Folge 18: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Tipps zu Haltung und Sprache (GFK-Podcast)

Gerade im Bezug auf Konflikte ist es mir noch einmal ein besonderes Anliegen, die Haltung hinter den vier Schritten zusammenzufassen, damit GFK nicht als Werkzeug zur Manipulation verwendet wird, sondern als Möglichkeit, eigene Klarheit zu gewinnen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ein wertschätzendes Miteinander zu finden. Um in die jeweilige Haltung zu kommen und sie auch rüberzubringen, zeige ich dir hier noch einmal sprachliche Formulierungen, die häufig aufdecken, in welcher Haltung wir uns befinden und solche, die uns helfen können, in die GFK-Haltung zu kommen. 

Außerdem geht es in dieser Folge auch um das Lernen der GFK an sich und wie du wirklich nachhaltig lernen kannst, GFK in dein Leben zu integrieren.

Folge 18: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Tipps zu Haltung und Sprache

Props und herzlichen Dank an Andi Bree, der das Intro und Outro eingespielt hat! Danke für deine Geduld, Mühe und Offenheit, deine wundervolle Musik mit den Menschen zu teilen!

Folge 22: Ist das Empathie? – Empathie nach GFK tiefer verstehen und klar abgrenzen

In der letzten Folge hast du schon die GFK-Definition von Empathie näher kennengelernt und erfahren, wie sie sich sich von Mitleid und Sympathie abgrenzt. In dieser Folge lade ich dich ein, dein Erleben von Empathie zu überprüfen und anhand konkreter Beispiele tiefer in die Haltung der GFK zu Empathie einzusteigen und dabei Empathie noch klarer von anderen Konzepten abzugrenzen.

Ich bitte dich, alles, was ich über Empathie und nicht Empathie schreibe, mit folgendem Hintergrund zu lesen:

Es geht NICHT um Richtig oder Falsch! Es geht nicht darum, dass als Reaktion in der GFK nur Empathie gut und zulässig ist.

Es geht – wie bei den anderen Grundunterscheidungen auch – nur darum, uns klar zu machen, was was ist, da es unterschiedliche Wirkungen erzeugt. Ich möchte an keiner Stelle eine Handlung wertend über eine andere stellen oder sagen, dass irgendeine Reaktion „falsch“ wäre. Ich möchte die folgende Übung nutzen, um dir die Definition der Empathie nach GFK näherzubringen und dich zu sensibilisieren für die mögliche Wirkung von verschiedenen Antworten.

Ist das Empathie? Interaktive Übung

Ich gebe dir eine Situation, in der dir jemand sein Leid klagt. Bitte überlege dir zuerst, wie du darauf reagieren würdest, also was du sagen / tun würdest. Danach lies dir die Möglichkeiten unten durch und prüfe, welche der Aussagen für dich empathisch sind.

Wenn du das getan hast, erkläre ich dir einzeln, welche der Beispielsätze meiner Ansicht nach Empathie sind, welche Empathie sogar blockieren könnten und wieso.

Beispiel:
Ein guter Freund erzählt dir: „Mein Vorstellungsgespräch lief richtig mies. Ich hab total gestottert, teilweise Fragen nicht beantworten können und am Ende war die Chefin mir gegenüber kalt und abweisend … Ich bin mir sicher, dass ich es verhauen hab und den tollen Job nicht bekommen werde. Ich fühle mich hundeelend.“

Wie würdest du reagieren? Überlege dir zunächst, was du sagen würdest.

Nun bekommst du ein paar Vorschläge für Reaktionen. Bitte prüfe für dich, welche du als Empathie einschätzen würdest.

  1. Vielleicht machst du mal einen Kurs, um dein Selbstbewusstsein zu steigern?
  2. Ich kenne jemanden, der sucht gerade einen Mitarbeiter in seiner Firma. Ich kann dir den Kontakt geben, wenn du magst.
  3. Weißt du was, wir gehen was trinken. Ich geb’ einen aus!
  4. Du hast dein Bestes gegeben. Du wirst sicher einen Job finden, wo es besser klappt!
  5. Es ist doch noch gar nichts sicher. Mach dir keine Sorgen, es wird bestimmt alles gut!
  6. Die hatten wahrscheinlich einen miesen Tag und waren nicht offen für dich!
  7. Es gibt Schlimmeres auf der Welt. Viele haben überhaupt kein Dach über dem Kopf!
  8. Du musst das einfach positiv sehen. Es kann auch eine Chance sein.
  9. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht beim Üben deines Bewerbungsgesprächs geholfen hab, sonst hätte es vielleicht besser geklappt!
  10. Oh je, das tut mir wirklich leid für dich!
  11. Ich kenn das, bei mir war das für den vorherigen Job genauso. Da hab ich …
  12. Ich weiß schon, woran das liegt. Du bist zu unsicher und hast Angst vor Bewertung. Das kommt sicher daher, dass du in der Schule oft gehänselt wurdest.
  13. Ist ja kein Wunder, dass du dich hundeelend fühlst. So was ist wirklich schlimm.
  14. Ich finde das richtig unfair. Du bist so ein guter Kerl! Diese Chefin, die dir nicht mal eine echte Chance gibt, dich arbeiten zu sehen, muss wirklich dumm sein. 
  15. Klingt für mich, als wärst du besorgt und wünschst dir die Sicherheit, einen Job zu finden, mit dem du glücklich bist. Ist das so?
  16. Und jetzt bist du wahrscheinlich total enttäuscht? Wünschst du dir, mit deinen Fähigkeiten wirklich gesehen zu werden?

Lies hier weiter, sobald du alle Sätze für dich eingeschätzt hast.

Empathie ist im Hier und Jetzt (Satz 1-3)

1. Vielleicht machst du mal einen Kurs, um dein Selbstbewusstsein zu steigern?
2. Ich kenne jemanden, der sucht gerade einen Mitarbeiter in seiner Firma. Ich kann dir den Kontakt geben, wenn du magst.
3. Weißt du was, wir gehen was trinken. Ich geb’ einen aus!

Die ersten drei Beispielsätze sind nach GFK nicht empathisch, da Empathie sich auf die Gegenwart bezieht und sein lässt, was ist. Sätze 1-3 lenken vom Gefühl ab, sind in die Zukunft gerichtet und lösungsbasiert. Keiner der Sätze holt den Freund mit seinen Gefühlen ab, die gerade präsent sind. Es wird eher darüber hinweg gegangen, um möglichst schnell einen Weg zu finden, die Trauer und Enttäuschung loszuwerden – mittels Ratschlag, Ablenkung oder Lösungsidee.

Lösungsorientierte Reaktionen sind tendenziell hinderlich für Empathie, da sie nicht annehmen, was ist, sondern möglichst schnell einen Weg raus aus den „negativen“ Emotionen bieten wollen. Sie können dazu führen, dass die innere eigene Kraft des Freundes gehemmt ist, die ihm helfen würde, das Wachstumspotenzial der Situation aus sich heraus voll zu entfalten und zu nutzen – und am Ende eigene Lösungen zu entwickeln.

Empathie findet immer im Hier und Jetzt statt. Der Begriff „Präsenz“ oder „präsent sein“, der für Empathie ganz entscheidend ist, ist eng verwandt mit dem Begriff „Präsens“, also der Gegenwart. Empathie bedeutet: Ich nehme an, was im Hier und Jetzt ist, anstatt in die Zukunft zu planen.

Empathie lässt Gefühle da sein (Satz 4-8)

4. Du hast dein Bestes gegeben. Du wirst sicher einen Job finden, wo es besser klappt!
5. Es ist doch noch gar nichts sicher. Mach dir keine Sorgen, es wird bestimmt alles gut!
6. Die hatten wahrscheinlich einen miesen Tag und waren nicht offen für dich!
7. Es gibt Schlimmeres auf der Welt. Viele haben überhaupt kein Dach über dem Kopf!

8. Du musst das einfach positiv sehen. Es kann auch eine Chance sein.

Auch Sätze 4 bis 8 sind nicht empathisch, denn sie haben zum Ziel, die „negativen“ Gefühle wegzumachen und ein „besseres“ Gefühl zu erzeugen. Vergleiche, Trost, Rechtfertigungen oder Be­schwichtigungen sind auch tendenziell Blockaden für Empathie, da auch sie nicht dazu dienen, das anzunehmen, was gerade da ist. Stattdessen haben sie den Effekt oder das Ziel, die Einstellung und damit das Gefühl des Freundes zu verändern. Solange sein Schmerz allerdings nicht angenommen wurde, wird es ihm vermutlich schwerfallen, eine neue Sichtweise einzunehmen.

Die Wahrscheinlichkeit ist außerdem hoch, dass der Eindruck entstehen, dass das Gefühl, das das Gegenüber gerade fühlt, nicht gerechtfertigt, also „nicht okay“ oder „falsch“ ist. Gerade Reaktionen wie in Satz 7 oder 8 können sogar dazu führen, dass bei der Person, die gerade traurig, enttäuscht oder wütend ist, noch Schuld oder Scham hinzukommen.

Empathie lässt die Gefühle da sein, die gerade da sind, und unterstützt dabei, diese anzunehmen, zu verstehen und den natürlichen Fühlprozess zu begleiten.

Warum es so wichtig ist, Gefühle erst einmal stehen zu lassen, ohne sie verändern zu wollen, hast du bereits in verschiedenen Blogartikeln zu Gefühlen erfahren. Falls du noch einmal nachlesen willst, findest du den ersten Blogartikel zu Gefühlen hier:

Empathie gibt dem Gegenüber Raum (Sätze 9-11)

9. Es tut mir so leid, dass ich dir nicht beim Üben deines Bewerbungsgesprächs geholfen hab, sonst hätte es vielleicht besser geklappt!
10. Oh je, das tut mir wirklich leid für dich!
11. Ich kenn das, bei mir war das für den vorherigen Job genauso. Da hab ich …

In den Sätzen 9 bis 11 wird dem Freund ebenfalls nicht der Raum für seine Emotionen gegeben, der nötig wäre, um seine Situation anzunehmen. Es handelt sich nicht um Empathie, denn statt mich leer zu machen und bei meinem Freund zu sein, lenke ich den Fokus auf mich selbst: nun geht es um meine Gefühle.

In Satz 9 entschuldige ich mich, was bedeutet, dass ich mich mitverantwortlich für das Leid meines Freundes mache. Entschuldigungen führen dazu, dass ich nicht mehr bei den Gefühlen des Freundes bin, sondern in meinem eigenen Schmerz darüber, dass ich dazu beigetragen habe. Dadurch leite ich den Fokus weg von seinen Gefühlen, da es nun um mich geht.

Der 10. Satz ist ähnlich, denn er beinhaltet Mitleid. Mitleid ist – wie bereits im letzten Blogartikel kurz angedeutet – nicht dasselbe wie Mitgefühl oder Empathie. Bei Mitleid – wie das Wort bereits aussagt – leide ich mit der Person und bin ebenfalls im Schmerz.

Mitleid kann mehrere Folgen haben, die verhindern, dass der Freund seinen Raum bekommt:

  • Sein Schmerz wird nicht gelindert, sondern vergrößert sich, da nun zwei Menschen darunter leiden. Bei Mitleid ist geteiltes Leid oft nicht halbes, sondern doppeltes Leid.
  • Mit Mitleid mache ich meinen Freund zum Opfer, was ihm die eigene Verantwortung für sein Leben sowie seine eigene Kraft und Stärke abspricht und zu größerer Hilflosigkeit und Verzweiflung führen kann.
  • Zukünftig wird sich der Freund mir vielleicht nicht mehr anvertrauen, da er mich nicht „belasten“ oder „traurig machen“ will.
  • Möglicherweise fühlt sich der Freund zusätzlich zu seiner Enttäuschung noch schuldig, weil es mir durch seine Geschichte nun ebenfalls schlecht geht. Vielleicht erlebt er sich sogar dazu gedrängt, jetzt mich zu trösten oder das Thema herunterzuspielen.

Im 11. Satz („Ich kenn das, bei mir war das für den vorherigen Job genauso. Da hab ich …“) erzähle ich von eigenen Geschichten und stelle ebenfalls mich in den Mittelpunkt, anstatt dem Freund Raum zu lassen.

Bei MitGEFÜHL oder Empathie bleibe ich selbst außen vor. Ich lasse mich auf die Gefühle der anderen Person ein, ohne sie zu meinen eigenen zu machen. Passend dazu gibt es den Spruch: „Ich laufe in den Schuhen eines anderen, wohl wissend, dass es nicht meine eigenen sind.“

Empathie ist auf das Herz gerichtet (Sätze 12-14)

12. Ich weiß schon, woran das liegt. Du bist zu unsicher und hast Angst vor Bewertung. Das kommt sicher daher, dass du in der Schule oft gehänselt wurdest.
13. Ist ja kein Wunder, dass du dich hundeelend fühlst. So was ist wirklich schlimm.
14. Ich finde das richtig unfair. Du bist so ein guter Kerl! Diese Chefin, die dir nicht mal eine echte Chance gibt, dich arbeiten zu sehen, muss wirklich dumm sein. 

Die Sätze 12 bis 14 sind ebenfalls keine empathischen Reaktionen nach GFK, denn sie gehen nicht auf das Gefühl der Person ein, sondern reagieren tendenziell auf kognitiver Ebene, also auf Kopfebene, mit dem Verstand, der Logik, der Vernunft. Oft ist damit der Versuch verbunden, die Einstellung der Person oder ihr Verhalten zu verändern oder zu analysieren.

Satz 12 diagnostiziert oder analysiert das Verhalten oder die Gefühle des Freundes. Das kann den Freund im Kopf halten und seine negativen Erinnerungen verstärken, anstatt sein Gefühl zuzulassen und sich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Analysen können auch dazu führen, dass Menschen sich nicht auf Augenhöhe erleben.

Bei Satz 13 wird begründet, warum das Verhalten und die Gefühle des Freundes gerechtfertigt sind. Dabei geht es nicht mehr nur ums Verstehen, sondern darum, ob ich mit dem Gefühl oder dem Verhalten einverstanden bin – ich bewerte es als „gerechtfertigt“. Wenn du dich erinnerst, das ist eine der klassischen „Sympathie-Reaktionen“.

Auch in Satz 14 bewerte ich und fokussiere mich auf Urteile über andere Personen, die „schuld“ sind.

Diese Reaktionen können seine Wut, den Opferstatus und damit Hilflosigkeit meines Gegenübers fördern. Ich lege den Fokus auf den Mangel und das Leid. Sein Leid kann dadurch vergrößert oder verlängert werden, wenn ich auf seine Urteile einsteige und diese verstärke.

Empathie hingegen legt den Fokus auf die Gefühle und Bedürfnisse der Person, damit die Gefühle Raum erhalten und die Bedürfnisse, um die es geht, erkannt werden können. Dadurch ergibt sich Raum für Heilung und neue Möglichkeiten, nun für die Erfüllung des Bedürfnisses zu sorgen. Denn die Empathie geht nach dem Motto:

Alles, was da ist, darf auch da sein – und nur was sein darf, kann sich verändern.

Gefühle und Bedürfnisse vermuten (Sätze 15-16)

15. Klingt für mich, als wärst du besorgt und wünschst dir die Sicherheit, einen Job zu finden, mit dem du glücklich bist. Ist das so?
16. Und jetzt bist du wahrscheinlich total enttäuscht? Wünschst du dir, mit deinen Fähigkeiten wirklich gesehen zu werden?

Die Sätze 15 und 16 sind aus meinem Verständnis der GFK empathisch. Sie drücken Vermutungen über Gefühle und Bedürfnisse aus und eröffnen der anderen Person den Raum, diese wahrzunehmen, zu spüren und tiefer mit sich in Verbindung zu kommen.

Dabei geht es vor allem um die Haltung, dass ich einen Vorschlag mache, was ich aus dem, was die Person gesagt hat, vermute, was an Gefühlen und Bedürfnissen da ist. Ich frage liebevoll nach und bin offen dafür, dass es um etwas ganz anderes geht.

Nichts ist besser oder schlechter – Alles wirkt!

Die Antworten 1-14 sind nach GFK also keine Empathie. Jedoch heißt das – wie ich bereits zu Beginn sagte – nicht, dass sie als Reaktion auf den Freund schlecht oder weniger wertvoll wären. Sie sind eben nur einfach keine Empathie. Sie bewirken oft etwas anderes, als es Empathie tut. Deshalb ist es nicht schlechter, sondern eben einfach anders.

Je nachdem, was ich bei meinem Freund erreichen möchte, kann ich wählen, ob ich Empathie zeigen, Lösungen finden, Ratschläge geben, ihm eine Lebensweisheit nahebringen oder sonst wie reagieren will. 

Meine Erfahrung sagt: Es kann äußerst schmerzhaft für den Freund sein, der sich gerade öffnet und seinen Schmerz freilegt, wenn er zunächst etwas anderes als Empathie bekommt. Vor allem alle Reaktionen, die seine Gefühle „wegmachen“ wollen, setzen auf den sowieso vorhandenen Schmerz noch Druck und Angst drauf, so wie er sich fühlt nicht willkommen zu sein und etwas ändern zu müssen. Jemand, der vor allem gerade gehört und verstanden werden will und stattdessen einen Ratschlag bekommt, erlebt emotional das Sprichwort „Ratschläge sind auch Schläge“. 

Und auch das gilt nicht für jeden Menschen. Manche Leute möchten ihre Gefühle vielleicht nur aus dem Grund teilen, dass sie in ihren Gedanken bestätigt werden, Lösungen angeboten kriegen oder hören, dass sie mit solchen Geschichten nicht alleine sind.

Daher ist es wichtig, dass wir uns bewusst machen, was Empathie und was etwas anderes ist, damit wir die Person fragen können, was sie sich wünscht, und entsprechend reagieren können.

In der nächsten Folge gehe ich noch intensiver auf die Folgen und die Wirkung von Empathie ein und warum ich es für so wertvoll und wichtig halte, eine empathische Haltung zu erlernen – für mich als Zuhörerin und für mein Gegenüber.

Folge 23: Die heilende Wirkung von Empathie – auf beiden Seiten

Empathie, wie sie die GFK versteht und wie du sie nun in den letzten beiden Folgen näher kennengerlent hast, kenne ich aus meiner Kindheit und Jugendzeit kaum. Erst, als ich mich mehr und mehr mit GFK beschäftigt habe, traten immer mehr Menschen in mein Leben, die in der Lage waren, mir diese Form der Empathie entgegenzubringen. Dabei habe ich festgestellt, welche unglaubliche Kraft und Heilung sich entfalten, wenn uns echte Empathie entgegengebracht wird. Dazu möchte ich dir eine persönliche Geschichte aus meinem Leben erzählen, die meine intensivste Erfahrung mit Empathie beinhaltet.

Der Beginn der Heilung: Eine meiner intensivsten Erfahrungen mit Empathie

2018 war für mich ein schweres Jahr und im Sommer habe ich besonders stark gelitten. Meine Depressionen, von denen ich gehofft hatte, dass ich sie einigermaßen überstanden hatte, hatten einen erneuten Höhe- bzw. Tiefpunkt erreicht und es gab einen Zwischenfall, in dem ich jemanden, der mir wichtig geworden war, verlor, und der die letzte Lebensfreude mit sich nahm, als er ging. Ich dachte, ich könnte nie wieder lachen – Schuldgefühle, Ängste, Sorgen, Schmerz und Verzweiflung drohten, mich aufzufressen. Freunde, Familie und Therapie konnten mir nicht helfen. Ich war kurz davor, mich für eine stationäre Klinik anzumelden und selbst das gab mir wenig Hoffnung.

Damals war ich bereits regelmäßig in einer Gruppe von GFK-lern, die sich privat trafen, um sich gegenseitig bei persönlichen Angelegenheiten zu unterstützen. Ich ging zu einem der Treffen und brachte mein Thema ein – der Schmerz war größer als Scham, Angst und Schuldgefühle, die es mir ausreden wollten, mir Hilfe zu holen.

Zwei oder drei Stunden lang besprach ich mit fünf GFK-lern mein Thema. Zunächst hörten sie mir einfach nur still zu, gaben mir den Raum, ließen mich erzählen. Alle von ihnen sahen mich mit liebevollen, gütigen Augen an, nickten, waren präsent. Sie werteten nicht über mich, meine Erzählung, mein Verhalten, meine Gefühle, sondern stellten dann Vermutungen über meine Gefühle und Bedürfnisse an.

„Bist du verzweifelt, weil du dir so sehnlichst wünschst, geliebt zu sein, wie du bist?“ Solche oder ähnliche Sätze, die den Nagel auf den Kopf trafen, brachten mich aus dem Kopf ins Herz, von meinen Gedanken und Urteilen zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen. Ich begann, bitterlich zu weinen, und selbst das wurde nicht bewertet, sondern durfte wie selbstverständlich da sein.

Niemand versuchte, mich zu trösten, oder gab mir zu verstehen, dass meine Gefühle zu viel waren. Ich wurde angenommen, mit allem, was gerade in mir war. Ich hatte weniger Angst davor, meine Gefühlen zu spüren, als üblich, denn hier waren fünf Menschen, die mir zu verstehen gaben, dass meine Gefühle nicht schlimm und willkommen waren und einfach sein und fließen durften und es mit mir „aushielten“.

Nachdem der Sturm in mir einmal Raum bekommen hatte, legte er sich bald und die Gefühle klangen ab. Zurück blieb Leere, ein Schwall an Urteilen über mich selbst und Hilflosigkeit, wie ich nun mit der Situation umgehen sollte. Die Gruppe unterstütze mich durch empathische Vermutungen nun dabei, meine Urteile in Bedürfnisse zu übersetzen und zu verstehen, was mir an der Sache so wichtig war, das mich ich in derartige Verzweiflung gestürzt hatte. Sie halfen mir bei jedem Satz, den ich über mich dachte, vom Kopf und vom Außen ins Herz und in mein Innerstes zu kommen, meine Bedürfnisse und die Schönheit hinter all dem zu sehen.

Nach und nach konnte ich die Situation völlig neu bewerten und verstand meine eigenen Motive – ich empfand also langsam Empathie für mich selbst, ohne mich in mein Leid hineinzusteigern. Meine Gefühle hatten einmal Raum bekommen, wurden gehört, ich wusste, welche Bedürfnisse gerade Aufmerksamkeit brauchten und hatte einen Ausblick, wie ich sie mir erfüllen konnte.

Auf der Heimfahrt von diesem Treffen kehrte die Lebensfreude zu mir zurück und ich fühlte mich um Kilotonnen leichter. Ich konnte die Situation ganz neu bewerten, hatte tiefe Annahme für mein ganzes Ich erfahren und war wieder mehr mit mir selbst verbunden. Ich fühlte mich lebendig, hoffnungsvoll, ja sogar voller Lebensfreude. Ich freute mich, am Leben zu sein und wusste, dass ich für mich sorgen konnte, wo ich vor wenigen Stunden noch gedacht hatte, dass ich nie wieder würde lächeln können.

Danach habe ich nie wieder eine Träne über dieses Thema vergossen, weil das, was es wirklich so schmerzlich gemacht hatte – meine eigenen Gedanken und Urteile – übersetzt und in eine stärkende Kraft verwandelt worden war. Meine Annahme, Empathie für mich und meine Selbstfürsorge schritt daraufhin Woche um Woche voran und es ging mir stetig besser.

Dieses Treffen hat mir eindrücklich gezeigt, welche unglaubliche Macht der Empathie innewohnt.

Wirkung von empathischem Gehörtwerden

Wieso wirkt Empathie auf diese Art und Weise? Wie können 2 oder 3 Stunden empathischen Zuhörens so eine Veränderung in einem Menschen bewirken? Ich möchte dir hier ein paar Ideen aufzeigen, was da in mir passiert ist und weshalb Empathie so viel Wirkung zeigt:

♥ Weniger Angst vor den eigenen Gefühlen
Empathie lindert die Angst vor meinen eigenen Gefühlen und zeigt, dass ich nicht alleine damit bin – dass da jemand ist, dem diese Gefühle keine Angst machen, nicht lästig sind und der sie nicht weghaben will, sondern für den sie völlig okay sind und sein dürfen. Gleichzeitig ist da jemand, der wie ein Fels in der Brandung steht, wenn die Wellen meiner Gefühle über mich hinwegrollen. Dieser Halt unterstützt besonders dabei, sich nicht in den eigenen Gefühlen zu verlieren oder an ihnen festzuhalten, sondern sie wie Wellen durchziehen zu lassen.

♥ Empathie schafft Vertrauen und Sicherheit
Empathie zu erleben, bedeutet für mich ein tiefes Gefühl von Angenommensein mit allem, was in mir ist. Alle Gefühle, Gedanken, Wünsche, Ängste, Sorgen, Zweifel, Hoffnungen und Regungen dürfen sein. Ich werde nicht bewertet, sondern alles, was ist und war, bekommt Raum, um sich zu verwandeln. Das verringert die Angst, nicht okay zu sein, ausgeschlossen oder abgewertet zu werden und schafft Sicherheit und Vertrauen. Oft sind es genau diese Bedürfnisse, um die es im Schmerz ohnehin geht, und wenn ich das dann erfüllt bekomme, wird der Schmerz allein dadurch gelindert.

♥ Empathie bewirkt Wandel
Das Paradoxe ist, dass Empathie bedingungslose Annahme dessen ist, was gerade da ist, und gleichzeitig den meisten Raum dafür gibt, dass Wandel geschehen kann. Meist verändern sich Menschen oder auch Gefühle erst dann, wenn sie wirklich gehört und angenommen wurden. Wenn sie sein dürfen, verwandeln sich starre, lähmende Gefühle wie Angst, Schuld, Scham und Zorn ziemlich schnell in warme, weiche Trauer und schließlich Kraft, für meine Werte zu handeln. Wenn ein Mensch sein darf, wer er ist, ohne dass jemand versucht, irgendwas zu verändern, kann er leichter loslassen und neue Wege suchen:

Was ist, darf sein – und was sein darf, kann sich verändern.

Empathie zu erfahren, kann also tiefgehende, nachhaltige Heilung bewirken oder unterstützen.  

♥ Empathie fördert Klarheit, Stärke und Leichtigkeit
Statt Bewertungen und einer Meinung von außen bekomme ich Unterstützung dabei, mich auf mich zu konzentrieren und zu schauen, was eigentlich wirklich in mir vor sich geht. Empathie unterstützt vor allem dabei, von den Urteilen wegzukommen und stattdessen die eigenen Bedürfnisse zu verstehen, die allem zugrunde liegen. Wenn ich dann verstehe, worum es mir geht, kann ich viel besser entscheiden, was ich möchte und was mir wichtig ist. Auf dieser Basis kann ich selbst neue Wege und Lösungen finden, die für mich passen. Außerdem bewirkt eine gute Verbindung zu mir selbst Kraft, Stärke, Selbstvertrauen und viel mehr Leichtigkeit.

Was bringt mir selbst eine empathische Haltung?

Abgesehen von den vielen positiven Effekten für denjenigen, der Empathie erfährt, und davon, dass Empathie absolut essenziell für das Zusammenleben in einer Gemeinschaft ist, hat Empathie weitere positive Auswirkungen – und zwar für denjenigen, der Empathie empfindet und zeigt:

♥ Selbstempathie stärken
Jedes Mal, wenn ich anderen Menschen empathisch entgegentrete, kultiviere ich eine mitfühlende und gütige Haltung in mir. Ich denke immer mehr in Bedürfnissen anstatt in Urteilen. Dadurch kann ich dann auch immer mehr mir selbst Empathie und Verständnis entgegenbringen, wenn ich nicht so gehandelt habe, wie ich es eigentlich wollte. Empathie für andere kann also Training für Selbstempathie sein und das eigene Wachstum fördern.

♥ Beziehung vertiefen
Empathie für einen Menschen zu empfinden, kann die Beziehung und das Vertrauen zu ihm auf eine viel tiefere Ebene führen. Dadurch sind stärkere, liebevollere und erfüllendere Verbin­dungen zu anderen Menschen möglich.

♥ Bereitschaft erhöhen, gehört zu werden
Oft können Menschen erst dann den Schmerz anderer hören und für sie da sein, wenn sie selbst gehört und angenommen wurden. Wenn ich jemandem empathisch höre und unterstütze, erhöhe ich massiv die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige danach mein Anliegen hören und auf mich eingehen kann. Die Kooperations­bereitschaft und die Lust, andere zu unterstützen, steigt immens, wenn Menschen in ihrem Schmerz Raum bekommen und angenommen wurden.

Auch bei Diskussionen erhöht ein zunächst empathisches Zuhören die Wahrscheinlichkeit, dass meine (vielleicht ganz gegensätzliche) Meinung auch Raum bekommt und von meinem Gegenüber gehört, ernst genommen und in Betracht gezogen werden kann. Denk selbst mal dran: Wenn du gerade massiv getriggert bist, kannst du dann gut Argumente von anderen hören? Vermutlich nicht, egal wie überzeugend die Argumente sind, oder? Aber wenn eine gute Beziehung da ist, Raum und Vertrauen, dann ist es viel leichter, andere Meinungen gut zu hören und die eigene zu überdenken.

♥ „Angriffe“ nicht persönlich nehmen
Wenn ich Empathie für jemanden empfinde, sehe ich seine Motive und seinen Schmerz. Wenn jemand auf eine Weise handelt, die mir normalerweise Schmerz zufügen würde (z. B. jemand sagt „Sie sind doch völlig inkompetent!“ und darunter leidet dann mein Selbstwert), kann ich durch Empathie verstehen, dass diese Aussage nichts mit mir zu tun hat, sondern ein Ausdruck des Schmerzes und der Hilflosigkeit ist. Ich kann tief in mir verstehen, dass dieser Mensch gerade keinen besseren Weg weiß, um auszudrücken, was ihm wichtig ist. Dadurch kann ich nicht verletzt werden, denn ich weiß, die Ursache liegt nicht bei mir, sondern in der Person selbst. Mitgefühl schützt also davor, das Verhalten oder die Worte anderer persönlich zu nehmen.

♥ Menschlichkeit und Gemeinsamkeit erkennen
Empathie für jemanden zu entwickeln, kann vor allem dann hilfreich sein, wenn ich über jemanden starke Urteile hege und nicht mit seinem Verhalten einverstanden bin. Denn der Zorn und die Verurteilung macht auf Dauer nicht glücklich, sondern stresst und belastet den eigenen Körper und Geist.

Wenn ich Empathie für jemanden empfinden kann, dessen Handlungen ich schlimm finde, sehe ich kein „arrogantes Ar***loch“, kein „Monster“, keinen „Täter“ mehr, sondern nur noch einen Menschen – oft mitsamt seiner Verletzlichkeit und Hilflosigkeit, die hinter Wut und Aggression stecken.

Diese Menschlichkeit und Verletzlichkeit zu erkennen, gibt mir Kraft und Sicherheit, löst scheinbare Machtgefälle auf und hilft mir, zu verstehen, welche wunderschönen Motive (Bedürfnisse) hinter den Handlungen stehen. Ich stelle Augenhöhe her, da ich erkenne, dass dieser Mensch genau wie ich Bedürfnisse und Gefühle hat und im Inneren gar nicht so viel anders ist als ich oder alle anderen Menschen.

♥ Vergeben und heilen
Auch für Verletzungen, die durch andere entstanden sind, eignet sich Empathie den „TäterInnen“ gegenüber. Denn oft hält der alte Groll und der Hass uns davon ab, wirklich zu heilen und mit alten Themen abzuschließen. „Opfer“ leiden oft noch viele Jahre oder Jahrzehnte unter vergangenen Handlungen und geben damit ihre Macht, über ihre eigene Gegenwart und Zukunft zu bestimmen, an den „Täter“ oder die „Täterin“ in die Vergangenheit ab. Opfer- und TäterInnendenken verhindert, die eigene Macht zu erkennen und zu leben und damit auch ein Stück weit zu heilen.

Empathie ermöglicht Vergebung durch die Auflösung von Feindbildern. Ich lerne zu verstehen, was in dem anderen vor sich ging, als er Schmerz bei mir ausgelöst hat. Das heißt nicht, dass ich seine Handlung gut finde oder es okay war! Es heißt nur, dass ich nachvollziehen und die Menschlichkeit dahinter sehen kann. Tiefes Verstehen und Vergebung kann Annahme des Geschehenen, Akzeptanz und damit tiefe Heilung und Loslassen eigener alter Wunden bewirken.

Das sind nur einige der vielen Effekte, die ich aus meiner Erfahrung heraus mit Empathie verbinde. Wenn du Lust hast, diese Erfahrungen selbst zu machen, lies gerne im nächsten Blogartikel weiter oder probiere es mit dem bereits Erlernten doch mal aus?

Folge 21: Was genau ist Empathie nach GFK?

Du erinnerst dich vielleicht daran, dass wir uns in der GFK mit zwei Seiten beschäftigen: dem ICH und dem DU. Wir haben uns bisher viel mit der Ich-Seite befasst, also dem, wie ich das, was in mir ist, verstehen, damit umgehen und bei Bedarf auch ausdrücken kann. Nun möchte ich dir die andere Seite näherbringen, die DU-Seite, also sozusagen das HÖREN „mit Giraffenohren“ (= GFK-Ohren).

Dabei geht es vor allem um Empathie. Wie also kannst du empathisch hören, was andere Menschen sagen, egal was sie sagen oder wie sie es tun? Bevor wir uns damit befassen, möchte ich in diesem und dem nächsten Blogartikel zunächst die Frage klären, was Empathie nach GFK ist, und sie in einer weiteren Grundunterscheidung von einigen anderen Haltungen und Reaktionen abgrenzen, mit denen sie häufig verwechselt wird. In diesem Blogartikel bekommst du eine Definition und Erklärung zu Empathie und im nächsten wird durch eine interaktive Übung und Beispiele die Abgrenzungen noch klarer.

Verschiedene Definitionen von Empathie

Auf Wikipedia wird Empathie folgendermaßen definiert: „Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Emotionen, Gedanken, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden. Ein damit korrespondierender allgemein­sprach­licher Begriff ist Einfühlungsvermögen.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Empathie)

In manchen Definitionen außerhalb der GFK wird Empathie so verstanden, dass ich Schmerz bei anderen sehe und ebenfalls darunter leide. Das ist aus meiner Sicht nicht die Definition, die uns die GFK bereitstellt. Mitzuleiden und selbst den Schmerz der anderen Person zu spüren wie den eigenen, ist das, was wir in der GFK „Mitleid“ nennen – und von Empathie oder Mitgefühl abgrenzen. Mitgefühl und Empathie verwende ich synonym.

In der GFK definieren wir Empathie und Mitgefühl so:

Ich sehe Schmerz bei anderen und leide nicht selbst, sondern verspüre Verbundenheit, Wärme, Zuwendung, Fürsorge und den Wunsch, zu unterstützen.

Empathie als tiefes Verständnis

Die GFK versteht unter Empathie Verständnis und Annahme auf Gefühls- und Bedürfnisebene. Empathie für eine Person zu empfinden, bedeutet also, ihre Handlungen, Gefühle, Gedanken, Bedürfnisse oder Worte nicht zu beurteilen – weder positiv noch negativ –, sondern sich darauf einzulassen, welche Gefühle die Person empfindet und verstehen zu wollen, welche Bedürfnisse dahinter stehen.

Liv Larsson beschreibt in ihrem Buch „Wut, Schuld und Scham“, dass Empathie entsteht, „wenn wir uns nicht länger damit aufhalten, andere Menschen oder deren Handeln zu beurteilen, sondern wirklich mit offenem Herzen zuhören, was der andere fühlt und braucht. Wir konzentrieren uns auf das, was in der Person vorgeht, statt darüber nachzudenken, wie er oder sie ist oder sein sollte.“ (2012: S. 57)

Empathie nach GFK bedeutet also, Gefühle und Bedürfnisse einer Person zu verstehen und nicht über die Person, ihre Gedanken, ihre Gefühle oder ihre Bedürfnisse zu urteilen.

Empathie und Mitgefühl führen nicht zu mehr Leid, sondern zu Verbundenheit, Nähe und „caring“, also ein Kümmern um andere Menschen. Dank Empathie ist mir nicht egal, was mit anderen passiert, und gleichzeitig leide ich nicht selbst unter dem Schmerz anderer Menschen. Ich kann den Schmerz wahrnehmen und auch nachempfinden, aber ich weiß zu jeder Zeit, dass es sich dabei nicht um meinen eigenen handelt.

Verwechslungsgefahr! Verstehen vs. einverstanden sein

Wenn wir im Alltag über Empathie sprechen, beziehen wir häufig etwas ein, das die GFK „Sympathie“ nennt und klar von Empathie abgrenzt. Liv Larsson beschreibt Sympathie folgendermaßen: „Wenn ich jemandem mit Sympathie begegne, stimme ich entweder ihren oder seinen Beurteilungen und Analysen zu, er oder sie tut mir leid oder aber ich vergleiche ihre oder seine Ausführungen mit meinen eigenen Erlebnissen.“ (Larsson 2012: 58)

Sympathie beinhaltet also die kognitive Ebene: Was denke ich über die Urteile, die Handlungen, die Person? Was assoziiere ich damit? Welche Erfahrungen habe ich selbst dazu gemacht? Auch Mitleid gehört zur Sympathie: Ich leide unter dem Leid eines/einer anderen.

Sympathie bedeutet auch, einverstanden zu sein, was bei Empathie nicht der Fall ist. Denn das Verstehen, das durch Empathie entsteht, ist unabhängig davon, ob man einverstanden ist mit dem Verhalten, den Gefühlen oder den Gedanken des Gegenübers oder nicht. So kann ich selbst mit Menschen, die morden, vergewaltigen, foltern und andere Gräueltaten begehen, Empathie empfinden, ohne ihre Taten auch nur im Ansatz gut zu heißen, okay zu finden oder einverstanden zu sein. Es besteht ein riesiger Unterschied zwischen diesen beiden Punkten:

Sympathie und Mitleid stehen Empathie meist entgegen, anstatt sie zu unterstützen. Denn bei Empathie liegt der Fokus vollständig auf den Bedürfnissen und Gefühlen der anderen Person – ich nehme mich und meine Meinung sozusagen „raus“ und bin offen für alles, was im Herzen des Gegenübers passiert. Wenn ich mir bereits eine Meinung zu der Person oder ihren Handlungen bilde und darüber urteile, bin ich nicht mehr vollständig offen. Ich werde mich voraussichtlich mit meiner Meinung und Bewertung einbringen und nehme der Person dadurch den Raum, sich selbst vollständig zu entfalten.

Es geht also bei echter Empathie nach GFK nicht darum, die Handlungen anderer zu bestärken, zu bewerten oder gutzuheißen, sondern verstehen zu wollen, was dem zugrunde liegt: ihre Gefühle und ihre Bedürfnisse. Ziel ist es auch nicht, die Person oder ihre Sichtweise zu lenken, zu verändern oder zu formen. Allerdings entsteht durch Empathie unvermeidlich ein Raum, in Wandel in der Person entstehen kann, um neue (weniger tragische) Wege zu finden, für die eigenen Bedürfnisse zu sorgen.

Wirkung von nicht-empathischen Reaktionen

Ich lade dich zu einem kleinen Selbstversuch ein, um die Wichtigkeit von Empathie zu demonstrieren. Versuche dich mal in den folgenden Situationen in meine Lage zu versetzen und spüre, was das körperlich bei dir bewirkt:

Ich bin traurig, weil meine Selbständigkeit nicht so läuft, wie ich es gerne hätte. Ich arbeite wahnsinnig viel und die Erfolge sind gering. Ich mag so gerne vorankommen und wirklich meine Erkenntnisse mit der Welt teilen und deshalb arbeite ich viel und bin auch ziemlich angestrengt. Ich habe hohe Ziele und arbeite oft bis späte abends noch dafür, weil es mir so sehr am Herzen liegt. Eine Freundin ist zu Besuch und ich erzähle ihr, dass ich momentan ziemlich gestresst bin und auch ganz schön platt von all den Projekten, die ich momentan stemme. Ich wünsche mir Verständnis für diese schwierige Anfangszeit meiner Selbständigkeit.

Meine Freundin reagiert so: „Dann musst du eben einfach weniger arbeiten!“

Wie würdest du dich an meiner Stelle fühlen? Ich hab sofort gemerkt, wie unglaublich traurig ich wurde, weil ich so gerne verstanden worden wäre und stattdessen einen – fast schon vorwurfshaften – Ratschlag bekommen habe. Außerdem hab ich mich darüber geärgert, dass ich einen so banalen Tipp kriege, der meine komplexe Situation überhaupt nicht berücksichtigt: Ich möchte ja viel arbeiten, weil ich weiß, wofür ich es tue und es mir Spaß macht – gleichzeitig ist es viel auf einmal und ich bin überanstrengt und möchte etwas Trost dafür, dass der Aufbau einer Selbständigkeit wirklich gerade zu Beginn sehr anstrengend und nicht sofort ergiebig ist.

Stattdessen fühlte ich Enttäuschung und in meinen Gedanken wurde ich mit meinen Gefühlen abgelehnt. Ich hörte so etwas wie „Entweder du änderst was oder du bist selbst schuld, dass es so ist, aber dann brauchst du dich nicht beschweren!“ Durch diese Reaktion spürte ich, wie sich in mir etwas ganz stark zu verschließen begann. Ich hatte den Drang, zu lächeln und die Sache herunterzuspielen, weil ich den Eindruck hatte, mit meinen ehrlichen Gefühlen nicht willkommen zu sein. Das schmerzte mich immens, da ich so gerne in tiefen, authentischen Beziehungen stehe, und gerne mit allem sein mag, was zu mir dazu gehört. Ich wollte so gerne angenommen sein mit all meinen Gefühlen und Gedanken.

Geht es dir da ähnlich? Kannst du das nachvollziehen? Hast du bereits ähnliche Erfahrungen gemacht?

Empathie: eine hilfreiche Erstreaktion auf Schmerz

Nach meiner Erfahrung ist Empathie in emotionalen Notsituationen fast immer das, was mich als erste Reaktion am meisten unterstützt, mir am besten hilft und was die nachhaltigste Heilung bewirkt. Natürlich kann es manchmal auch total wertvoll sein, Tipps zu erhalten oder Trost zu erfahren. Auch wenn mir jemand Recht gibt oder mir erzählt, dass er meine Situation nachvollziehen kann, weil er etwas ähnliches erlebt hat, kann mir das gut tun und zu meiner Heilung beitragen.

Allerdings habe ich erlebt, dass diese Heilung meist oberflächlicher ist – wie ein Pflaster, das auf eine große Wunde geklebt wird. Und manchmal ist mir das recht, da das tiefe Eintauchen in mich selbst, das durch Empathie möglich wird, und die damit verbundene nachhaltige und tiefgehende Heilung manchmal sehr anstrengend sein kann.

Außerdem kann ich meist Ratschläge, Lösungen, Ideen, Perspektivwechsel und Geschichten von anderen (alles keine Empathie) erst dann gut annehmen, wenn meine Gefühle bereits Raum bekommen haben und ich sicher bin, dass ich damit sein darf. Bevor das geschehen ist, kann es sehr schmerzhaft sein, etwas anderes als Empathie zu bekommen, wenn ich mir Verständnis, Beistand, Angenommensein und wertfreies Zuhören wünsche.

Möchte ich jemandem dabei helfen, nachhaltige Heilung zu erfahren, seine eigenen Kraft wiederzuerlangen, in tiefe Verbindung mit ihm kommen, ihm Raum zu geben und ihm zeigen, dass er ganz er selbst sein kann und mit allem angenommen ist, oder einfach verstehen, was in ihm vor sich geht, dann ist Empathie als erste Reaktion extrem hilfreich.

Im nächsten Blogartikel schauen wir uns anhand eines interaktiven Beispiels diese Unterscheidung und die Definition von Empathie genauer an. Da wird es dann richtig konkret und du kannst prüfen, wie sehr du bereits bei der Definition von Empathie mit der GFK übereinstimmst und erfährst mehr darüber, wie verschiedene Reaktionen wirken können.

Folge 19: Von Lob zu Wertschätzung und Dankbarkeit

Haltung und Tipps zu den vier Schritten

Du kennst jetzt bereits die vier Schritte und ihre Grundunterscheidungen. In diesem Blogartikel mag ich dir näherbringen, wie du dieses Wissen nutzen kannst, um deine Wertschätzung und Dankbarkeit tiefer zu spüren, besser zu verstehen und sie von klassischem Lob zu unterscheiden.

Dafür mag ich dich wieder einladen, selbst aktiv zu werden: Denk mal an eine Situation, in der jemand etwas getan hat, was in die Freude, Glück, Dankbarkeit oder Liebe ausgelöst hat. Dann überlege mal für dich: Hast du deine Dankbarkeit ausgedrückt? Wie hast du das getan? Was genau hast du gesagt?

Halte hier kurz inne und schreibe dir auf oder merke dir, wie du reagiert hast und ob und wie du deine Wertschätzung geäußert hast. Ich mache mal ein Beispiel: Ein Mann an der Kasse hat mich vorgelassen. Ich hab gelächelt und gesagt: „Vielen Dank, das ist wirklich sehr nett!“

Wertschätzung vs. Lob

Bevor wir uns mit dem Beispiel näher beschäftigen, möchte ich dir eine weitere Grundunterscheidung aufzeigen, die wir in der GFK treffen. Wir unterscheiden zwischen Lob und Wertschätzung bzw. Dankbarkeit. Wertschätzung und Dankbarkeit verwende ich hier synonym und unterscheide sie von Lob. Ich gebe dir mal ein paar Beispiele für klassisches Lob und für umgangssprachliche Wertschätzung nach GFK. Ich bitte dich, dabei mal in dich hineinzuspüren und zu prüfen, ob du von deinem Gefühl her einen Unterschied merkst und ob du feststellen kannst, was der sprachliche und haltungsbezogene Unterschied zwischen den beiden Konzepten ist.

Merkst du einen Unterschied? Allein die Länge wird dir vermutlich aufgefallen sein. Was hast du noch an Unterschieden festgestellt? Waren deine Gefühle anders bei den beiden Möglichkeiten, wenn du dir vorstellst, dass das jemand zu dir sagt?

Ich möchte dir kurz erläutern, was für mich Lob ist und was Wertschätzung – in Sprache sowie in der Haltung.

Lob basiert auf Urteilen und geschieht aus einer wertenden Perspektive. Ich bin im Kopf und sage aus, welche Bewertungen und Urteile ich über die Person oder das Verhalten habe, was ich darüber denke. Ich bin also mit meinen Urteilen verbunden, was richtig/gut/schön/angemessen usw. ist.
Bei Lob entsteht durch das Bewerten schnell ein Verrutschen der Augenhöhe, da ich ja darüber urteile, wie gut es ein anderer gemacht hat – ich gehe also davon aus, dass ich den anderen bewerten kann.

Wertschätzung ist oft länger und detaillierter als Lob. Ich äußere ganz konkret, auf welches Verhalten ich mich beziehe, was in MIR geschieht, also welche Gefühle ausgelöst werden, und welche Bedürfnisse sich durch das Verhalten erfüllt haben. Ich rede von MIR und dem, was in MIR lebendig ist (Herz statt Kopf). Damit bezieht sich Wertschätzung viel mehr auf mich selbst und ich zeige mich mit dem, was es in mir bewegt.

Ganz grob gesagt bedeutet Wertschätzung für mich: Jemand sagt mir, welchen Beitrag ich zu seinem Leben geleistet habe. Bei Lob sagt mir jemand, dass sein Urteil über mich gut ausfällt. Lob ist dabei oft leichter zu äußern, weil wir meistens schneller in unseren Urteilen sind und es einfacher ist, dabei zu bleiben, als zu reflektieren, was wir wirklich gerade spüren und um was es uns dabei geht.

Natürlich kommt es auch hier wieder stark auf die Haltung an. Wenn ich in der urteilsfreien Haltung bin und sage „Find ich ja total klasse, danke!“, kann dennoch beim anderen Wertschätzung ankommen. Dennoch kann es oft hilfreich sein, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auch wirklich zu äußern.

Warum Wertschätzung?

In meinem Erleben ist Wertschätzung für jede Art der Beziehung, sei es geschäftlich, familiär, freundschaftlich oder partnerschaftlich, sehr hilfreich. Sie stärkt die Zufriedenheit und die Verbindung. Es tut einfach gut, in dem gesehen zu werden, was ich beitrage, und selbst auch zu sehen, wie andere Menschen mein Leben bereichern.

Im Gegensatz zu Lob berührt mich Wertschätzung sehr viel tiefer. Ich kann wirklich sehen, dass ich etwas im Herzen des anderen ausgelöst habe und weiß, zu welchen Bedürfnissen ich gerade beitragen konnte, anstatt nur zu hören, was die Person über mich denkt. (Gleichzeitig kann ich hinter jedem Lob natürlich auch Wertschätzung hören, wenn ich „Giraffenohren“ aufhabe.)

Ein Vorteil, der sich nicht nur auf deine Beziehungen, sondern auch dich selbst bezieht, wenn du Wertschätzung äußerst, ist, dass du dich dadurch besser verstehen und mit dir in Verbindung kommen kannst. Du lernst noch mehr, eine bedürfnisorientierte Haltung einzunehmen und dich, deine Gefühle und deine Bedürfnisse tiefer zu erkennen.

Und wenn du Situationen, die schön für dich waren, ausgiebig spürst und dich wirklich mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen verbindest, kannst du viel intensiver Kraft daraus schöpfen und deine Freude steigern. Je häufiger du in die Haltung von Dankbarkeit und Wertschätzung einsteigst, desto mehr steigert sich deine Lebensqualität. Denn:

Umso mehr dein Fokus auf den erfüllten Bedürfnisse in deinem Leben liegt, desto mehr wirst du
1. deine Brille, durch die du die Welt siehst, darauf ausrichten, was gut läuft und was schön ist in deinem Leben, und
2. mehr von dem anziehen, was du dir wünschst. Dankbarkeit ist quasi ein Magnet für mehr schöne Momente. Falls du dazu noch mehr Hintergrundwissen brauchst: In diesem Blogartikel erkläre ich näher, warum das so ist:

Vom Urteil zur Wertschätzung

Um Wertschätzung zu spüren und auszudrücken, brauchst du die Bereitschaft, deine Urteile zu hinterfragen und dir die Mühe zu machen, in dich hineinzublicken und deine Gefühle und Bedürfnisse zu ergründen.

Wertschätzung kannst du mithilfe der ersten drei Schritte der GFK konkretisieren: Du brauchst zunächst die Klarheit darüber, was jemand genau getan oder gesagt hat (Wahrnehmung), dann schaust du, welche Gefühle in dir dadurch entstehen und was es in dir auslöst (Gefühl) und dann prüfst du, welche Bedürfnisse für dich dadurch erfüllt wurden, also wie die Person zu deinem Leben beigetragen hat (Bedürfnis).

Ich mag dir hier eine kurze Anleitung geben, die du nutzen kannst, um von deinem ersten Gedanken und deinem Lob in tiefere Wertschätzung einzutauchen.

1. Vom Urteil zur Wahrnehmung

Wenn jemand etwas tut, was dir gefällt, schau dir ruhig erst einmal dein Urteil an, das vermutlich ohnehin automatisch aufploppen wird. Ich nehme mal das Beispiel mit dem Mann an der Kasse von vorhin und du kannst dein eigenes Beispiel nutzen:

Der Mann lässt mich vor und ich denke sofort „Wow, das ist aber wirklich nett! Dass es so freundliche Menschen gibt, toll! Ich fühle mich total gesehen!“ – Ich beobachte diese Gedanken und sage mir: „Aha, das denke ich also über die Situation. Was genau ist es denn, was mir so an dem Verhalten gefällt? Was genau hat er getan und gesagt? Was würde eine Kamera aufzeichnen?“

Ich formuliere also für mich folgende Wahrnehmung: Der Mann hat mir in die Augen gesehen und mit einem Lächeln gesagt: „Gehen Sie ruhig vor, Sie haben ja nicht so viel!“

2. Meine dadurch ausgelösten Gefühle

Nun spüre ich in mich hinein und beobachte, was ich fühle.

Was spüre ich im Körper? Was genau passiert da in mir? Ah, ich merke, dass ich so ein freudiges Kribbeln im Bauch habe. So eine warme Energie, die von unten nach oben kommt und mich lächeln lässt. Ich würde sagen, es ist sehr große Freude.

3. Meine erfüllten Bedürfnisse

Nun kommt für die meisten der schwierigste Schritt. Hier frage ich mich, welche Bedürfnisse mir dieses Verhalten des Mannes erfüllt hat. Warum bin ich so freudig? Wie genau hat er damit zu meinem Leben beigetragen? Hier können mir auch wieder meine Urteile helfen. Das kann so aussehen:

Hm, ich freu mich also total. Warum eigentlich? Was genau hat mir das erfüllt? Geht’s mir darum, dass ich dadurch schneller aus dem Supermarkt draußen bin? Nein, wegen den zwei Minuten würde ich mich nicht so freuen. Es ist eher dieses Freundliche in seinem Blick. Und ich hatte da den Gedanken „Ich fühle mich gesehen.“ Ja, dass er gesehen hat, dass ich nicht viel zu zahlen habe und er sofort darauf reagiert hat, das ist mir wichtig gewesen. Ich freu mich, dass ich ihn da so achtsam erlebt habe, er mich gesehen hat und bereit war, mir etwas Gutes zu tun.

Jetzt bin ich noch bei dem Mann selbst, aber welche allgemein menschlichen Bedürfnisse sind denn da erfüllt? Wie hat das Verhalten des Mannes etwas erfüllt, das ich mir im Umgang zwischen Menschen wünsche? Hm, naja, ich liebe es, wenn Menschen achtsam miteinander sind und aufeinander schauen. Ich schätze es total, wenn wir alle offenen Blickes durch die Welt gehen und einander sehen und uns unterstützen. Wie schön wäre die Welt, wenn jeder so mit anderen umgehen würde. Ja, das ist es. Das ist, was ich mir im Umgang zwischen Menschen wünsche und was das Verhalten des Mannes für mich erfüllt hat. Achtsamkeit und dass wir einander sehen und aufeinander eingehen.

Während ich das schreibe, wird mir selbst ganz warm ums Herz. Wie viel tiefer das geht, als wenn ich nur denke „Der ist aber nett!“ – geht’s dir da auch so? Ich spüre jetzt riesige Freude, da diese kleine Geste etwas so Wunderschönes und Wesentliches im Umgang zwischen Menschen repräsentiert. Wow, ich bin berührt und zutiefst dankbar.

Ich lade dich ein, diese drei Schritte auch mit deinem eigenen Beispiel zu machen und zu beobachten, ob sich etwas in dir verändert, wenn du tief mit dem verbunden bist, was sich dadurch an wichtigen Bedürfnissen für dich erfüllt hat.

Beim nächsten Mal …

In der nächsten Folge schauen wir uns an, wie du Wertschätzung nicht nur fühlen, sondern auch kommunizieren kannst. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten und ich mag dir ein paar davon aufzeigen sowie ein paar Tipps geben, damit du dich authentisch ausdrücken kannst.

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst einzusteigen und zu lernen, wie du die vier Schritte und die Haltung der GFK für dich vertiefen und nachhaltig in dein Leben integrieren kannst, dann besuche gerne ein Seminar/Webinar von mir oder melde dich zu einem persönlichen Coaching an:

Folge 20: Wertschätzung und Dankbarkeit authentisch ausdrücken

In der letzten Folge hast du bereits gelernt, wie du deine Gefühle und Bedürfnisse tiefer ergründen und vom bewertenden Lob in die Haltung von echter Wertschätzung kommen kannst. In dieser Folge mag ich dir zeigen, wie du Wertschätzung und Dankbarkeit auf tiefe, offene und transparente Weise auszudrücken kannst, wenn Menschen zu deinem Leben beigetragen haben.

Die drei Schritte benennen

Eine Möglichkeit, deine Wertschätzung auszudrücken ist, dich konkret an die Schritte zu halten: Wahrnehmung, Gefühl, Bedürfnis, Danke. Gerade zum Üben eignet sich diese Form besonders gut, oder wenn dein Gegenüber weiß, dass du gerade GFK lernst und vielleicht hin und wieder nicht in der gewohnten Art mit ihm reden wirst.
Das sieht dann so aus:

Wahrnehmung: In der Wahrnehmung schilderst du nur das, was genau dich gefreut hat. Es muss nicht alles drum herum geschildert werden, sondern genau dieser Teil der Handlung, den du wertschätzen magst.

Gefühl: Danach benennst du das Gefühl – bestenfalls ohne Formulierungen wie „Das macht mich“ oder „Deswegen bin ich“, denn dabei bist du nicht in der Eigenverantwortung. Versuche immer daran zu denken, dass diese Person der Auslöser für dein Gefühl ist und du das auch gerne wertschätzen magst, aber die Person nicht für deine Gefühle verantwortlich ist. Das, was die Ursache für die Gefühle ist, sind erfüllte Bedürfnisse, zu denen der oder die andere gerade beigetragen hat.

Bedürfnis: Du kannst die Bedürfnisse umgangssprachlich benennen, wie zum Bespiel „Das unterstützt mich total“ (Unterstützung) oder „Das macht es mir so viel leichter.“ (Leichtigkeit) oder du sagst konkret, um welche Bedürfnisse es dir dabei geht: „Das erfüllt mir Wertschätzung!“ oder „Das bedeutet für mich Geborgenheit.“

Danke: Um Dankbarkeit auszudrücken, kannst du am Ende noch ein „Vielen Dank“ oder ein „Ich danke dir.“ hinzufügen.

So könnte ich dem Mann, der mich an der Kasse vorgelassen hat, sagen:
„Sie haben mich gerade lächelnd vorgelassen (Wahrnehmung). Ich freue mich total (Gefühl), weil sich dadurch für mich Achtsamkeit und Unterstützung erfüllen (Bedürfnisse). Vielen Dank!“

Einige andere Beispiele:

  • Du hast mir vorhin einen Tee und eine Wärmflasche gebracht, als es mir nicht gut ging. Ich bin jetzt noch berührt davon und merke, wie mir ganz warm wird. Das erfüllt mir total viel Unterstützung und Geborgenheit! Ich bin dir dafür wirklich sehr dankbar! 
  • Gestern im Teammeeting haben Sie vor allen anderen gesagt, dass meine Arbeit wertvoll ist. Das hat mich riesig gefreut und motiviert, weil das für mich Wertschätzung und Anerkennung bedeutet. Danke.“
  • Du hast mich gerade angesprochen und gefragt, wie es mir geht. Ich merke, wie berührt ich davon bin, weil ich gerade wirklich einsam war und das für mich heißt, wirklich gesehen zu werden und wichtig zu sein. Also vielen Dank dafür!

Es kann sein, dass die ungewohnte Formulierung bei manchen auf Widerstand stößt, daher mag ich dir noch eine zweite Art zeigen, wie du auf anderem Wege deine Wertschätzung ausdrücken kannst:

Haltung statt Formulierung

Beim Ausdruck von Wertschätzung ist es wie mit allem in der GFK: es kommt nicht unbedingt auf die Worte an. Natürlich kannst du die drei Schritte durchgehen und erst sagen, was die Person getan hat, dann was für Gefühle das auslöst und dann, welche Bedürfnisse diesen Gefühlen zugrunde liegen. Allerdings ist das nicht unbedingt notwendig, um deine Wertschätzung auf GFK-Art rüberzubringen.

Denn: Es geht wie immer um die Haltung. Wenn du wirklich spürst, was die Person zu deinem Leben beigetragen hat, dann kannst du es äußern, wie du das möchtest, und es wird wahrscheinlich ankommen. Du brauchst vor allem in DIR die Klarheit, was in dir gerade lebendig ist, aber du musst nicht alles davon kommunizieren. Deshalb sind die drei Schritte im Stillen auf jeden Fall sinnvoll, um dir selbst klarer zu werden. Was du jedoch äußerst, kann ganz anders aussehen.

Im Falle des Mannes an der Kasse kann ich ihm auch in der tiefen Verbundenheit mit meinen Bedürfnissen in die Augen blicken, strahlen und sagen: „Wow, vielen Dank! Das freut mich gerade so riesig, dass Sie mich da gesehen haben und mir anbieten vorzugehen.“

Es kommt also auch hier wieder auf dein Inneres an, nicht so sehr auf den Wortlaut. Genauso kannst du umgekehrt die drei Schritte manipulativ „abhandeln“, um jemanden für „gutes Verhalten“ zu belohnen, ohne es wirklich zu fühlen. Das hätte dann für mich nichts mehr mit GFK oder mit echter Wertschätzung zu tun, sondern wäre reines Anwenden der Technik. Daher gilt auch hier: Haltung und die eigene innere Klarheit sind entscheidend, nicht die Worte, die ich verwende – aber wenn du meine Blogs schon kennst, weißt du das vermutlich längst.

Tipps beim Äußern von Wertschätzung

Auch wenn das Entscheidende die Haltung ist, mag ich dir ein paar Ideen mitgeben, wie es wahrscheinlicher wird, dass deine Wertschätzung bei anderen ankommt. Denk bitte daran, dass das – wie bei den letzten Blogartikeln mit den Tipps auch – keine grundsätzliche Anleitung ist, die man „richtig befolgen soll“ oder dass es dabei ein „Richtig“ und „Falsch“ gäbe, sondern dass das alles Vorschläge sind, die du ausprobieren und für dich in dein Repertoire an Möglichkeiten mit aufnehmen kannst, wenn sie für dich stimmig sind.

1. Vorbereitung: Fragen, ob die Person es hören mag

Diesen Tipp habe ich dir bereits bei den Bitten gegeben und ich wiederhole ihn hier noch einmal, weil er mir wirklich wichtig ist: Fragen, ob die andere Person dafür gerade bereit ist.

Gerade wenn es um Wertschätzung geht, wird das vermutlich leichter sein, als wenn es um einen Konflikt geht, und dennoch glaube ich, dass Menschen oft leichter hören können, wenn sie sich darauf einstellen können, was auf sie zukommt.

Das kann so aussehen:

  • Ich mag dir gerade eine Rückmeldung zu unserem Gespräch gestern geben, magst du sie hören?
  • Ich mag mich für was bedanken und wünsche mir, dass es wirklich ankommt. Hast du denn gerade den Raum dafür, mir da kurz zuzuhören?
  • Ich mag dir gerade mal was sagen, was ich an dir echt schätze. Magst du dich kurz zu mir setzen?

2. Klar Bezug nehmen: Wahrnehmung schildern

Was ich sehr empfehlen kann, sofern es sich schon ganz offensichtlich ist, ist die konkrete Handlung zu benennen, auf die man sich bezieht. Welche Aspekte haben denn Dankbarkeit in mir ausgelöst? Was konkret ist es, was mich so freut?

Im Beispiel mit dem Mann an der Kasse ist es vielleicht so offensichtlich, dass ich nicht dazusagen brauche. Andererseits kann ich es auch da hinzufügen, da es mir ja nicht nur um das Vorlassen ging, sondern auch um das Lächeln. Wenn ich das besonders hervorheben möchte, kann ich auch darauf klar Bezug nehmen. Auch in vielen anderen Kontexten ist es hilfreich, präzise auf die speziellen Aspekte der Wahrnehmung einzugehen, die mich berührt haben. Desto genauer die Person weiß, WAS mich berührt hat, desto leichter fällt ihr – so meine These – das Freuen darüber und das Annehmen.

3. Kontext: Die Äußerung von Gefühlen und Bedürfnissen situativ anpassen

Je nachdem, in welchem Kontext ich mich befinde, würde ich stärker oder weniger stark auf die Gefühle eingehen und sie eher implizit oder mehr explizit benennen.

In engen Beziehungen würde ich zum Beispiel meistens das Gefühl deutlich machen, das in mir ausgelöst wurde, auch in der starken Intensität, zum Beispiel: „Ich spüre da total große Freude in mir aufflammen. Mir wird richtig warm im Bauchraum.“ – Ich kann also das Gefühl benennen oder auch beschreiben, was in meinem Körper passiert. Gerade Körperempfindungen direkt zu beschreiben, kann extrem starke Nähe schaffen, weil es dadurch noch nachvollziehbarer und greifbarer wird, nicht nur WAS, sondern auch WIE und WO ich das fühle.

Im Arbeitskontext hingegen würde ich vielleicht eher nur die Bedürfnisse ansprechen und einen weniger starken Fokus auf die Gefühle legen. Gefühle zu nennen wird in manchem Arbeitskontext noch immer als „zu nah“ oder „unprofessionell“ erlebt, daher  kann es hier besonders hilfreich sein, sich eher auf Bedürfnisse zu fokussieren.

Die Bedürfnisse selbst können dabei auch angepasst werden. In der Familie spreche ich vielleicht eher von „Liebe“ und „Miteinander“, während ich in der Arbeit eher von „Teamgeist“ oder „an einem Strang ziehen“ spreche. So kann das im Arbeitskontext vielleicht so aussehen: „Als der Kunde gerade die Frage nach den Hintergründen gestellt hat, hast du für mich geantwortet. Ich bin da echt erleichtert, das bedeutet für mich die Unterstützung, die ich mir in unserem Team wünsche. Vielen Dank dir!“

Üben, üben, üben

Ich lade dich ein, mal auszuprobieren, regelmäßig Situationen, in denen du dankbar warst, auf diese Weise nachzureflektieren und die erfüllten Bedürfnisse zu spüren. Und vielleicht magst du auch ausprobieren, in den drei Schritten oder auch einfach in Verbundenheit mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen anderen deine Wertschätzung zu äußern.

Meine Erfahrung ist – und ich bin sehr sicher, dass es mindestens den meisten anderen Menschen genauso gehen wird – dass regelmäßige Wertschätzung einem selbst, dem Umfeld und den Beziehungen wahnsinnig gut tut.

Du kannst dir übrigens auch selbst Wertschätzung äußern – vielleicht, nachdem du es geschafft hast, jemand anderem Wertschätzung zu äußern? „Ich habe mich getraut, ihm da Danke zu sagen! Wow, ich bin richtig stolz, das ist für mich ein weiterer Schritt ins authentische Leben, in dem ich mich wirklich offen mit meinen Gefühlen zeigen mag! Ich danke mir!“

Lass mehr Freude und Liebe in dein Leben, indem du die Dinge feierst und wertschätzt, die du und andere bereits tun, um die Welt schöner zu machen.

Du weißt ja inzwischen vermutlich, wie du dir wünschst, dass Menschen miteinander umgehen. Und vermutlich machst du mit mehr Wertschätzung einen großen Schritt, um mehr für die Welt zu gehen, die du dir wünschst, oder? 🙂

Beim nächsten Mal …

Ab der nächsten Folge schauen wir uns nun die andere Seite der liegenden 8 an – die Seite des Gegenübers. Das heißt, wie kann ich einem anderen Menschen empathisch begegnen? Wie höre ich mit GFK-Haltung zu? Was ist denn eigentlich Empathie? Und viele weitere Fragen…

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst einzusteigen und zu lernen, wie du die vier Schritte und die Haltung der GFK für dich vertiefen und nachhaltig in dein Leben integrieren kannst, dann besuche gerne ein Seminar/Webinar von mir oder melde dich zu einem persönlichen Coaching an:

Folge 17: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Die Bedeutung der vier Schritte (GFK-Podcast)

Die vier Schritte sind grundsätzlich nicht dazu gedacht, sie immer alle vier zu nennen und in dieser strikten Reihenfolge zu bleiben. Dennoch hat die Kombination aus den vier Schritten in dieser Reihenfolge nicht nur in der Selbstreflexion, sondern auch im Ausdruck einen tieferen Sinn. In dieser Folge möchte ich dir die vier Schritte zusammenfassend zeigen und ihre jeweilige Bedeutung im Selbstausdruck vermitteln.

Folge 17: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Die Bedeutung der vier Schritte

Props und herzlichen Dank an Andi Bree, der das Intro und Outro eingespielt hat! Danke für deine Geduld, Mühe und Offenheit, deine wundervolle Musik mit den Menschen zu teilen!

Folge 18: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Tipps zu Haltung und Sprache

Haltung und Tipps zu den vier Schritten

Gerade im Bezug auf Konflikte ist es mir noch einmal ein besonderes Anliegen, die Haltung hinter den vier Schritten zusammenzufassen, damit GFK nicht als Werkzeug zur Manipulation verwendet wird, sondern als Möglichkeit, eigene Klarheit zu gewinnen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ein wertschätzendes Miteinander zu finden. Um in die jeweilige Haltung zu kommen und sie auch rüberzubringen, zeige ich dir hier noch einmal sprachliche Formulierungen, die häufig aufdecken, in welcher Haltung wir uns befinden und solche, die uns helfen können, in die GFK-Haltung zu kommen. 

GFK lernen ist ähnlich wie das Lernen einer Fremdsprache. Anfangs lernen wir Vokabeln und Grammatik und müssen bei jedem Satz genau nachdenken, wie er gebildet wird. Aber am Ende, wenn wir die Sprache durch viel Üben und Praktizieren wirklich beherrschen, machen wir einfach und denken nicht mehr über Grammatik oder Vokabeln nach – schmeißen vielleicht sogar Regeln wieder über den Haufen, weil wir anfangen, umgangssprachlich zu sprechen, und passen uns immer mehr dem an, wie die Muttersprachler der jeweiligen Sprache natürlicherweise sprechen.

Denk also daran, dass die Sprache und die Form der GFK ein Werkzeug ist, um der entsprechenden Haltung näherzukommen, und sie an sich kein Endziel bildet. Im Gegenteil: umso mehr du die Haltung verinnerlichst, desto gleichgültiger wird es, welche Worte du verwendest. Und da möchten wir Schritt für Schritt hinkommen.

Um dem einen Schritt näherzukommen, gebe ich dir hier ein paar Tipps zu Haltung und Sprache. Sie sind für jeden der vier Schritte aufgeteilt in „Achtung„, wo ich darauf hinweise, wann du NICHT in der GFK-Haltung bist, dann schildere ich unter „GFK-Haltung„, was in der GFK stattdessen die Haltung ausmacht und bei „Tipp“ bekommst du konkrete Hinweise, wie du mit der Sprache deine Haltung erkennen und die Haltung, die du haben magst, bestärken kannst.

1. Wahrnehmung

Achtung:
Ich schildere die Wahrnehmung NICHT, um Recht zu haben oder um dem anderen seinen Fehler aufzuzeigen. Ein „Du hast aber gesagt…“ – „Nein, hab ich nicht!“ – „Doch, hast du!“ zeigt uns, dass wir noch nicht in der offenen, interessierten GFK-Haltung sind, sondern gerade im Recht-Haben feststecken.

GFK-Haltung:
Ich bin offen dafür, dass ich mich entweder irren kann, der andere etwas anderes gehört/gesehen/in Erinnerung hat oder dass ich noch in der Interpretation bin. Mein Ziel ist es, eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden, in der möglichst noch keine Wertung enthalten ist, damit der andere mich auch wirklich hören kann.

Tipp:
Noch leichter fällt diese Haltung, wenn ich nicht sage „Du hast gesagt…“, sondern stattdessen „Ich habe dich sagen hören: …“ oder „Was ich von dir verstanden ist, ist Folgendes: …“ So bin ich noch mehr bei mir und in dem Wissen, der andere kann dennoch etwas anderes gesagt haben. Vielleicht magst du an der Stelle sogar nachfragen, ob dein Gegenüber sich genau so daran erinnert, ehe du zum nächsten Schritt gehst.

2. Gefühle

Achtung:
Ich nenne mein Gefühle NICHT mit dem Gedanken „Und du bist schuld!“ oder mit dem Hinweis, dass das, was der andere getan hat, mich so fühlen lässt. Außerdem hänge ich nicht in der Vergangenheit fest und hole alte Gefühle wieder hervor.

GFK-Haltung:
Ich bin in der Eigenverantwortung. Mir ist klar, dass meine Gedanken und Bedürfnisse mein Gefühl verursachen und mein Gegenüber es nur AUSGELÖST hat. Er hat mich sozusagen darauf hingewiesen, dass da etwas in mir ist, was Erfüllung sucht. Dabei beziehe ich mich auf das Hier und Jetzt, denn nur um die Gefühle, die gerade im Moment lebendig sind, geht es uns in der GFK.

Tipp:
Wenn ich den ersten und den zweiten Schritt kausal (als Begründung) miteinander verbinde, kommt schnell die Haltung rüber, dass der andere für mein Gefühl verantwortlich wäre. Statt also den ersten und den zweiten Schritt zu verbinden, kannst du die Wahrnehmung vorne anstellen und dann das Gefühl kausal mit dem Bedürfnis verbinden. Schau mal, ob du beim Lesen einen Unterschied spüren kannst:

Wahrnehmung und Gefühl gekoppelt (eher nicht in Eigenverantwortung):
Du hast den Geschirrspüler nicht ausgeräumt, (Wahrnehmung)
deshalb bin ich jetzt enttäuscht. (Gefühl)
Ich wünsche mir, dass wir uns an Vereinbarungen halten. (Bedürfnis)

Gefühl mit Bedürfnis gekoppelt (eher in Eigenverantwortung):
Du hast den Geschirrspüler nicht ausgeräumt. (Wahrnehmung)
Hm, ich merk, ich bin da enttäuscht, (Gefühl)
weil mir total wichtig ist, dass wir uns an Vereinbarungen halten. (Bedürfnis)

Formulierungen nach der Wahrnehmung wie „Das macht mich…“ oder „Deswegen bin ich …“ weisen darauf hin, dass du noch in der Haltung bist, der andere hat dein Gefühl verursacht. Versuche dir wirklich klarzumachen, dass dein Bedürfnis der Grund für dein Gefühl ist. Und wenn du in Eigenverantwortung bist, kannst du selbst dafür gehen, dass es dir besser geht – unabhängig von dem, was dein Gegenüber tut. 

3. Bedürfnisse

Achtung:
Bei den Bedürfnissen ist ebenfalls die Eigenverantwortung entscheidend. Ich gehe NICHT davon aus, dass mein Gegenüber für die Erfüllung meines Bedürfnisses verantwortlich ist. Ich gehe am besten NICHT mit absolut leerem Bedürfnis und in großer Not auf den anderen zu, damit er mein Bedürfnis erfüllt. Außerdem achte ich darauf, dass ich NICHT mit dem Fokus im Mangel bin, also mich emotional voll drauf konzentriere, dass das Bedürfnis gerade NICHT erfüllt ist.

GFK-Haltung:
In der GFK-Haltung schaue ich auf die Kraft des Bedürfnisses. Das heißt, ich lenke meinen Fokus darauf, es zu erfüllen, nicht darauf, dass es unerfüllt ist (vom Mangelfokus zum Füllefokus und vom Blick rückwärtig hin zum Blick nach vorne). Außerdem ist mir bewusst, dass es viele Möglichkeiten gibt, mir selbst mein Bedürfnis zu erfüllen oder auch viele andere Möglichkeiten, es zusammen mit meinem Gegenüber zu erfüllen. Ich bleibe neugierig, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Ich kann den anderen nur einladen, zu meinem Bedürfnis beizutragen – und er darf die Einladung annehmen oder nicht.

Mein Bedürfnis ist dabei universell und nicht nur in eine Richtung wichtig, sondern in beide. Das heißt, wenn ich mir Respekt wünsche, wünsche ich mir eigentlich einen Raum, in dem wir beide oder Menschen generell respektvoll miteinander umgehen. Wenn ich das nicht so empfinde, hänge ich vielleicht noch in der Strategie fest, dass mein Gegenüber mich jetzt respektieren soll.

Tipp:
Ich formuliere also auch entsprechend so, dass nicht die andere Person einseitig in dem Bedürfnis enthalten ist. Sprich, ich sage nicht, „Ich habe das Bedürfnis, dass DU mir zeigst, dass du mich wertschätzt.“ oder „Ich brauche jetzt DEINE Wertschätzung!“.

Außerdem formuliere ich mein Bedürfnis in die positive Richtung, also nach vorne gerichtet auf die Erfüllung anstatt nach hinten gerichtet auf den Mangel. Sprachlich vermeide ich daher Formulierungen wie „Mir fehlt Wertschätzung!“ oder „Ich kriege nicht genug Wertschätzung!“ oder „Ich werde gar nicht wertgeschätzt!“ (nach hinten gerichtet und auf Mangel fokussiert). Stattdessen formuliere ich positiv, um wirklich die Kraft des Bedürfnisses zu spüren und meine Energie in Richtung Erfüllung statt Mangel zu lenken.

Beispiele für gegenseitige, positiv ausgerichtete Bedürfnisausdrücke:

„Ich merke gerade, wie wichtig mir Wertschätzung ist.“
„Ich wäre gerne in einem Raum voller gegenseitiger Wertschätzung mit dir.“
„Mir ist wichtig, dass wir uns gegenseitig wirklich wertschätzen.“
„Mir ist es echt ein Anliegen, dass Menschen einander wertschätzen.“
„Ich wünsche mir, Beziehungen sein zu können, in denen alle gegenseitige Wertschätzung erleben.“

4. Bitten

Achtung:
Hier bin ich NICHT in einer Erwartungshaltung oder in dem Gedanken „Ich muss den anderen jetzt irgendwie dazu bringen, ja zu sagen.“ – Das beginnt schon beim Gesprächseinstieg oder wenn ich das Thema wechseln will. Ich versuche NICHT, mit GFK zu erreichen, dass der andere sich meinem Willen beugt, egal was er selbst wirklich will.

GFK-Haltung:
Stattdessen bin ich neugierig und offen dafür, was der andere gerade wirklich möchte und welche Wege es vielleicht noch geben kann, in Kooperation oder auch für mich allein meine Bedürfnisse zu erfüllen. Ich bin im Vertrauen, dass der andere, wenn er Nein sagt, eigentlich Ja sagt – zu einem anderen wunderschönen Bedürfnis, das er gerade nicht mit meiner Bitte vereinbar sieht. Wenn ich versuche, wirklich zu verstehen und offen bin für neue Ideen, dann muss ein Nein kein Ende des Gesprächs sein. Und ich weiß, selbst wenn ich mit meinem Gegenüber keinen Weg finde, finde ich einen anderen für mich.

Tipp:
Hier hast du bereits eine Menge Tipps in der 16. Blogartikelfolge erhalten. Einen weiteren möchte ich dir dennoch geben. Deine Haltung zeigt sich bereits zu Beginn des Gesprächs. Schaust du mit offenen Augen auf dein Gegenüber und bist bereit, seine Bedürfnisse zu erkennen und einzubeziehen? Bist du achtsam damit, wie es ihm geht oder möchtest du einfach nur deinen Wunsch durchsetzen? (Das ist auch okay, mir ist nur wichtig, dass du dir dessen bewusst bist.)

Wenn du wirklich offen bist für dein Gegenüber, dann macht es Sinn, bereits zu Beginn mit einer Bitte zu starten: Der Frage danach, ob der Gegenüber gerade bereit ist, das zu hören, was du ihm sagen magst. Ob es dabei um Konflikte geht, Wertschätzung, Ratschläge, Komplimente, was auch immer – vorher nachzufragen, zeigt deine Bereitschaft, wirklich auf dein Gegenüber einzugehen.

Das kann so aussehen:

  • Ich würde gerne mit dir 10 Minuten über eine Situation von gestern Abend reden. Passt das gerade für dich?
  • Mir geht unser Konflikt von vorhin noch so durch den Kopf und ich würde gerne darüber reden. Hast du gerade eine halbe Stunde Zeit und Nerven, um dir das mit mir anzuschauen?
  • Ich mag dir gerne etwas rückmelden, wie es mir gerade in dem Gespräch mit dir geht. Kannst du das gerade hören?
  • Ich würde jetzt gerne wieder zu den Arbeitsthemen zurückkommen. Ist das für dich in Ordnung?

Lernen braucht Zeit

Wenn du dein Beispiel aufgeschrieben hast, kannst du ja mal die Sprache anschauen oder auch in dich gehen und damit deine Haltung überprüfen. Hast du die GFK-Haltung bei allen vier Schritten in deinem Beispiel eingenommen? Spiegelt deine Sprache deine Haltung? Was fühlt sich für dich stimmig an?

Denk bitte daran, dass das alles nur Hilfen zu mehr Bewusstheit sind und kein neues Richtig oder Falsch. Wenn du es nicht schaffst, alles davon umzusetzen, dann herzlichen Glückwunsch: Du bist ein Mensch. 🙂 Ein schöner Spruch, den ich von Christian Hinrichsen (einem lieben GFK-Kollegen) gelernt habe: GFK ist nichts, was immer gelingt, nur immer öfter!

Und es geht auch gar nicht darum, immer die GFK-Haltung zu haben (und schon gar nicht immer die „perfekte“ Sprache oder Form!) – manchmal entscheiden wir uns vielleicht sogar bewusst dagegen! Es geht darum, dass du dich in dieser neuen Haltung und Sprache übst, um immer mehr Bewusstsein sowie Möglichkeiten zu erlangen und selbst entscheiden zu können, wie du handeln, sprechen, denken und fühlen möchtest.

Denk an dich als Kind, als du sprechen gelernt hast. Wie lange hast du Sachen „komisch“ oder gar „falsch“ ausgesprochen, ehe du Worte wie deine Eltern artikulieren konntest? Was wäre gewesen, wenn du dich für jedes Mal „falsch aussprechen“ selbst verurteilt hättest? Oder wenn du nach dem 10. Mal scheitern gedacht hättest „Nee, ich glaube Sprechen, das ist nichts für mich!“? Hast du aber nicht und du kannst sprechen! Und manchmal entscheiden wir uns noch heute, nicht zu sprechen, sondern zu singen, zu schreien, zu lallen, zu murmeln oder zu flüstern. Es gibt kein Falsch – nur Entscheidungen, die wir immer bewusster treffen können, wenn wir mehr lernen. 

Daher lade ich dich ein: Trau dich und übe so viel du kannst! Und GFK lernt sich – wie auch sprechen, laufen oder tanzen – nicht in der Theorie. Also wenn du wirklich GFK lernen möchtest, dann ist es notwendig, in die Praxis zu gehen und ein Seminar oder einen Workshop zu besuchen, wo du wirklich aktiv begleitet üben kannst. Hier findest du zahlreiche Angebote, wie du auch von zuhause aus GFK lernen kannst:

Im nächsten Blogartikel wird es dann darum gehen, wie wir die Schritte der GFK nutzen können, um wirkliche Dankbarkeit und Wertschätzung auszudrücken. Denn schließlich wollen wir nicht nur lernen, Konflikte anzusprechen, sondern auch die erfüllten Bedürfnisse im Leben und das, was uns Freude macht.

Folge 17: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Die Bedeutung der vier Schritte

Die zwei Teile der GFK

Du kennst nun die vier Schritte und die Grundhaltung der GFK. Nun gibt es zwei konkrete Richtungen, die du mit diesen vier Schritten immer wieder gehen kannst: Du kannst dir anschauen, worum es DIR geht und für dich reflektieren, was du wahrnimmst, fühlst, brauchst und erbitten kannst. Das nennen wir Selbstempathie. Und das Ganze oder Teile davon kannst du in einem sogenannten „authentischen Selbstausdruck“ auch mitteilen.

Auf der anderen Seite kannst du dir dein Gegenüber anschauen und vermuten, was seine Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten sind. Das kannst du still tun, um für dich in eine empathische Haltung zu kommen und empathisch zuzuhören, oder du kannst in den Dialog treten und in empathischen Vermutungen die Seite deines Gegenübers besser verstehen lernen.

In der GFK geht es vor allem um diesen „Tanz“, auf den wir uns einlassen, wenn wir uns selbst mitteilen, dann wieder schauen, was das beim Gegenüber auslöst, wieder zu uns gehen und dann wieder zum Gegenüber und so weiter. Um die liegende Acht, die wir nachfahren, bei der wir erst die eine Seite nachschwingen, um dann wieder in die andere Hälfte zu fahren und zurück.

Es geht schließlich nicht darum, einem Schema zu folgen und damit dem anderen achtlos hinzuwerfen, was in uns vor sich geht – genauso wenig geht es darum, immer nur zuzuhören und das eigene herunterzuschlucken oder zu verbergen. Es geht um einen echten Austausch, ein Miteinander, ein Ins-Gespräch-Kommen und um echtes Interesse daran, sich gegenseitig zu verstehen. Wie lange die jeweiligen Tanzschritte sind oder wie viel es sind, das bestimmen nur die Personen in jeder individuellen Situation. Je mehr GFK wirklich in deine Haltung und Sprache integriert ist, desto mehr wird dieses Hin und Her wie von selbst gehen.

Und darum geht es letztendlich auch beim Lernen der GFK und der vier Schritte: Dass du immer mehr die Haltung integrierst und dich entweder bewusst dafür entscheiden kannst oder irgendwann vielleicht sogar in vielen Situationen ganz selbstverständlich in der Haltung bist, die du gerne haben magst. Die vier Schritte sind EIN Weg, um zu der Haltung zu kommen. Wenn wir diese erreicht haben, spielen die Worte keine große Rolle mehr und das Ziel ist es, sich auch irgendwann gar keine Gedanken mehr um die Sprache zu machen – aber bis dahin nützen die vier Schritte als Anker und Werkzeug, die Haltung der GFK immer mehr zu verinnerlichen.

In dieser Folge möchte ich dir die vier Schritte zusammenfassend zeigen und ihre jeweilige Bedeutung im Selbstausdruck vermitteln.
In der nächsten Folge bekommst du noch einmal einige Tipps zur Haltung und Sprache zum authentischen Selbstausdruck im Bezug auf Konflikte.
Danach werden wir uns dann anschauen, wie wir den authentischen Selbstausdruck nutzen können, um echte Wertschätzung zu äußern, ehe wir auf die andere Seite gehen und uns der Empathie, der empathischen Haltung sowie den empathischen Vermutungen widmen.

Konflikte ansprechen mit dem authentischen Selbstausdruck

Die vier Schritte sind dazu da, dass du dich selbst besser verstehen und damit auch klarer ausdrücken kannst, worum es dir geht. Um selbst daran zu üben, lade ich dich ein, dir ein Beispiel auszusuchen, in dem du selbst mit jemandem einen Konflikt hattest oder wo du theoretisch gerne etwas ansprechen möchtest, was dich gestört hat.

Dann kannst du dir mal anschauen,

  • was deine Wahrnehmung ist und was deine Interpretation,
  • was deine Gefühle dazu und was deine Gedanken sind,
  • was deine Bedürfnisse und was konkrete Strategien sind und
  • was eine konkrete Bitte sein könnte oder ob du noch in Forderungen steckst.

Versuche mal, eine Situation für dich aufzuschlüsseln. Ich werde dir ein Beispiel hierfür geben:

Meine Freundin sagt zu mir „Von dir hört man auch gar nichts mehr, nie meldest du dich!“

Falls du kein eigenes Beispiel hast (oder zusätzlich!) kannst du auch mal versuchen, wie du diese Situation in den vier Schritten ansprechen könntest. Wenn du das getan hast, kannst du weiterlesen.

Nun lade ich dich gleich zu einer weiteren Übung ein, in der es darum geht, selbst den Unterschied zwischen GFK und der häufig üblichen Ausdrucksweise zu spüren.

Lies dir dafür erst einmal NUR die linke Seite der Tabelle hier drunter komplett durch und stell dir vor, wie es dir gehen würde, wenn jemand so etwas zu dir sagt. Was passiert da in deinem Körper? Wie hoch ist deine Bereitschaft und Lust, den anderen zu verstehen und in Kooperation, Wertschätzung und Miteinander zu kommen? Wie würde es dir selbst gehen, diese Sätze auszusprechen?

Dann lies die rechte Seite und frage dich dasselbe: Was passiert da in deinem Körper? Wie hoch ist deine Bereitschaft und Lust, den anderen zu verstehen und in Kooperation, Wertschätzung und Miteinander zu kommen? Wie würde es dir selbst gehen, diese Sätze auszusprechen?

Wie ging es dir im Unterschied? Hast du was gemerkt? Ging es dir nur bei der Vorstellung, die Sätze so zu hören anders oder auch bei der Vorstellung, sie auszusprechen? Teile deine Erkenntnisse gerne in den Kommentaren!

Letztendlich – wie immer – geht es auch hier um mehr als die Worte. Das sind einfach nur typische Beispiele, wie die jeweiligen Kategorien aussehen können.

Reihenfolge und Bedeutung der vier Schritte im authentischen Selbstausdruck

Die vier Schritte sind grundsätzlich nicht dazu gedacht, sie immer alle vier zu nennen und in dieser strikten Reihenfolge zu bleiben. Dennoch hat die Kombination aus den vier Schritten in dieser Reihenfolge nicht nur in der Selbstreflexion, sondern auch im Ausdruck einen tieferen Sinn.

Wenn wir zuerst die Wahrnehmung nennen, schaffen wir eine gemeinsame Gesprächsbasis. Es ist klar, worum es geht und wie jemand anders dein Leben bereichert hat oder was genau du ansprechen magst, das dich stört. Es schafft einen Referenzpunkt, an dem man gemeinsam ansetzen kann. Mit dem Gefühl zeigst du dich und bietest an, in Verbindung zu gehen, indem du selbst die Türe öffnest. Das Bedürfnis direkt danach drückt aus, um welchen allgemein menschlichen Wert es dir geht, der dein Gefühl verursacht. Einmal dient es dabei dem Zweck, die Selbstverantwortung zu zeigen (weg von „Du bist schuld!“) und weiterhin bietet es den Anknüpfungspunkt, bei dem das Gegenüber sagen kann: „Ja, diesen Wert kenne ich! Das ist mir auch oft wichtig! Darum geht es also!“ Die Bitte dient dann dazu, dem Gegenüber die Chance zu geben, aktiv zu meinem Bedürfnis beizutragen oder mit mir gemeinsam einen anderen Weg zu finden.

Wie du siehst, hat jeder Schritt seine Funktion und seinen Platz im authentischen Selbstausdruck. Es ist aber nicht in jeder Situation jeder dieser Schritte nötig. Ich mag dir dafür einen kurzen Überblick über meine Erfahrungen geben, wann die Schritte besonders wichtig sind und wann man sie eher weglassen kann. Denk bitte daran, dass das keine Anleitung ist, sondern lediglich eine Orientierung, die aus meiner Erfahrung entspringt.

Die Wahrnehmung wegzulassen kann dann sinnvoll sein, wenn bereits sehr deutlich ist, worum es geht. Wenn gerade eben etwas passiert ist, auf das du dich beziehst, brauchst du vermutlich nicht dazusagen, was genau du gerade meinst. Allerdings lade ich dich ein, auch da wachsam zu sein und offen dafür zu bleiben, dass dein Gegenüber sich vielleicht dennoch nicht auf dasselbe beziehen könnte und eine Ergänzung notwendig ist, um Missverständnisse zu vermeiden.

Die Gefühle wegzulassen kann vor allem in Situationen hilfreich sein, in denen keine starke Nähe geschaffen werden soll – also mit Fremden, im Arbeitskontext oder auch bei Menschen, denen du dich nicht verletzlich zeigen magst oder für die es vermutlich zu nah ist. In manchen Kulturen oder auch einfach Familien wird wenig bis gar nicht über Gefühle gesprochen und da kann es Überforderung oder Hilflosigkeit auslösen, jedes Gefühl klar zu benennen.

Die Bedürfnisse bilden den Kern der GFK und sind – so behaupte ich – immer dann sinnvoll, wenn wir tiefer in Verbindung kommen wollen oder es Konfliktpotenzial gibt. Es kann auch einfach der Klarheit und leichteren Nachvollziehbarkeit dienen, die Bedürfnisse zu benennen. In manchen Situationen allerdings wirken die Bedürfnisse fehl am Platz, vor allem wenn es um einfache Alltagskommunikation geht, wie zum Beispiel die Frage, ob mir jemand das Salz reicht – dort würde ich nicht unbedingt sagen: „Ich habe ein Bedürfnis nach Genuss, reichst du mir das Salz?“. Als Richtlinie würde ich sagen, dass es in den meisten zwischenmenschlichen Situationen sinnvoll ist, Bedürfnisse zu benennen. Irgendwann kannst du die Bedürfnisse auch so umgangssprachlich ausdrücken, sodass sie kaum mehr auffallen. Dann kann es auch natürlich rüberkommen, wenn du sagst: „Reichst du mir das Salz? Dann kann ich meine Suppe noch besser genießen!“

Der vierte Schritt ist derjenige, bei dem ich am häufigsten sehe, dass er weggelassen wird und bei dem ich gleichzeitig das Weglassen am problematischsten finde. Wie würde es in einem Gespräch auf dich wirken, wenn jemand zu dir sagt: „Du hast mir 10 Minuten vor unserem Treffen abgesagt. Ich bin da echt enttäuscht und auch etwas sauer, weil mir Verlässlichkeit echt wichtig ist und dass ich meine Zeit sinnvoll nutzen kann.“

Wie geht es dir, wenn die Aussage da endet?

Bei mir kommt so ein Gedanke auf „Und nun?! Jetzt ist es ja zu spät, ich kann nichts mehr daran ändern, was soll ich denn jetzt machen?!“ Ich glaube, dass es Hilflosigkeit und Angst oder Schuld bei den meisten Menschen auslöst, wenn ich nur mein unerfülltes Bedürfnis benennen, aber keine Idee dazusage, was mir gerade helfen würde. Daher ist es gerade in Konflikten essenziell, die Bitte zu äußern, um unserem Gegenüber zu zeigen (und auch selbst klar zu haben!), was er gerade beitragen kann.

Spür mal rein, ob es für dich einen Unterschied macht, wenn am Ende dieser Aussage eine Bitte steht:

„Du hast mir 10 Minuten vor unserem Treffen abgesagt. Ich bin da echt enttäuscht und auch etwas sauer, weil mir Verlässlichkeit echt wichtig ist und dass ich meine Zeit sinnvoll nutzen kann. Ich glaube, mir würde es echt helfen, wenn du mir sagen könntest, was dich abgehalten hat, pünktlich zu sein. Wärst du bereit, mir das zu erzählen?“

Beim nächsten Mal …

In der nächsten Folge werden wir uns noch mit einigen sprachlichen Hinweisen beschäftigen, die deine Haltung deutlicher machen kann. Ich werde dir außerdem zu jedem der vier Schritte sowie dem authentischen Selbstausdruck allgemein ein paar Tipps geben, die mir besonders am Herzen liegen. Hebe also auch die Reflexion deiner eigenen Situation gerne dafür auf und überprüfe dann, ob du noch ein paar Tipps aus der nächsten Folge darin umsetzen magst.

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst einzusteigen und zu lernen, wie du die vier Schritte und die Haltung der GFK für dich vertiefen und nachhaltig in dein Leben integrieren kannst, dann besuche gerne ein Seminar/Webinar von mir oder melde dich zu einem persönlichen Coaching an: