, sondern resignierst. Daher lade ich dich ein, dem Antreiber dankbar zu sein für seine stetige Erinnerung an deine Werte, und gleichzeitig eine Perspektive hinzuzufügen, die dich dabei unterstützt, deine eigenen Erfolge zu sehen und dann auch wieder mit neuer Kraft weitergehen zu können.

Eine solche Perspektive möchte ich dir hier gerne aufzeigen.

Geht wirklich nichts voran?

Ich lade dich ein, dir diese Frage mal genauer anzusehen. Denn Lernen geschieht in Wellen. Wenn wir nur eine Welle sehen, erscheint es uns, als würden wir wieder genau da stehen, wo wir angefangen haben. Wir vergleichen uns mit dem, wie gut es doch neulich war, oder dem, wo wir gerne wären, anstatt das große Ganze im Blick zu haben. Denn herausgezoomt sieht Lernen meiner Erfahrung nach etwa so aus:

Es ist eine aufsteigende Wellenbewegung, bei der wir immer wieder Hochs und Tiefs haben, aber insgesamt immer weiter ansteigen. Außerdem liegen unsere heutigen Ziele oftmals viel höher liegen als die von vor einigen Monaten oder Jahren, denn unsere Ziele wachsen stetig mit uns. Es erscheint, als würden wir keinen Schritt näher kommen, weil das Ziel mit uns ansteigt, dabei haben wir auf dem Weg so viele „alte“ Ziele schon erreicht, vielleicht sogar ohne es zu merken, weil wir nur auf das neue Ziel schauen.

Jeder Punkt, an dem wir wieder unten sind, ist kein „Rückschritt“ im Sinne, dass wir wieder in einer „alten“ Welle sind. Es ist ein Teil des Voranschreitens dieser steigenden Sinuskurve. Es muss Tiefs geben, denn sie sind wie ein Schwungholen für ein neues Hoch. Ohne neue Tiefpunkte und Herausforderungen könnte es kein weiteres Lernen geben.

Denk daran, wie du laufen gelernt hast. Du bist so oft hingefallen und jedes Hinfallen war notwendig, um ein bisschen mehr zu lernen, wie du das Gleichgewicht hältst, wie du einen Schritt vor den anderen setzen kannst, wie du deine Bewegungen timen musst und so weiter. Jedes Hinfallen war ein wichtiger Schritt ;).

Schon wieder hier!

Allein der Gedanke „Jetzt bin ich schon wieder hier!“ zeigt doch, dass ich bereits an einem neuen Punkt bin. Ich erkenne die Situation wieder, vielleicht sogar schon in dem Moment selbst, und habe möglicherweise schon Ideen, warum mein Muster hier genau auf diese Art einsetzt. Ich kann anders reflektieren als die Male zuvor und selbst wenn ich es nicht schaffe, in dem Moment anders zu reagieren, kann ich mich besser verstehen als zuvor. Das ist ein großer Fortschritt zu früher und der beste Weg, um immer wahrscheinlicher in der Lage zu sein, anders zu handeln. Ich bekomme immer mehr Überblick, Verständnis, Abstand zu dem Thema und komme mit jedem weiteren Mal ein Stück näher, auch anders reagieren zu können.

Wenn du in einer Situation also voll in dein altes Muster gefallen bist oder den Eindruck hast, du stehst ganz am Anfang, lade ich dich ein, neu hinzusehen.
Diese Fragen können dir dabei helfen:

Wenn du dich an dein Ich vor ein, zwei, drei, fünf Jahren erinnerst, wie warst du da? Wie hättest du da in derselben Situation reagiert?
Wie oft gibt es Situationen, in denen du inzwischen schon anders reagieren kannst?
Konntest du früher dein Verhalten genauso beobachten, verstehen und erkennen wie jetzt?
Hast du genauso lange an der Situation geknabbert wie früher, ehe du sie lösen, klären oder zumindest verstehen konntest? Oder ging es dieses Mal schneller oder einfacher?
Was waren vor ein paar Monaten oder Jahren deine Ziele? Was waren deine Schwierigkeiten? Welche davon hast du bereits gemeistert?
Gibt es andere Lebensbereiche, wo du bereits Fortschritt sehen kannst? Gibt es bereits Bereiche, in denen du anders handelst als früher, mehr deinen Werten entsprechend?

Manchmal, wenn ich die Perspektive wechseln und das große Ganze meiner Entwicklung sehen kann, kann ich mich sogar über scheinbare Rückschritte freuen, weil ich merke, dass ich schon lange nicht mehr so gehandelt habe oder in anderen Situationen bereits anders handeln kann.

Wenn ich beispielsweise Zeiten habe, in denen ich voll überfordert bin mit meinen Gefühlen und alles zu anstrengend ist, schaffe ich es immer öfter, meine Perspektive zu wechseln und mich zu erinnern, dass ich früher ständig in diesem Modus unterwegs war und dass es inzwischen eigentlich ziemlich selten ist und auch gar nicht mehr so lange andauert wie früher. Darüber kann ich mich freuen, auch wenn es vorher schien, als wäre es ein Rückschritt. Ja, gerade bin ich vielleicht an einem tieferen Punkt als ich gerne wäre. Aber:

Ich bin nicht mehr so oft / so lange / so viel / in so vielen Kontexten / so tief in meinem eigenen Scheiß gefangen wie früher!

Und das darf ich kräftig feiern! Und du auch!

Neues Thema, neuer Start

Meine Erfahrung sagt auch: Egal, wie weit ich bereits in einigen Bereichen bin, fange ich bei jedem neuen großen Thema wieder ziemlich von vorne an. ABER: Ich bin den Weg dann bereits viele Male gegangen, kenne mich aus, kenne mich und meine Phasen immer besser, weiß, was ich brauche, was mich unterstützt, habe immer mehr Tools zur Verfügung, immer mehr Anknüpfungspunkte zu anderen Themen und Verhaltensweisen und kann durch all das viel schneller auch dieses neue Thema bewältigen.

Ein persönliches Beispiel: Eifersucht

Ich habe bereits einen guten Umgang mit vielen heftigen Emotionen gefunden. Trauer ist für mich inzwischen nur noch sehr selten schmerzhaft oder unangenehm, die meiste Zeit finde ich sie schön und genieße die Verbindung, die sie mir zu mir selbst bringt. Angst ist mein lieber Begleiter, dessen Beratung ich die meiste Zeit sehr schätze und den ich immer öfter liebevoll Huckepack nehme, wenn ich etwas Neues machen möchte. Wut kann ich oft schon als Energiequelle dankbar annehmen und mich vor allem im Nachgang darüber freuen, wie sie mir geholfen hat, für mich einzustehen und Grenzen zu setzen.

Neu ist die Eifersucht, die in mein Leben getreten ist, seit ich in einer polyamoren Beziehung lebe. Dieses Gefühl hat mich früher fast nie besucht und nun ist es ständig in mir zu Gast. Ich darf wie bei allen anderen Emotionen ganz am Anfang beginnen und habe erst einmal probiert, das Gefühl zu ignorieren, wegzumachen oder mir rational auszureden. Ich habe mich dafür verurteilt, dass es da ist, und bin ich große Not gekommen, wann es in mir auftauchte. Ich bin voll ins Drama gegangen und dachte, ich kann es nicht aushalten, mich so zu fühlen. Genau wie damals bei anderen Emotionen.

Inzwischen bin ich schon in vielen Situationen so weit, dass ich zumindest akzeptieren kann, dass es da ist. Ich verurteile mich seltener dafür, kann es verstehen, weiß, worauf es mich hinweisen will, kenne die Zusammenhänge, kenne seinen Zweck. Ich weiß auch, dass ich bei anderen Emotionen an demselben Punkt war und das macht es mir leichter. Außerdem habe ich beim Beschäftigen mit anderen Themen und Gefühlen viele Tools gefunden, die mir auch bei einem konstruktiven Umgang mit der Eifersucht helfen und die ich nun auch dort einsetzen lernen darf.

Die Eifersucht liebevoll zu betrachten, anzunehmen, ihre Schönheit zu erkennen, sie vielleicht sogar zu feiern – davon bin ich zum jetzigen Zeitpunkt noch ein paar Wellen entfernt. Und auch da merke ich immer wieder Hochs und mehr Gelassenheit, dann wieder Drama und Absturz – und jedes Mal ein bisschen weniger tief als die Male zuvor. Juhuuu! 🙂

Also vielleicht magst du auch einmal genauer hinsehen und das große Ganze ins Blickfeld holen. Bist du wirklich mit allem an derselben Stelle wie vor einigen Jahren? Ist GAR NICHTS vorangegangen? Oder befindest du dich in einem Tief, das eigentlich ein Schwungholen ist für den nächsten, noch höheren Aufstieg als das letzte Mal?

Tipp: Feiern! Laut! Ausgiebig!

Mir hat es unglaublich viel Kraft und Freude gegeben, auch die kleinsten Schritte täglich zu feiern. Ich habe mir selbst einen kleinen „Eid“ geschrieben, wie ich mit mir umgehen möchte. Die letzten Zeilen dieses Eids lauten: „Und ich verspreche mir, dass ich alle Schritte in die Richtung, die ich gehen mag, feiere, und mögen sie noch so klein sein.“

Diesen Eid lese ich mir jeden Tag laut vor und danach rede ich mit mir selbst darüber, was ich bereits am Tag zuvor oder heute an kleinen Schritten geschafft habe und wo ich wieder ein Minibisschen oder mehr vorangekommen bin. Das laute Aussprechen macht einen riesigen Unterschied zu dem klassischen „Schreibe drei Dinge auf, die du wertschätzt“, weil meine Stimme und Haltung dazu führen, dass ich es viel besser spüren kann. Und der Fokus auf mein eigenes Handeln anstatt auf die Dinge, die ich „habe“, hilft mir, meine Selbstwirksamkeit und eigene Kraft zu sehen.

Der Eid hilft mir, mich erst einmal daran zu gewöhnen, meine Stimme laut zu hören, obwohl niemand da ist, und dann beginne ich einen Selbstdialog, in dem mir, umso länger ich in dieser Perspektive auf mein Handeln blicke, mehr und mehr Sachen einfallen, in denen ich bereits vorangekommen bin. Das hilft mir wieder mehr in mehr in meine Kraft, sodass ich mit Freude dranbleiben und weiter durchstarten kann.

Probiere es gerne mal eine Woche lang aus und schreib mir eine Email, wie es für dich war, wenn du magst! Ich freue mich über Feedback, Fragen und Resonanz.

Ich wünsche dir, dass du gütig mit dir (und auch mit deinem inneren Antreiber/Kritiker) sein und euch beide feiern kannst. Denn das Leben kann so schön sein, wenn wir uns dessen Fülle bewusst machen. 🙂

Falls du begleitet mehr lernen magst, dich selbst liebevoll zu sehen, wertzuschätzen und zu feiern oder Unterstützung dabei möchtest, deinen Wellen noch etwas voranzubringen, dann schau doch mal in unser Onlineprogramm.

Vor allem das Thema Selbstliebe oder das Thema Glaubenssätze könnte bei diesem Thema besonders relevant für dich sein.

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Folge 20: Wertschätzung und Dankbarkeit authentisch ausdrücken (GFK-Podcast)

In der letzten Folge hast du bereits gelernt, wie du deine Gefühle und Bedürfnisse tiefer ergründen und vom bewertenden Lob in die Haltung von echter Wertschätzung kommen kannst. In dieser Folge mag ich dir zeigen, wie du Wertschätzung und Dankbarkeit auf tiefe, offene und transparente Weise auszudrücken kannst, wenn Menschen zu deinem Leben beigetragen haben.

Folge 20: Wertschätzung und Dankbarkeit authentisch ausdrücken (GFK-Podcast)

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Folge 19: Von Lob zu Wertschätzung und Dankbarkeit (GFK-Podcast)

Du kennst jetzt bereits die vier Schritte und ihre Grundunterscheidungen. In dieser Podcastfolge mag ich dir näherbringen, wie du dieses Wissen nutzen kannst, um deine Wertschätzung und Dankbarkeit tiefer zu spüren, besser zu verstehen und sie von klassischem Lob zu unterscheiden.

Folge 19: Von Lob zu Wertschätzung und Dankbarkeit (GFK-Podcast)

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Folge 18: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Tipps zu Haltung und Sprache (GFK-Podcast)

Gerade im Bezug auf Konflikte ist es mir noch einmal ein besonderes Anliegen, die Haltung hinter den vier Schritten zusammenzufassen, damit GFK nicht als Werkzeug zur Manipulation verwendet wird, sondern als Möglichkeit, eigene Klarheit zu gewinnen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ein wertschätzendes Miteinander zu finden. Um in die jeweilige Haltung zu kommen und sie auch rüberzubringen, zeige ich dir hier noch einmal sprachliche Formulierungen, die häufig aufdecken, in welcher Haltung wir uns befinden und solche, die uns helfen können, in die GFK-Haltung zu kommen. 

Außerdem geht es in dieser Folge auch um das Lernen der GFK an sich und wie du wirklich nachhaltig lernen kannst, GFK in dein Leben zu integrieren.

Folge 18: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Tipps zu Haltung und Sprache (GFK-Podcast)

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Folge 22: Ist das Empathie? – Empathie nach GFK tiefer verstehen und klar abgrenzen

In der letzten Folge hast du schon die GFK-Definition von Empathie näher kennengelernt und erfahren, wie sie sich sich von Mitleid und Sympathie abgrenzt. In dieser Folge lade ich dich ein, dein Erleben von Empathie zu überprüfen und anhand konkreter Beispiele tiefer in die Haltung der GFK zu Empathie einzusteigen und dabei Empathie noch klarer von anderen Konzepten abzugrenzen.

Ich bitte dich, alles, was ich über Empathie und nicht Empathie schreibe, mit folgendem Hintergrund zu lesen:

Es geht NICHT um Richtig oder Falsch! Es geht nicht darum, dass als Reaktion in der GFK nur Empathie gut und zulässig ist.

Es geht – wie bei den anderen Grundunterscheidungen auch – nur darum, uns klar zu machen, was was ist, da es unterschiedliche Wirkungen erzeugt. Ich möchte an keiner Stelle eine Handlung wertend über eine andere stellen oder sagen, dass irgendeine Reaktion „falsch“ wäre. Ich möchte die folgende Übung nutzen, um dir die Definition der Empathie nach GFK näherzubringen und dich zu sensibilisieren für die mögliche Wirkung von verschiedenen Antworten.

Ist das Empathie? Interaktive Übung

Ich gebe dir eine Situation, in der dir jemand sein Leid klagt. Bitte überlege dir zuerst, wie du darauf reagieren würdest, also was du sagen / tun würdest. Danach lies dir die Möglichkeiten unten durch und prüfe, welche der Aussagen für dich empathisch sind.

Wenn du das getan hast, erkläre ich dir einzeln, welche der Beispielsätze meiner Ansicht nach Empathie sind, welche Empathie sogar blockieren könnten und wieso.

Beispiel:
Ein guter Freund erzählt dir: „Mein Vorstellungsgespräch lief richtig mies. Ich hab total gestottert, teilweise Fragen nicht beantworten können und am Ende war die Chefin mir gegenüber kalt und abweisend … Ich bin mir sicher, dass ich es verhauen hab und den tollen Job nicht bekommen werde. Ich fühle mich hundeelend.“

Wie würdest du reagieren? Überlege dir zunächst, was du sagen würdest.

Nun bekommst du ein paar Vorschläge für Reaktionen. Bitte prüfe für dich, welche du als Empathie einschätzen würdest.

  1. Vielleicht machst du mal einen Kurs, um dein Selbstbewusstsein zu steigern?
  2. Ich kenne jemanden, der sucht gerade einen Mitarbeiter in seiner Firma. Ich kann dir den Kontakt geben, wenn du magst.
  3. Weißt du was, wir gehen was trinken. Ich geb’ einen aus!
  4. Du hast dein Bestes gegeben. Du wirst sicher einen Job finden, wo es besser klappt!
  5. Es ist doch noch gar nichts sicher. Mach dir keine Sorgen, es wird bestimmt alles gut!
  6. Die hatten wahrscheinlich einen miesen Tag und waren nicht offen für dich!
  7. Es gibt Schlimmeres auf der Welt. Viele haben überhaupt kein Dach über dem Kopf!
  8. Du musst das einfach positiv sehen. Es kann auch eine Chance sein.
  9. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht beim Üben deines Bewerbungsgesprächs geholfen hab, sonst hätte es vielleicht besser geklappt!
  10. Oh je, das tut mir wirklich leid für dich!
  11. Ich kenn das, bei mir war das für den vorherigen Job genauso. Da hab ich …
  12. Ich weiß schon, woran das liegt. Du bist zu unsicher und hast Angst vor Bewertung. Das kommt sicher daher, dass du in der Schule oft gehänselt wurdest.
  13. Ist ja kein Wunder, dass du dich hundeelend fühlst. So was ist wirklich schlimm.
  14. Ich finde das richtig unfair. Du bist so ein guter Kerl! Diese Chefin, die dir nicht mal eine echte Chance gibt, dich arbeiten zu sehen, muss wirklich dumm sein. 
  15. Klingt für mich, als wärst du besorgt und wünschst dir die Sicherheit, einen Job zu finden, mit dem du glücklich bist. Ist das so?
  16. Und jetzt bist du wahrscheinlich total enttäuscht? Wünschst du dir, mit deinen Fähigkeiten wirklich gesehen zu werden?

Lies hier weiter, sobald du alle Sätze für dich eingeschätzt hast.

Empathie ist im Hier und Jetzt (Satz 1-3)

1. Vielleicht machst du mal einen Kurs, um dein Selbstbewusstsein zu steigern?
2. Ich kenne jemanden, der sucht gerade einen Mitarbeiter in seiner Firma. Ich kann dir den Kontakt geben, wenn du magst.
3. Weißt du was, wir gehen was trinken. Ich geb’ einen aus!

Die ersten drei Beispielsätze sind nach GFK nicht empathisch, da Empathie sich auf die Gegenwart bezieht und sein lässt, was ist. Sätze 1-3 lenken vom Gefühl ab, sind in die Zukunft gerichtet und lösungsbasiert. Keiner der Sätze holt den Freund mit seinen Gefühlen ab, die gerade präsent sind. Es wird eher darüber hinweg gegangen, um möglichst schnell einen Weg zu finden, die Trauer und Enttäuschung loszuwerden – mittels Ratschlag, Ablenkung oder Lösungsidee.

Lösungsorientierte Reaktionen sind tendenziell hinderlich für Empathie, da sie nicht annehmen, was ist, sondern möglichst schnell einen Weg raus aus den „negativen“ Emotionen bieten wollen. Sie können dazu führen, dass die innere eigene Kraft des Freundes gehemmt ist, die ihm helfen würde, das Wachstumspotenzial der Situation aus sich heraus voll zu entfalten und zu nutzen – und am Ende eigene Lösungen zu entwickeln.

Empathie findet immer im Hier und Jetzt statt. Der Begriff „Präsenz“ oder „präsent sein“, der für Empathie ganz entscheidend ist, ist eng verwandt mit dem Begriff „Präsens“, also der Gegenwart. Empathie bedeutet: Ich nehme an, was im Hier und Jetzt ist, anstatt in die Zukunft zu planen.

Empathie lässt Gefühle da sein (Satz 4-8)

4. Du hast dein Bestes gegeben. Du wirst sicher einen Job finden, wo es besser klappt!
5. Es ist doch noch gar nichts sicher. Mach dir keine Sorgen, es wird bestimmt alles gut!
6. Die hatten wahrscheinlich einen miesen Tag und waren nicht offen für dich!
7. Es gibt Schlimmeres auf der Welt. Viele haben überhaupt kein Dach über dem Kopf!

8. Du musst das einfach positiv sehen. Es kann auch eine Chance sein.

Auch Sätze 4 bis 8 sind nicht empathisch, denn sie haben zum Ziel, die „negativen“ Gefühle wegzumachen und ein „besseres“ Gefühl zu erzeugen. Vergleiche, Trost, Rechtfertigungen oder Be­schwichtigungen sind auch tendenziell Blockaden für Empathie, da auch sie nicht dazu dienen, das anzunehmen, was gerade da ist. Stattdessen haben sie den Effekt oder das Ziel, die Einstellung und damit das Gefühl des Freundes zu verändern. Solange sein Schmerz allerdings nicht angenommen wurde, wird es ihm vermutlich schwerfallen, eine neue Sichtweise einzunehmen.

Die Wahrscheinlichkeit ist außerdem hoch, dass der Eindruck entstehen, dass das Gefühl, das das Gegenüber gerade fühlt, nicht gerechtfertigt, also „nicht okay“ oder „falsch“ ist. Gerade Reaktionen wie in Satz 7 oder 8 können sogar dazu führen, dass bei der Person, die gerade traurig, enttäuscht oder wütend ist, noch Schuld oder Scham hinzukommen.

Empathie lässt die Gefühle da sein, die gerade da sind, und unterstützt dabei, diese anzunehmen, zu verstehen und den natürlichen Fühlprozess zu begleiten.

Warum es so wichtig ist, Gefühle erst einmal stehen zu lassen, ohne sie verändern zu wollen, hast du bereits in verschiedenen Blogartikeln zu Gefühlen erfahren. Falls du noch einmal nachlesen willst, findest du den ersten Blogartikel zu Gefühlen hier:

Empathie gibt dem Gegenüber Raum (Sätze 9-11)

9. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht beim Üben deines Bewerbungsgesprächs geholfen hab, sonst hätte es vielleicht besser geklappt!
10. Oh je, das tut mir wirklich leid für dich!
11. Ich kenn das, bei mir war das für den vorherigen Job genauso. Da hab ich …

In den Sätzen 9 bis 11 wird dem Freund ebenfalls nicht der Raum für seine Emotionen gegeben, der nötig wäre, um seine Situation anzunehmen. Es handelt sich nicht um Empathie, denn statt mich leer zu machen und bei meinem Freund zu sein, lenke ich den Fokus auf mich selbst: nun geht es um meine Gefühle.

In Satz 9 entschuldige ich mich, was bedeutet, dass ich mich mitverantwortlich für das Leid meines Freundes mache. Entschuldigungen führen dazu, dass ich nicht mehr bei den Gefühlen des Freundes bin, sondern in meinem eigenen Schmerz darüber, dass ich dazu beigetragen habe. Dadurch leite ich den Fokus weg von seinen Gefühlen, da es nun um mich geht.

Der 10. Satz ist ähnlich, denn er beinhaltet Mitleid. Mitleid ist – wie bereits im letzten Blogartikel kurz angedeutet – nicht dasselbe wie Mitgefühl oder Empathie. Bei Mitleid – wie das Wort bereits aussagt – leide ich mit der Person und bin ebenfalls im Schmerz. Was Mitleid bewirken kann, kannst du im letzten Blogartikel noch einmal nachlesen.

Im 11. Satz („Ich kenn das, bei mir war das für den vorherigen Job genauso. Da hab ich …“) erzähle ich von eigenen Geschichten und stelle ebenfalls mich in den Mittelpunkt, anstatt dem Freund Raum zu lassen.

Bei MitGEFÜHL oder Empathie bleibe ich selbst außen vor. Ich lasse mich auf die Gefühle der anderen Person ein, ohne sie zu meinen eigenen zu machen. Passend dazu gibt es den Spruch: „Ich laufe in den Schuhen eines anderen, wohl wissend, dass es nicht meine eigenen sind.“

Empathie ist auf das Herz gerichtet (Sätze 12-14)

12. Ich weiß schon, woran das liegt. Du bist zu unsicher und hast Angst vor Bewertung. Das kommt sicher daher, dass du in der Schule oft gehänselt wurdest.
13. Ist ja kein Wunder, dass du dich hundeelend fühlst. So was ist wirklich schlimm.
14. Ich finde das richtig unfair. Du bist so ein guter Kerl! Diese Chefin, die dir nicht mal eine echte Chance gibt, dich arbeiten zu sehen, muss wirklich dumm sein. 

Die Sätze 12 bis 14 sind ebenfalls keine empathischen Reaktionen nach GFK, denn sie gehen nicht auf das Gefühl der Person ein, sondern reagieren tendenziell auf kognitiver Ebene, also auf Kopfebene, mit dem Verstand, der Logik, der Vernunft. Oft ist damit der Versuch verbunden, die Einstellung der Person oder ihr Verhalten zu verändern oder zu analysieren.

Satz 12 diagnostiziert oder analysiert das Verhalten oder die Gefühle des Freundes. Das kann den Freund im Kopf halten und seine negativen Erinnerungen verstärken, anstatt sein Gefühl zuzulassen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Analysen können auch dazu führen, dass Menschen sich nicht auf Augenhöhe erleben.

Bei Satz 13 wird begründet, warum das Verhalten und die Gefühle des Freundes gerechtfertigt sind. Dabei geht es nicht mehr nur ums Verstehen, sondern darum, ob ich mit dem Gefühl oder dem Verhalten einverstanden bin – ich bewerte es als „gerechtfertigt“. Wenn du dich erinnerst, das ist eine der klassischen „Sympathie-Reaktionen“.

Auch in Satz 14 bewerte ich und fokussiere mich auf Urteile über andere Personen, die „schuld“ sind.

Diese Reaktionen können seine Wut, den Opferstatus und damit Hilflosigkeit meines Gegenübers fördern. Ich lege den Fokus auf den Mangel und das Leid. Sein Leid kann dadurch vergrößert oder verlängert werden, wenn ich auf seine Urteile einsteige und diese verstärke.

Empathie hingegen legt den Fokus auf die Gefühle und Bedürfnisse der Person, damit die Gefühle Raum erhalten und die Bedürfnisse, um die es geht, erkannt werden können. Dadurch ergibt sich Raum für Heilung und neue Möglichkeiten, nun für die Erfüllung des Bedürfnisses zu sorgen. Denn die Empathie geht nach dem Motto:

Alles, was da ist, darf auch da sein
– und was wirklich sein darf, kann sich verändern.

Gefühle und Bedürfnisse vermuten (Sätze 15-16)

15. Klingt für mich, als wärst du besorgt und wünschst dir die Sicherheit, einen Job zu finden, mit dem du glücklich bist. Ist das so?
16. Und jetzt bist du wahrscheinlich total enttäuscht? Wünschst du dir, mit deinen Fähigkeiten wirklich gesehen zu werden?

Die Sätze 15 und 16 sind aus meinem Verständnis der GFK empathisch. Sie drücken Vermutungen über Gefühle und Bedürfnisse aus und eröffnen der anderen Person den Raum, diese wahrzunehmen, zu spüren und tiefer mit sich in Verbindung zu kommen.

Dabei geht es vor allem um die Haltung, dass ich einen Vorschlag mache, was ich aus dem, was die Person gesagt hat, vermute, was an Gefühlen und Bedürfnissen da ist. Ich frage liebevoll nach und bin offen dafür, dass es um etwas ganz anderes geht.

Nichts ist besser oder schlechter – Alles wirkt!

Die Antworten 1-14 sind nach GFK also keine Empathie. Jedoch heißt das – wie ich bereits zu Beginn sagte – nicht, dass sie als Reaktion auf den Freund schlecht oder weniger wertvoll wären. Sie sind eben nur einfach keine Empathie. Sie bewirken oft etwas anderes, als es Empathie tut. Deshalb ist es nicht schlechter, sondern eben einfach anders.

Je nachdem, was ich bei meinem Freund erreichen möchte, kann ich wählen, ob ich Empathie zeigen, Lösungen finden, Ratschläge geben, ihm eine Lebensweisheit nahebringen oder sonst wie reagieren will. 

Meine Erfahrung sagt: Es kann äußerst schmerzhaft für den Freund sein, der sich gerade öffnet und seinen Schmerz freilegt, wenn er zunächst etwas anderes als Empathie bekommt. Vor allem alle Reaktionen, die seine Gefühle „wegmachen“ wollen, setzen auf den sowieso vorhandenen Schmerz noch Druck und Angst drauf, so wie er sich fühlt nicht willkommen zu sein und etwas ändern zu müssen. Jemand, der vor allem gerade gehört und verstanden werden will und stattdessen einen Ratschlag bekommt, erlebt emotional das Sprichwort „Ratschläge sind auch Schläge“. 

Und auch das gilt nicht für jeden Menschen. Manche Leute möchten ihre Gefühle vielleicht nur aus dem Grund teilen, dass sie in ihren Gedanken bestätigt werden, Lösungen angeboten kriegen oder hören, dass sie mit solchen Geschichten nicht alleine sind.

Daher ist es wichtig, dass wir uns bewusst machen, was Empathie und was etwas anderes ist, damit wir die Person fragen können, was sie sich wünscht, und entsprechend reagieren können.

In der nächsten Folge gehe ich noch intensiver auf die Folgen und die Wirkung von Empathie ein und warum ich es für so wertvoll und wichtig halte, eine empathische Haltung zu erlernen – für mich als Zuhörerin und für mein Gegenüber.

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