Folge 19: Von Lob zu Wertschätzung und Dankbarkeit

Haltung und Tipps zu den vier Schritten

Du kennst jetzt bereits die vier Schritte und ihre Grundunterscheidungen. In diesem Blogartikel mag ich dir näherbringen, wie du dieses Wissen nutzen kannst, um deine Wertschätzung und Dankbarkeit tiefer zu spüren, besser zu verstehen und sie von klassischem Lob zu unterscheiden.

Dafür mag ich dich wieder einladen, selbst aktiv zu werden: Denk mal an eine Situation, in der jemand etwas getan hat, was in die Freude, Glück, Dankbarkeit oder Liebe ausgelöst hat. Dann überlege mal für dich: Hast du deine Dankbarkeit ausgedrückt? Wie hast du das getan? Was genau hast du gesagt?

Halte hier kurz inne und schreibe dir auf oder merke dir, wie du reagiert hast und ob und wie du deine Wertschätzung geäußert hast. Ich mache mal ein Beispiel: Ein Mann an der Kasse hat mich vorgelassen. Ich hab gelächelt und gesagt: „Vielen Dank, das ist wirklich sehr nett!“

Wertschätzung vs. Lob

Bevor wir uns mit dem Beispiel näher beschäftigen, möchte ich dir eine weitere Grundunterscheidung aufzeigen, die wir in der GFK treffen. Wir unterscheiden zwischen Lob und Wertschätzung bzw. Dankbarkeit. Wertschätzung und Dankbarkeit verwende ich hier synonym und unterscheide sie von Lob. Ich gebe dir mal ein paar Beispiele für klassisches Lob und für umgangssprachliche Wertschätzung nach GFK. Ich bitte dich, dabei mal in dich hineinzuspüren und zu prüfen, ob du von deinem Gefühl her einen Unterschied merkst und ob du feststellen kannst, was der sprachliche und haltungsbezogene Unterschied zwischen den beiden Konzepten ist.

Merkst du einen Unterschied? Allein die Länge wird dir vermutlich aufgefallen sein. Was hast du noch an Unterschieden festgestellt? Waren deine Gefühle anders bei den beiden Möglichkeiten, wenn du dir vorstellst, dass das jemand zu dir sagt?

Ich möchte dir kurz erläutern, was für mich Lob ist und was Wertschätzung – in Sprache sowie in der Haltung.

Lob basiert auf Urteilen und geschieht aus einer wertenden Perspektive. Ich bin im Kopf und sage aus, welche Bewertungen und Urteile ich über die Person oder das Verhalten habe, was ich darüber denke. Ich bin also mit meinen Urteilen verbunden, was richtig/gut/schön/angemessen usw. ist.
Bei Lob entsteht durch das Bewerten schnell ein Verrutschen der Augenhöhe, da ich ja darüber urteile, wie gut es ein anderer gemacht hat – ich gehe also davon aus, dass ich den anderen bewerten kann.

Wertschätzung ist oft länger und detaillierter als Lob. Ich äußere ganz konkret, auf welches Verhalten ich mich beziehe, was in MIR geschieht, also welche Gefühle ausgelöst werden, und welche Bedürfnisse sich durch das Verhalten erfüllt haben. Ich rede von MIR und dem, was in MIR lebendig ist (Herz statt Kopf). Damit bezieht sich Wertschätzung viel mehr auf mich selbst und ich zeige mich mit dem, was es in mir bewegt.

Ganz grob gesagt bedeutet Wertschätzung für mich: Jemand sagt mir, welchen Beitrag ich zu seinem Leben geleistet habe. Bei Lob sagt mir jemand, dass sein Urteil über mich gut ausfällt. Lob ist dabei oft leichter zu äußern, weil wir meistens schneller in unseren Urteilen sind und es einfacher ist, dabei zu bleiben, als zu reflektieren, was wir wirklich gerade spüren und um was es uns dabei geht.

Natürlich kommt es auch hier wieder stark auf die Haltung an. Wenn ich in der urteilsfreien Haltung bin und sage „Find ich ja total klasse, danke!“, kann dennoch beim anderen Wertschätzung ankommen. Dennoch kann es oft hilfreich sein, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse auch wirklich zu äußern.

Warum Wertschätzung?

In meinem Erleben ist Wertschätzung für jede Art der Beziehung, sei es geschäftlich, familiär, freundschaftlich oder partnerschaftlich, sehr hilfreich. Sie stärkt die Zufriedenheit und die Verbindung. Es tut einfach gut, in dem gesehen zu werden, was ich beitrage, und selbst auch zu sehen, wie andere Menschen mein Leben bereichern.

Im Gegensatz zu Lob berührt mich Wertschätzung sehr viel tiefer. Ich kann wirklich sehen, dass ich etwas im Herzen des anderen ausgelöst habe und weiß, zu welchen Bedürfnissen ich gerade beitragen konnte, anstatt nur zu hören, was die Person über mich denkt. (Gleichzeitig kann ich hinter jedem Lob natürlich auch Wertschätzung hören, wenn ich „Giraffenohren“ aufhabe.)

Ein Vorteil, der sich nicht nur auf deine Beziehungen, sondern auch dich selbst bezieht, wenn du Wertschätzung äußerst, ist, dass du dich dadurch besser verstehen und mit dir in Verbindung kommen kannst. Du lernst noch mehr, eine bedürfnisorientierte Haltung einzunehmen und dich, deine Gefühle und deine Bedürfnisse tiefer zu erkennen.

Und wenn du Situationen, die schön für dich waren, ausgiebig spürst und dich wirklich mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen verbindest, kannst du viel intensiver Kraft daraus schöpfen und deine Freude steigern. Je häufiger du in die Haltung von Dankbarkeit und Wertschätzung einsteigst, desto mehr steigert sich deine Lebensqualität. Denn:

Umso mehr dein Fokus auf den erfüllten Bedürfnisse in deinem Leben liegt, desto mehr wirst du
1. deine Brille, durch die du die Welt siehst, darauf ausrichten, was gut läuft und was schön ist in deinem Leben, und
2. mehr von dem anziehen, was du dir wünschst. Dankbarkeit ist quasi ein Magnet für mehr schöne Momente. Falls du dazu noch mehr Hintergrundwissen brauchst: In diesem Blogartikel erkläre ich näher, warum das so ist:

Vom Urteil zur Wertschätzung

Um Wertschätzung zu spüren und auszudrücken, brauchst du die Bereitschaft, deine Urteile zu hinterfragen und dir die Mühe zu machen, in dich hineinzublicken und deine Gefühle und Bedürfnisse zu ergründen.

Wertschätzung kannst du mithilfe der ersten drei Schritte der GFK konkretisieren: Du brauchst zunächst die Klarheit darüber, was jemand genau getan oder gesagt hat (Wahrnehmung), dann schaust du, welche Gefühle in dir dadurch entstehen und was es in dir auslöst (Gefühl) und dann prüfst du, welche Bedürfnisse für dich dadurch erfüllt wurden, also wie die Person zu deinem Leben beigetragen hat (Bedürfnis).

Ich mag dir hier eine kurze Anleitung geben, die du nutzen kannst, um von deinem ersten Gedanken und deinem Lob in tiefere Wertschätzung einzutauchen.

1. Vom Urteil zur Wahrnehmung

Wenn jemand etwas tut, was dir gefällt, schau dir ruhig erst einmal dein Urteil an, das vermutlich ohnehin automatisch aufploppen wird. Ich nehme mal das Beispiel mit dem Mann an der Kasse von vorhin und du kannst dein eigenes Beispiel nutzen:

Der Mann lässt mich vor und ich denke sofort „Wow, das ist aber wirklich nett! Dass es so freundliche Menschen gibt, toll! Ich fühle mich total gesehen!“ – Ich beobachte diese Gedanken und sage mir: „Aha, das denke ich also über die Situation. Was genau ist es denn, was mir so an dem Verhalten gefällt? Was genau hat er getan und gesagt? Was würde eine Kamera aufzeichnen?“

Ich formuliere also für mich folgende Wahrnehmung: Der Mann hat mir in die Augen gesehen und mit einem Lächeln gesagt: „Gehen Sie ruhig vor, Sie haben ja nicht so viel!“

2. Meine dadurch ausgelösten Gefühle

Nun spüre ich in mich hinein und beobachte, was ich fühle.

Was spüre ich im Körper? Was genau passiert da in mir? Ah, ich merke, dass ich so ein freudiges Kribbeln im Bauch habe. So eine warme Energie, die von unten nach oben kommt und mich lächeln lässt. Ich würde sagen, es ist sehr große Freude.

3. Meine erfüllten Bedürfnisse

Nun kommt für die meisten der schwierigste Schritt. Hier frage ich mich, welche Bedürfnisse mir dieses Verhalten des Mannes erfüllt hat. Warum bin ich so freudig? Wie genau hat er damit zu meinem Leben beigetragen? Hier können mir auch wieder meine Urteile helfen. Das kann so aussehen:

Hm, ich freu mich also total. Warum eigentlich? Was genau hat mir das erfüllt? Geht’s mir darum, dass ich dadurch schneller aus dem Supermarkt draußen bin? Nein, wegen den zwei Minuten würde ich mich nicht so freuen. Es ist eher dieses Freundliche in seinem Blick. Und ich hatte da den Gedanken „Ich fühle mich gesehen.“ Ja, dass er gesehen hat, dass ich nicht viel zu zahlen habe und er sofort darauf reagiert hat, das ist mir wichtig gewesen. Ich freu mich, dass ich ihn da so achtsam erlebt habe, er mich gesehen hat und bereit war, mir etwas Gutes zu tun.

Jetzt bin ich noch bei dem Mann selbst, aber welche allgemein menschlichen Bedürfnisse sind denn da erfüllt? Wie hat das Verhalten des Mannes etwas erfüllt, das ich mir im Umgang zwischen Menschen wünsche? Hm, naja, ich liebe es, wenn Menschen achtsam miteinander sind und aufeinander schauen. Ich schätze es total, wenn wir alle offenen Blickes durch die Welt gehen und einander sehen und uns unterstützen. Wie schön wäre die Welt, wenn jeder so mit anderen umgehen würde. Ja, das ist es. Das ist, was ich mir im Umgang zwischen Menschen wünsche und was das Verhalten des Mannes für mich erfüllt hat. Achtsamkeit und dass wir einander sehen und aufeinander eingehen.

Während ich das schreibe, wird mir selbst ganz warm ums Herz. Wie viel tiefer das geht, als wenn ich nur denke „Der ist aber nett!“ – geht’s dir da auch so? Ich spüre jetzt riesige Freude, da diese kleine Geste etwas so Wunderschönes und Wesentliches im Umgang zwischen Menschen repräsentiert. Wow, ich bin berührt und zutiefst dankbar.

Ich lade dich ein, diese drei Schritte auch mit deinem eigenen Beispiel zu machen und zu beobachten, ob sich etwas in dir verändert, wenn du tief mit dem verbunden bist, was sich dadurch an wichtigen Bedürfnissen für dich erfüllt hat.

Beim nächsten Mal …

In der nächsten Folge schauen wir uns an, wie du Wertschätzung nicht nur fühlen, sondern auch kommunizieren kannst. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten und ich mag dir ein paar davon aufzeigen sowie ein paar Tipps geben, damit du dich authentisch ausdrücken kannst.

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Folge 20: Wertschätzung und Dankbarkeit authentisch ausdrücken

In der letzten Folge hast du bereits gelernt, wie du deine Gefühle und Bedürfnisse tiefer ergründen und vom bewertenden Lob in die Haltung von echter Wertschätzung kommen kannst. In dieser Folge mag ich dir zeigen, wie du Wertschätzung und Dankbarkeit auf tiefe, offene und transparente Weise auszudrücken kannst, wenn Menschen zu deinem Leben beigetragen haben.

Die drei Schritte benennen

Eine Möglichkeit, deine Wertschätzung auszudrücken ist, dich konkret an die Schritte zu halten: Wahrnehmung, Gefühl, Bedürfnis, Danke. Gerade zum Üben eignet sich diese Form besonders gut, oder wenn dein Gegenüber weiß, dass du gerade GFK lernst und vielleicht hin und wieder nicht in der gewohnten Art mit ihm reden wirst.
Das sieht dann so aus:

Wahrnehmung: In der Wahrnehmung schilderst du nur das, was genau dich gefreut hat. Es muss nicht alles drum herum geschildert werden, sondern genau dieser Teil der Handlung, den du wertschätzen magst.

Gefühl: Danach benennst du das Gefühl – bestenfalls ohne Formulierungen wie „Das macht mich“ oder „Deswegen bin ich“, denn dabei bist du nicht in der Eigenverantwortung. Versuche immer daran zu denken, dass diese Person der Auslöser für dein Gefühl ist und du das auch gerne wertschätzen magst, aber die Person nicht für deine Gefühle verantwortlich ist. Das, was die Ursache für die Gefühle ist, sind erfüllte Bedürfnisse, zu denen der oder die andere gerade beigetragen hat.

Bedürfnis: Du kannst die Bedürfnisse umgangssprachlich benennen, wie zum Bespiel „Das unterstützt mich total“ (Unterstützung) oder „Das macht es mir so viel leichter.“ (Leichtigkeit) oder du sagst konkret, um welche Bedürfnisse es dir dabei geht: „Das erfüllt mir Wertschätzung!“ oder „Das bedeutet für mich Geborgenheit.“

Danke: Um Dankbarkeit auszudrücken, kannst du am Ende noch ein „Vielen Dank“ oder ein „Ich danke dir.“ hinzufügen.

So könnte ich dem Mann, der mich an der Kasse vorgelassen hat, sagen:
„Sie haben mich gerade lächelnd vorgelassen (Wahrnehmung). Ich freue mich total (Gefühl), weil sich dadurch für mich Achtsamkeit und Unterstützung erfüllen (Bedürfnisse). Vielen Dank!“

Einige andere Beispiele:

  • Du hast mir vorhin einen Tee und eine Wärmflasche gebracht, als es mir nicht gut ging. Ich bin jetzt noch berührt davon und merke, wie mir ganz warm wird. Das erfüllt mir total viel Unterstützung und Geborgenheit! Ich bin dir dafür wirklich sehr dankbar! 
  • Gestern im Teammeeting haben Sie vor allen anderen gesagt, dass meine Arbeit wertvoll ist. Das hat mich riesig gefreut und motiviert, weil das für mich Wertschätzung und Anerkennung bedeutet. Danke.“
  • Du hast mich gerade angesprochen und gefragt, wie es mir geht. Ich merke, wie berührt ich davon bin, weil ich gerade wirklich einsam war und das für mich heißt, wirklich gesehen zu werden und wichtig zu sein. Also vielen Dank dafür!

Es kann sein, dass die ungewohnte Formulierung bei manchen auf Widerstand stößt, daher mag ich dir noch eine zweite Art zeigen, wie du auf anderem Wege deine Wertschätzung ausdrücken kannst:

Haltung statt Formulierung

Beim Ausdruck von Wertschätzung ist es wie mit allem in der GFK: es kommt nicht unbedingt auf die Worte an. Natürlich kannst du die drei Schritte durchgehen und erst sagen, was die Person getan hat, dann was für Gefühle das auslöst und dann, welche Bedürfnisse diesen Gefühlen zugrunde liegen. Allerdings ist das nicht unbedingt notwendig, um deine Wertschätzung auf GFK-Art rüberzubringen.

Denn: Es geht wie immer um die Haltung. Wenn du wirklich spürst, was die Person zu deinem Leben beigetragen hat, dann kannst du es äußern, wie du das möchtest, und es wird wahrscheinlich ankommen. Du brauchst vor allem in DIR die Klarheit, was in dir gerade lebendig ist, aber du musst nicht alles davon kommunizieren. Deshalb sind die drei Schritte im Stillen auf jeden Fall sinnvoll, um dir selbst klarer zu werden. Was du jedoch äußerst, kann ganz anders aussehen.

Im Falle des Mannes an der Kasse kann ich ihm auch in der tiefen Verbundenheit mit meinen Bedürfnissen in die Augen blicken, strahlen und sagen: „Wow, vielen Dank! Das freut mich gerade so riesig, dass Sie mich da gesehen haben und mir anbieten vorzugehen.“

Es kommt also auch hier wieder auf dein Inneres an, nicht so sehr auf den Wortlaut. Genauso kannst du umgekehrt die drei Schritte manipulativ „abhandeln“, um jemanden für „gutes Verhalten“ zu belohnen, ohne es wirklich zu fühlen. Das hätte dann für mich nichts mehr mit GFK oder mit echter Wertschätzung zu tun, sondern wäre reines Anwenden der Technik. Daher gilt auch hier: Haltung und die eigene innere Klarheit sind entscheidend, nicht die Worte, die ich verwende – aber wenn du meine Blogs schon kennst, weißt du das vermutlich längst.

Tipps beim Äußern von Wertschätzung

Auch wenn das Entscheidende die Haltung ist, mag ich dir ein paar Ideen mitgeben, wie es wahrscheinlicher wird, dass deine Wertschätzung bei anderen ankommt. Denk bitte daran, dass das – wie bei den letzten Blogartikeln mit den Tipps auch – keine grundsätzliche Anleitung ist, die man „richtig befolgen soll“ oder dass es dabei ein „Richtig“ und „Falsch“ gäbe, sondern dass das alles Vorschläge sind, die du ausprobieren und für dich in dein Repertoire an Möglichkeiten mit aufnehmen kannst, wenn sie für dich stimmig sind.

1. Vorbereitung: Fragen, ob die Person es hören mag

Diesen Tipp habe ich dir bereits bei den Bitten gegeben und ich wiederhole ihn hier noch einmal, weil er mir wirklich wichtig ist: Fragen, ob die andere Person dafür gerade bereit ist.

Gerade wenn es um Wertschätzung geht, wird das vermutlich leichter sein, als wenn es um einen Konflikt geht, und dennoch glaube ich, dass Menschen oft leichter hören können, wenn sie sich darauf einstellen können, was auf sie zukommt.

Das kann so aussehen:

  • Ich mag dir gerade eine Rückmeldung zu unserem Gespräch gestern geben, magst du sie hören?
  • Ich mag mich für was bedanken und wünsche mir, dass es wirklich ankommt. Hast du denn gerade den Raum dafür, mir da kurz zuzuhören?
  • Ich mag dir gerade mal was sagen, was ich an dir echt schätze. Magst du dich kurz zu mir setzen?

2. Klar Bezug nehmen: Wahrnehmung schildern

Was ich sehr empfehlen kann, sofern es sich schon ganz offensichtlich ist, ist die konkrete Handlung zu benennen, auf die man sich bezieht. Welche Aspekte haben denn Dankbarkeit in mir ausgelöst? Was konkret ist es, was mich so freut?

Im Beispiel mit dem Mann an der Kasse ist es vielleicht so offensichtlich, dass ich nicht dazusagen brauche. Andererseits kann ich es auch da hinzufügen, da es mir ja nicht nur um das Vorlassen ging, sondern auch um das Lächeln. Wenn ich das besonders hervorheben möchte, kann ich auch darauf klar Bezug nehmen. Auch in vielen anderen Kontexten ist es hilfreich, präzise auf die speziellen Aspekte der Wahrnehmung einzugehen, die mich berührt haben. Desto genauer die Person weiß, WAS mich berührt hat, desto leichter fällt ihr – so meine These – das Freuen darüber und das Annehmen.

3. Kontext: Die Äußerung von Gefühlen und Bedürfnissen situativ anpassen

Je nachdem, in welchem Kontext ich mich befinde, würde ich stärker oder weniger stark auf die Gefühle eingehen und sie eher implizit oder mehr explizit benennen.

In engen Beziehungen würde ich zum Beispiel meistens das Gefühl deutlich machen, das in mir ausgelöst wurde, auch in der starken Intensität, zum Beispiel: „Ich spüre da total große Freude in mir aufflammen. Mir wird richtig warm im Bauchraum.“ – Ich kann also das Gefühl benennen oder auch beschreiben, was in meinem Körper passiert. Gerade Körperempfindungen direkt zu beschreiben, kann extrem starke Nähe schaffen, weil es dadurch noch nachvollziehbarer und greifbarer wird, nicht nur WAS, sondern auch WIE und WO ich das fühle.

Im Arbeitskontext hingegen würde ich vielleicht eher nur die Bedürfnisse ansprechen und einen weniger starken Fokus auf die Gefühle legen. Gefühle zu nennen wird in manchem Arbeitskontext noch immer als „zu nah“ oder „unprofessionell“ erlebt, daher  kann es hier besonders hilfreich sein, sich eher auf Bedürfnisse zu fokussieren.

Die Bedürfnisse selbst können dabei auch angepasst werden. In der Familie spreche ich vielleicht eher von „Liebe“ und „Miteinander“, während ich in der Arbeit eher von „Teamgeist“ oder „an einem Strang ziehen“ spreche. So kann das im Arbeitskontext vielleicht so aussehen: „Als der Kunde gerade die Frage nach den Hintergründen gestellt hat, hast du für mich geantwortet. Ich bin da echt erleichtert, das bedeutet für mich die Unterstützung, die ich mir in unserem Team wünsche. Vielen Dank dir!“

Üben, üben, üben

Ich lade dich ein, mal auszuprobieren, regelmäßig Situationen, in denen du dankbar warst, auf diese Weise nachzureflektieren und die erfüllten Bedürfnisse zu spüren. Und vielleicht magst du auch ausprobieren, in den drei Schritten oder auch einfach in Verbundenheit mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen anderen deine Wertschätzung zu äußern.

Meine Erfahrung ist – und ich bin sehr sicher, dass es mindestens den meisten anderen Menschen genauso gehen wird – dass regelmäßige Wertschätzung einem selbst, dem Umfeld und den Beziehungen wahnsinnig gut tut.

Du kannst dir übrigens auch selbst Wertschätzung äußern – vielleicht, nachdem du es geschafft hast, jemand anderem Wertschätzung zu äußern? „Ich habe mich getraut, ihm da Danke zu sagen! Wow, ich bin richtig stolz, das ist für mich ein weiterer Schritt ins authentische Leben, in dem ich mich wirklich offen mit meinen Gefühlen zeigen mag! Ich danke mir!“

Lass mehr Freude und Liebe in dein Leben, indem du die Dinge feierst und wertschätzt, die du und andere bereits tun, um die Welt schöner zu machen.

Du weißt ja inzwischen vermutlich, wie du dir wünschst, dass Menschen miteinander umgehen. Und vermutlich machst du mit mehr Wertschätzung einen großen Schritt, um mehr für die Welt zu gehen, die du dir wünschst, oder? 🙂

Beim nächsten Mal …

Ab der nächsten Folge schauen wir uns nun die andere Seite der liegenden 8 an – die Seite des Gegenübers. Das heißt, wie kann ich einem anderen Menschen empathisch begegnen? Wie höre ich mit GFK-Haltung zu? Was ist denn eigentlich Empathie? Und viele weitere Fragen…

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4 Schritte zum liebevollen, konstruktiven Umgang mit Schmerz, Angst, Wut, Schuld, Scham & Eifersucht

Hier findest du weitere Podcasts zum Thema GFK, Gefühle, Persönlichkeitsentwicklung, Selbstliebe uvm.

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Folge 17: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Die Bedeutung der vier Schritte (GFK-Podcast)

Die vier Schritte sind grundsätzlich nicht dazu gedacht, sie immer alle vier zu nennen und in dieser strikten Reihenfolge zu bleiben. Dennoch hat die Kombination aus den vier Schritten in dieser Reihenfolge nicht nur in der Selbstreflexion, sondern auch im Ausdruck einen tieferen Sinn. In dieser Folge möchte ich dir die vier Schritte zusammenfassend zeigen und ihre jeweilige Bedeutung im Selbstausdruck vermitteln.

Folge 17: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Die Bedeutung der vier Schritte (GFK-Podcast)

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Props und herzlichen Dank an Andi Bree, der das Intro und Outro eingespielt hat! Danke für deine Geduld, Mühe und Offenheit, deine wundervolle Musik mit den Menschen zu teilen!

Folge 18: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Tipps zu Haltung und Sprache

Haltung und Tipps zu den vier Schritten

Gerade im Bezug auf Konflikte ist es mir noch einmal ein besonderes Anliegen, die Haltung hinter den vier Schritten zusammenzufassen, damit GFK nicht als Werkzeug zur Manipulation verwendet wird, sondern als Möglichkeit, eigene Klarheit zu gewinnen und die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, ein wertschätzendes Miteinander zu finden. Um in die jeweilige Haltung zu kommen und sie auch rüberzubringen, zeige ich dir hier noch einmal sprachliche Formulierungen, die häufig aufdecken, in welcher Haltung wir uns befinden und solche, die uns helfen können, in die GFK-Haltung zu kommen. 

GFK lernen ist ähnlich wie das Lernen einer Fremdsprache. Anfangs lernen wir Vokabeln und Grammatik und müssen bei jedem Satz genau nachdenken, wie er gebildet wird. Aber am Ende, wenn wir die Sprache durch viel Üben und Praktizieren wirklich beherrschen, machen wir einfach und denken nicht mehr über Grammatik oder Vokabeln nach – schmeißen vielleicht sogar Regeln wieder über den Haufen, weil wir anfangen, umgangssprachlich zu sprechen, und passen uns immer mehr dem an, wie die Muttersprachler der jeweiligen Sprache natürlicherweise sprechen.

Denk also daran, dass die Sprache und die Form der GFK ein Werkzeug ist, um der entsprechenden Haltung näherzukommen, und sie an sich kein Endziel bildet. Im Gegenteil: umso mehr du die Haltung verinnerlichst, desto gleichgültiger wird es, welche Worte du verwendest. Und da möchten wir Schritt für Schritt hinkommen.

Um dem einen Schritt näherzukommen, gebe ich dir hier ein paar Tipps zu Haltung und Sprache. Sie sind für jeden der vier Schritte aufgeteilt in „Achtung„, wo ich darauf hinweise, wann du NICHT in der GFK-Haltung bist, dann schildere ich unter „GFK-Haltung„, was in der GFK stattdessen die Haltung ausmacht und bei „Tipp“ bekommst du konkrete Hinweise, wie du mit der Sprache deine Haltung erkennen und die Haltung, die du haben magst, bestärken kannst.

1. Wahrnehmung

Achtung:
Ich schildere die Wahrnehmung NICHT, um Recht zu haben oder um dem anderen seinen Fehler aufzuzeigen. Ein „Du hast aber gesagt…“ – „Nein, hab ich nicht!“ – „Doch, hast du!“ zeigt uns, dass wir noch nicht in der offenen, interessierten GFK-Haltung sind, sondern gerade im Recht-Haben feststecken.

GFK-Haltung:
Ich bin offen dafür, dass ich mich entweder irren kann, der andere etwas anderes gehört/gesehen/in Erinnerung hat oder dass ich noch in der Interpretation bin. Mein Ziel ist es, eine gemeinsame Gesprächsbasis zu finden, in der möglichst noch keine Wertung enthalten ist, damit der andere mich auch wirklich hören kann.

Tipp:
Noch leichter fällt diese Haltung, wenn ich nicht sage „Du hast gesagt…“, sondern stattdessen „Ich habe dich sagen hören: …“ oder „Was ich von dir verstanden ist, ist Folgendes: …“ So bin ich noch mehr bei mir und in dem Wissen, der andere kann dennoch etwas anderes gesagt haben. Vielleicht magst du an der Stelle sogar nachfragen, ob dein Gegenüber sich genau so daran erinnert, ehe du zum nächsten Schritt gehst.

2. Gefühle

Achtung:
Ich nenne mein Gefühle NICHT mit dem Gedanken „Und du bist schuld!“ oder mit dem Hinweis, dass das, was der andere getan hat, mich so fühlen lässt. Außerdem hänge ich nicht in der Vergangenheit fest und hole alte Gefühle wieder hervor.

GFK-Haltung:
Ich bin in der Eigenverantwortung. Mir ist klar, dass meine Gedanken und Bedürfnisse mein Gefühl verursachen und mein Gegenüber es nur AUSGELÖST hat. Er hat mich sozusagen darauf hingewiesen, dass da etwas in mir ist, was Erfüllung sucht. Dabei beziehe ich mich auf das Hier und Jetzt, denn nur um die Gefühle, die gerade im Moment lebendig sind, geht es uns in der GFK.

Tipp:
Wenn ich den ersten und den zweiten Schritt kausal (als Begründung) miteinander verbinde, kommt schnell die Haltung rüber, dass der andere für mein Gefühl verantwortlich wäre. Statt also den ersten und den zweiten Schritt zu verbinden, kannst du die Wahrnehmung vorne anstellen und dann das Gefühl kausal mit dem Bedürfnis verbinden. Schau mal, ob du beim Lesen einen Unterschied spüren kannst:

Wahrnehmung und Gefühl gekoppelt (eher nicht in Eigenverantwortung):
Du hast den Geschirrspüler nicht ausgeräumt, (Wahrnehmung)
deshalb bin ich jetzt enttäuscht. (Gefühl)
Ich wünsche mir, dass wir uns an Vereinbarungen halten. (Bedürfnis)

Gefühl mit Bedürfnis gekoppelt (eher in Eigenverantwortung):
Du hast den Geschirrspüler nicht ausgeräumt. (Wahrnehmung)
Hm, ich merk, ich bin da enttäuscht, (Gefühl)
weil mir total wichtig ist, dass wir uns an Vereinbarungen halten. (Bedürfnis)

Formulierungen nach der Wahrnehmung wie „Das macht mich…“ oder „Deswegen bin ich …“ weisen darauf hin, dass du noch in der Haltung bist, der andere hat dein Gefühl verursacht. Versuche dir wirklich klarzumachen, dass dein Bedürfnis der Grund für dein Gefühl ist. Und wenn du in Eigenverantwortung bist, kannst du selbst dafür gehen, dass es dir besser geht – unabhängig von dem, was dein Gegenüber tut. 

3. Bedürfnisse

Achtung:
Bei den Bedürfnissen ist ebenfalls die Eigenverantwortung entscheidend. Ich gehe NICHT davon aus, dass mein Gegenüber für die Erfüllung meines Bedürfnisses verantwortlich ist. Ich gehe am besten NICHT mit absolut leerem Bedürfnis und in großer Not auf den anderen zu, damit er mein Bedürfnis erfüllt. Außerdem achte ich darauf, dass ich NICHT mit dem Fokus im Mangel bin, also mich emotional voll drauf konzentriere, dass das Bedürfnis gerade NICHT erfüllt ist.

GFK-Haltung:
In der GFK-Haltung schaue ich auf die Kraft des Bedürfnisses. Das heißt, ich lenke meinen Fokus darauf, es zu erfüllen, nicht darauf, dass es unerfüllt ist (vom Mangelfokus zum Füllefokus und vom Blick rückwärtig hin zum Blick nach vorne). Außerdem ist mir bewusst, dass es viele Möglichkeiten gibt, mir selbst mein Bedürfnis zu erfüllen oder auch viele andere Möglichkeiten, es zusammen mit meinem Gegenüber zu erfüllen. Ich bleibe neugierig, um einen gemeinsamen Weg zu finden. Ich kann den anderen nur einladen, zu meinem Bedürfnis beizutragen – und er darf die Einladung annehmen oder nicht.

Mein Bedürfnis ist dabei universell und nicht nur in eine Richtung wichtig, sondern in beide. Das heißt, wenn ich mir Respekt wünsche, wünsche ich mir eigentlich einen Raum, in dem wir beide oder Menschen generell respektvoll miteinander umgehen. Wenn ich das nicht so empfinde, hänge ich vielleicht noch in der Strategie fest, dass mein Gegenüber mich jetzt respektieren soll.

Tipp:
Ich formuliere also auch entsprechend so, dass nicht die andere Person einseitig in dem Bedürfnis enthalten ist. Sprich, ich sage nicht, „Ich habe das Bedürfnis, dass DU mir zeigst, dass du mich wertschätzt.“ oder „Ich brauche jetzt DEINE Wertschätzung!“.

Außerdem formuliere ich mein Bedürfnis in die positive Richtung, also nach vorne gerichtet auf die Erfüllung anstatt nach hinten gerichtet auf den Mangel. Sprachlich vermeide ich daher Formulierungen wie „Mir fehlt Wertschätzung!“ oder „Ich kriege nicht genug Wertschätzung!“ oder „Ich werde gar nicht wertgeschätzt!“ (nach hinten gerichtet und auf Mangel fokussiert). Stattdessen formuliere ich positiv, um wirklich die Kraft des Bedürfnisses zu spüren und meine Energie in Richtung Erfüllung statt Mangel zu lenken.

Beispiele für gegenseitige, positiv ausgerichtete Bedürfnisausdrücke:

„Ich merke gerade, wie wichtig mir Wertschätzung ist.“
„Ich wäre gerne in einem Raum voller gegenseitiger Wertschätzung mit dir.“
„Mir ist wichtig, dass wir uns gegenseitig wirklich wertschätzen.“
„Mir ist es echt ein Anliegen, dass Menschen einander wertschätzen.“
„Ich wünsche mir, Beziehungen sein zu können, in denen alle gegenseitige Wertschätzung erleben.“

4. Bitten

Achtung:
Hier bin ich NICHT in einer Erwartungshaltung oder in dem Gedanken „Ich muss den anderen jetzt irgendwie dazu bringen, ja zu sagen.“ – Das beginnt schon beim Gesprächseinstieg oder wenn ich das Thema wechseln will. Ich versuche NICHT, mit GFK zu erreichen, dass der andere sich meinem Willen beugt, egal was er selbst wirklich will.

GFK-Haltung:
Stattdessen bin ich neugierig und offen dafür, was der andere gerade wirklich möchte und welche Wege es vielleicht noch geben kann, in Kooperation oder auch für mich allein meine Bedürfnisse zu erfüllen. Ich bin im Vertrauen, dass der andere, wenn er Nein sagt, eigentlich Ja sagt – zu einem anderen wunderschönen Bedürfnis, das er gerade nicht mit meiner Bitte vereinbar sieht. Wenn ich versuche, wirklich zu verstehen und offen bin für neue Ideen, dann muss ein Nein kein Ende des Gesprächs sein. Und ich weiß, selbst wenn ich mit meinem Gegenüber keinen Weg finde, finde ich einen anderen für mich.

Tipp:
Hier hast du bereits eine Menge Tipps in der 16. Blogartikelfolge erhalten. Einen weiteren möchte ich dir dennoch geben. Deine Haltung zeigt sich bereits zu Beginn des Gesprächs. Schaust du mit offenen Augen auf dein Gegenüber und bist bereit, seine Bedürfnisse zu erkennen und einzubeziehen? Bist du achtsam damit, wie es ihm geht oder möchtest du einfach nur deinen Wunsch durchsetzen? (Das ist auch okay, mir ist nur wichtig, dass du dir dessen bewusst bist.)

Wenn du wirklich offen bist für dein Gegenüber, dann macht es Sinn, bereits zu Beginn mit einer Bitte zu starten: Der Frage danach, ob der Gegenüber gerade bereit ist, das zu hören, was du ihm sagen magst. Ob es dabei um Konflikte geht, Wertschätzung, Ratschläge, Komplimente, was auch immer – vorher nachzufragen, zeigt deine Bereitschaft, wirklich auf dein Gegenüber einzugehen.

Das kann so aussehen:

  • Ich würde gerne mit dir 10 Minuten über eine Situation von gestern Abend reden. Passt das gerade für dich?
  • Mir geht unser Konflikt von vorhin noch so durch den Kopf und ich würde gerne darüber reden. Hast du gerade eine halbe Stunde Zeit und Nerven, um dir das mit mir anzuschauen?
  • Ich mag dir gerne etwas rückmelden, wie es mir gerade in dem Gespräch mit dir geht. Kannst du das gerade hören?
  • Ich würde jetzt gerne wieder zu den Arbeitsthemen zurückkommen. Ist das für dich in Ordnung?

Lernen braucht Zeit

Wenn du dein Beispiel aufgeschrieben hast, kannst du ja mal die Sprache anschauen oder auch in dich gehen und damit deine Haltung überprüfen. Hast du die GFK-Haltung bei allen vier Schritten in deinem Beispiel eingenommen? Spiegelt deine Sprache deine Haltung? Was fühlt sich für dich stimmig an?

Denk bitte daran, dass das alles nur Hilfen zu mehr Bewusstheit sind und kein neues Richtig oder Falsch. Wenn du es nicht schaffst, alles davon umzusetzen, dann herzlichen Glückwunsch: Du bist ein Mensch. 🙂 Ein schöner Spruch, den ich von Christian Hinrichsen (einem lieben GFK-Kollegen) gelernt habe: GFK ist nichts, was immer gelingt, nur immer öfter!

Und es geht auch gar nicht darum, immer die GFK-Haltung zu haben (und schon gar nicht immer die „perfekte“ Sprache oder Form!) – manchmal entscheiden wir uns vielleicht sogar bewusst dagegen! Es geht darum, dass du dich in dieser neuen Haltung und Sprache übst, um immer mehr Bewusstsein sowie Möglichkeiten zu erlangen und selbst entscheiden zu können, wie du handeln, sprechen, denken und fühlen möchtest.

Denk an dich als Kind, als du sprechen gelernt hast. Wie lange hast du Sachen „komisch“ oder gar „falsch“ ausgesprochen, ehe du Worte wie deine Eltern artikulieren konntest? Was wäre gewesen, wenn du dich für jedes Mal „falsch aussprechen“ selbst verurteilt hättest? Oder wenn du nach dem 10. Mal scheitern gedacht hättest „Nee, ich glaube Sprechen, das ist nichts für mich!“? Hast du aber nicht und du kannst sprechen! Und manchmal entscheiden wir uns noch heute, nicht zu sprechen, sondern zu singen, zu schreien, zu lallen, zu murmeln oder zu flüstern. Es gibt kein Falsch – nur Entscheidungen, die wir immer bewusster treffen können, wenn wir mehr lernen. 

Daher lade ich dich ein: Trau dich und übe so viel du kannst! Und GFK lernt sich – wie auch sprechen, laufen oder tanzen – nicht in der Theorie. Also wenn du wirklich GFK lernen möchtest, dann ist es notwendig, in die Praxis zu gehen und ein Seminar oder einen Workshop zu besuchen, wo du wirklich aktiv begleitet üben kannst. Hier findest du zahlreiche Angebote, wie du auch von zuhause aus GFK lernen kannst:

Im nächsten Blogartikel wird es dann darum gehen, wie wir die Schritte der GFK nutzen können, um wirkliche Dankbarkeit und Wertschätzung auszudrücken. Denn schließlich wollen wir nicht nur lernen, Konflikte anzusprechen, sondern auch die erfüllten Bedürfnisse im Leben und das, was uns Freude macht.

Folge 17: Authentisch ausdrücken in Konflikten – Die Bedeutung der vier Schritte

Die zwei Teile der GFK

Du kennst nun die vier Schritte und die Grundhaltung der GFK. Nun gibt es zwei konkrete Richtungen, die du mit diesen vier Schritten immer wieder gehen kannst: Du kannst dir anschauen, worum es DIR geht und für dich reflektieren, was du wahrnimmst, fühlst, brauchst und erbitten kannst. Das nennen wir Selbstempathie. Und das Ganze oder Teile davon kannst du in einem sogenannten „authentischen Selbstausdruck“ auch mitteilen.

Auf der anderen Seite kannst du dir dein Gegenüber anschauen und vermuten, was seine Wahrnehmungen, Gefühle, Bedürfnisse und Bitten sind. Das kannst du still tun, um für dich in eine empathische Haltung zu kommen und empathisch zuzuhören, oder du kannst in den Dialog treten und in empathischen Vermutungen die Seite deines Gegenübers besser verstehen lernen.

In der GFK geht es vor allem um diesen „Tanz“, auf den wir uns einlassen, wenn wir uns selbst mitteilen, dann wieder schauen, was das beim Gegenüber auslöst, wieder zu uns gehen und dann wieder zum Gegenüber und so weiter. Um die liegende Acht, die wir nachfahren, bei der wir erst die eine Seite nachschwingen, um dann wieder in die andere Hälfte zu fahren und zurück.

Es geht schließlich nicht darum, einem Schema zu folgen und damit dem anderen achtlos hinzuwerfen, was in uns vor sich geht – genauso wenig geht es darum, immer nur zuzuhören und das eigene herunterzuschlucken oder zu verbergen. Es geht um einen echten Austausch, ein Miteinander, ein Ins-Gespräch-Kommen und um echtes Interesse daran, sich gegenseitig zu verstehen. Wie lange die jeweiligen Tanzschritte sind oder wie viel es sind, das bestimmen nur die Personen in jeder individuellen Situation. Je mehr GFK wirklich in deine Haltung und Sprache integriert ist, desto mehr wird dieses Hin und Her wie von selbst gehen.

Und darum geht es letztendlich auch beim Lernen der GFK und der vier Schritte: Dass du immer mehr die Haltung integrierst und dich entweder bewusst dafür entscheiden kannst oder irgendwann vielleicht sogar in vielen Situationen ganz selbstverständlich in der Haltung bist, die du gerne haben magst. Die vier Schritte sind EIN Weg, um zu der Haltung zu kommen. Wenn wir diese erreicht haben, spielen die Worte keine große Rolle mehr und das Ziel ist es, sich auch irgendwann gar keine Gedanken mehr um die Sprache zu machen – aber bis dahin nützen die vier Schritte als Anker und Werkzeug, die Haltung der GFK immer mehr zu verinnerlichen.

In dieser Folge möchte ich dir die vier Schritte zusammenfassend zeigen und ihre jeweilige Bedeutung im Selbstausdruck vermitteln.
In der nächsten Folge bekommst du noch einmal einige Tipps zur Haltung und Sprache zum authentischen Selbstausdruck im Bezug auf Konflikte.
Danach werden wir uns dann anschauen, wie wir den authentischen Selbstausdruck nutzen können, um echte Wertschätzung zu äußern, ehe wir auf die andere Seite gehen und uns der Empathie, der empathischen Haltung sowie den empathischen Vermutungen widmen.

Konflikte ansprechen mit dem authentischen Selbstausdruck

Die vier Schritte sind dazu da, dass du dich selbst besser verstehen und damit auch klarer ausdrücken kannst, worum es dir geht. Um selbst daran zu üben, lade ich dich ein, dir ein Beispiel auszusuchen, in dem du selbst mit jemandem einen Konflikt hattest oder wo du theoretisch gerne etwas ansprechen möchtest, was dich gestört hat.

Dann kannst du dir mal anschauen,

  • was deine Wahrnehmung ist und was deine Interpretation,
  • was deine Gefühle dazu und was deine Gedanken sind,
  • was deine Bedürfnisse und was konkrete Strategien sind und
  • was eine konkrete Bitte sein könnte oder ob du noch in Forderungen steckst.

Versuche mal, eine Situation für dich aufzuschlüsseln. Ich werde dir ein Beispiel hierfür geben:

Meine Freundin sagt zu mir „Von dir hört man auch gar nichts mehr, nie meldest du dich!“

Falls du kein eigenes Beispiel hast (oder zusätzlich!) kannst du auch mal versuchen, wie du diese Situation in den vier Schritten ansprechen könntest. Wenn du das getan hast, kannst du weiterlesen.

Nun lade ich dich gleich zu einer weiteren Übung ein, in der es darum geht, selbst den Unterschied zwischen GFK und der häufig üblichen Ausdrucksweise zu spüren.

Lies dir dafür erst einmal NUR die linke Seite der Tabelle hier drunter komplett durch und stell dir vor, wie es dir gehen würde, wenn jemand so etwas zu dir sagt. Was passiert da in deinem Körper? Wie hoch ist deine Bereitschaft und Lust, den anderen zu verstehen und in Kooperation, Wertschätzung und Miteinander zu kommen? Wie würde es dir selbst gehen, diese Sätze auszusprechen?

Dann lies die rechte Seite und frage dich dasselbe: Was passiert da in deinem Körper? Wie hoch ist deine Bereitschaft und Lust, den anderen zu verstehen und in Kooperation, Wertschätzung und Miteinander zu kommen? Wie würde es dir selbst gehen, diese Sätze auszusprechen?

Wie ging es dir im Unterschied? Hast du was gemerkt? Ging es dir nur bei der Vorstellung, die Sätze so zu hören anders oder auch bei der Vorstellung, sie auszusprechen? Teile deine Erkenntnisse gerne in den Kommentaren!

Letztendlich – wie immer – geht es auch hier um mehr als die Worte. Das sind einfach nur typische Beispiele, wie die jeweiligen Kategorien aussehen können.

Reihenfolge und Bedeutung der vier Schritte im authentischen Selbstausdruck

Die vier Schritte sind grundsätzlich nicht dazu gedacht, sie immer alle vier zu nennen und in dieser strikten Reihenfolge zu bleiben. Dennoch hat die Kombination aus den vier Schritten in dieser Reihenfolge nicht nur in der Selbstreflexion, sondern auch im Ausdruck einen tieferen Sinn.

Wenn wir zuerst die Wahrnehmung nennen, schaffen wir eine gemeinsame Gesprächsbasis. Es ist klar, worum es geht und wie jemand anders dein Leben bereichert hat oder was genau du ansprechen magst, das dich stört. Es schafft einen Referenzpunkt, an dem man gemeinsam ansetzen kann. Mit dem Gefühl zeigst du dich und bietest an, in Verbindung zu gehen, indem du selbst die Türe öffnest. Das Bedürfnis direkt danach drückt aus, um welchen allgemein menschlichen Wert es dir geht, der dein Gefühl verursacht. Einmal dient es dabei dem Zweck, die Selbstverantwortung zu zeigen (weg von „Du bist schuld!“) und weiterhin bietet es den Anknüpfungspunkt, bei dem das Gegenüber sagen kann: „Ja, diesen Wert kenne ich! Das ist mir auch oft wichtig! Darum geht es also!“ Die Bitte dient dann dazu, dem Gegenüber die Chance zu geben, aktiv zu meinem Bedürfnis beizutragen oder mit mir gemeinsam einen anderen Weg zu finden.

Wie du siehst, hat jeder Schritt seine Funktion und seinen Platz im authentischen Selbstausdruck. Es ist aber nicht in jeder Situation jeder dieser Schritte nötig. Ich mag dir dafür einen kurzen Überblick über meine Erfahrungen geben, wann die Schritte besonders wichtig sind und wann man sie eher weglassen kann. Denk bitte daran, dass das keine Anleitung ist, sondern lediglich eine Orientierung, die aus meiner Erfahrung entspringt.

Die Wahrnehmung wegzulassen kann dann sinnvoll sein, wenn bereits sehr deutlich ist, worum es geht. Wenn gerade eben etwas passiert ist, auf das du dich beziehst, brauchst du vermutlich nicht dazusagen, was genau du gerade meinst. Allerdings lade ich dich ein, auch da wachsam zu sein und offen dafür zu bleiben, dass dein Gegenüber sich vielleicht dennoch nicht auf dasselbe beziehen könnte und eine Ergänzung notwendig ist, um Missverständnisse zu vermeiden.

Die Gefühle wegzulassen kann vor allem in Situationen hilfreich sein, in denen keine starke Nähe geschaffen werden soll – also mit Fremden, im Arbeitskontext oder auch bei Menschen, denen du dich nicht verletzlich zeigen magst oder für die es vermutlich zu nah ist. In manchen Kulturen oder auch einfach Familien wird wenig bis gar nicht über Gefühle gesprochen und da kann es Überforderung oder Hilflosigkeit auslösen, jedes Gefühl klar zu benennen.

Die Bedürfnisse bilden den Kern der GFK und sind – so behaupte ich – immer dann sinnvoll, wenn wir tiefer in Verbindung kommen wollen oder es Konfliktpotenzial gibt. Es kann auch einfach der Klarheit und leichteren Nachvollziehbarkeit dienen, die Bedürfnisse zu benennen. In manchen Situationen allerdings wirken die Bedürfnisse fehl am Platz, vor allem wenn es um einfache Alltagskommunikation geht, wie zum Beispiel die Frage, ob mir jemand das Salz reicht – dort würde ich nicht unbedingt sagen: „Ich habe ein Bedürfnis nach Genuss, reichst du mir das Salz?“. Als Richtlinie würde ich sagen, dass es in den meisten zwischenmenschlichen Situationen sinnvoll ist, Bedürfnisse zu benennen. Irgendwann kannst du die Bedürfnisse auch so umgangssprachlich ausdrücken, sodass sie kaum mehr auffallen. Dann kann es auch natürlich rüberkommen, wenn du sagst: „Reichst du mir das Salz? Dann kann ich meine Suppe noch besser genießen!“

Der vierte Schritt ist derjenige, bei dem ich am häufigsten sehe, dass er weggelassen wird und bei dem ich gleichzeitig das Weglassen am problematischsten finde. Wie würde es in einem Gespräch auf dich wirken, wenn jemand zu dir sagt: „Du hast mir 10 Minuten vor unserem Treffen abgesagt. Ich bin da echt enttäuscht und auch etwas sauer, weil mir Verlässlichkeit echt wichtig ist und dass ich meine Zeit sinnvoll nutzen kann.“

Wie geht es dir, wenn die Aussage da endet?

Bei mir kommt so ein Gedanke auf „Und nun?! Jetzt ist es ja zu spät, ich kann nichts mehr daran ändern, was soll ich denn jetzt machen?!“ Ich glaube, dass es Hilflosigkeit und Angst oder Schuld bei den meisten Menschen auslöst, wenn ich nur mein unerfülltes Bedürfnis benennen, aber keine Idee dazusage, was mir gerade helfen würde. Daher ist es gerade in Konflikten essenziell, die Bitte zu äußern, um unserem Gegenüber zu zeigen (und auch selbst klar zu haben!), was er gerade beitragen kann.

Spür mal rein, ob es für dich einen Unterschied macht, wenn am Ende dieser Aussage eine Bitte steht:

„Du hast mir 10 Minuten vor unserem Treffen abgesagt. Ich bin da echt enttäuscht und auch etwas sauer, weil mir Verlässlichkeit echt wichtig ist und dass ich meine Zeit sinnvoll nutzen kann. Ich glaube, mir würde es echt helfen, wenn du mir sagen könntest, was dich abgehalten hat, pünktlich zu sein. Wärst du bereit, mir das zu erzählen?“

Beim nächsten Mal …

In der nächsten Folge werden wir uns noch mit einigen sprachlichen Hinweisen beschäftigen, die deine Haltung deutlicher machen kann. Ich werde dir außerdem zu jedem der vier Schritte sowie dem authentischen Selbstausdruck allgemein ein paar Tipps geben, die mir besonders am Herzen liegen. Hebe also auch die Reflexion deiner eigenen Situation gerne dafür auf und überprüfe dann, ob du noch ein paar Tipps aus der nächsten Folge darin umsetzen magst.

Wenn du jetzt Lust bekommen hast, selbst einzusteigen und zu lernen, wie du die vier Schritte und die Haltung der GFK für dich vertiefen und nachhaltig in dein Leben integrieren kannst, dann besuche gerne ein Seminar/Webinar von mir oder melde dich zu einem persönlichen Coaching an:

Folge 16: Tipps, Tricks und Spielarten von Bitten (GFK-Podcast)

In dieser letzten Folge zu Bitten möchte ich dir noch ein paar unterschiedliche Arten von Bitten aufzeigen, um dein Repertoire an Möglichkeiten zu erweitern, und dir ein paar Formulierungshilfen, Tipps und Tricks mitgeben, um ehrlich, authentisch und offen rüberzubringen, was du dir wünschst.

Folge 16: Tipps, Tricks und Spielarten von Bitten (GFK-Podcast)

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Props und herzlichen Dank an Andi Bree, der das Intro und Outro eingespielt hat! Danke für deine Geduld, Mühe und Offenheit, deine wundervolle Musik mit den Menschen zu teilen!

Folge 15: Drei Kriterien für erfolgreiche Bitten (GFK-Podcast)

Bitten zeichnen sich, wie du nun weißt, dadurch von Forderungen ab, dass wir bei einem Nein trotzdem entspannt und verständnisvoll bleiben. In dieser Folge möchte ich noch konkreter auf Bitten eingehen und auf Möglichkeiten, wie du die Wahrscheinlichkeit noch steigern kannst, dass sie erfüllt werden.

Folge 15: Drei Kriterien für erfolgreiche Bitten (GFK-Podcast)

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Folge 14: Echte Bitten äußern – entspannt mit einem Nein umgehen (GFK-Podcast)

Wie du in Folge 13 erfahren hast, unterscheidet sich eine Bitte dadurch von einer Forderung, dass sie offen ist für ein Nein meines Gegenübers. Wie aber komme ich in diese Offenheit? Wenn ich denn etwas wirklich möchte, wie ich dann entspannt sein kann, wenn jemand meinen Wunsch ablehnt? Und wie geht es weiter, wenn jemand Nein sagt? In dieser Podcastfolge werden wir uns ausführlich damit beschäftigen, was dir hilft, deine Offenheit zu stärken, und wie du bei einem Nein konkret reagieren kannst.

Folge 14: Echte Bitten äußern – entspannt mit einem Nein umgehen (GFK-Podcast)

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