3 Gründe, warum GFK die meisten Filmplots zerstören würde

GFK in Filmen, würde das gehen? Ich glaube, mit GFK-Haltung in Filmen und beim Zusehen wären die meisten Plots ziemlich hinüber. Hier drei Gründe, warum das so wäre und wie sich GFK auf Filme auswirken würde.

Kleine Anmerkung: Dieser Artikel bedient sich der Ironie und der Übertreibung und ist mit einem Augenzwinkern zu lesen. Nur zur Sicherheit sei das vorab gesagt.

1. Alle würden miteinander reden

Fatale Missverständnisse und Geheimnisse, die dann zu großen Schwierigkeiten führen; Figuren, die aus Höflichkeit, Angst oder Wut heraus wichtige Dinge verschweigen, absichtlich lügen oder Themen, die für den Plot entscheidend sind, nicht ansprechen; Szenen, in denen wir in den Fernseher schreien „Jetzt redet doch miteinander!“ – All das gäbe es vermutlich nicht mehr, wenn alle Figuren im Film die Haltung der GFK inne hätten.

Die ProtagonistInnen würden über die wesentlichen Dinge sprechen und sich gegenseitig auf eine Weise zuhören, die echtes Verständnis ermöglicht. Sie würden sich bei Konflikten aussprechen und ehrlich wie rücksichtsvoll ihre Meinung dazu sagen. Sie würden sich gegenseitig Empathie geben und wertschätzend miteinander diskutieren. Lügen wäre nicht notwendig, da nicht über Menschen geurteilt wird und jeder die Verantwortung für seine Gefühle übernimmt. Daher hätten sie keine Angst, für die Wahrheit bestraft zu werden oder andere zu verletzten, was vermutlich die meisten Gründe, zu lügen, wegfallen ließe.

In Konflikten ginge es nicht mehr um Richtig oder Falsch, geschweige denn um die Schuldfrage, sondern darum, einander zu verstehen und eine gemeinsame Lösung zu finden, die die Bedürfnisse aller berücksichtigt.

Damit wären 90% der Probleme in Filmen gelöst oder würden gar nicht erst entstehen. Wie soll denn da Spannung aufkommen?!

2. Kein Gut und kein Böse

Ein großer Held erscheint auf der Leinwand. Wir lernen ihn kennen, verstehen seine Hintergründe, seine Motive, sein Umfeld. Wir sympathisieren, wir wissen: Dieser Mensch ist der Gute!
Was ist das? Ah, sein Widersacher taucht auf! Man sieht ihm förmlich an, wie fies und unmenschlich er ist! Düstere Musik, düstere Kleidung, eine finstere Visage! Da wissen wir sofort: Der ist böse! (vielleicht auch ein bisschen cool, aber halt auch böse!). Oftmals sind seine Motive einfach: Rache, Macht oder einfach aus irgendwelchen verletzten Gefühlen heraus die gesamte Welt zerstören.

Wir wissen, für wen wir zu sein haben und dulden jede grausame Tat, jeden Tod, jedes Gemetzel, das in Namen der Guten geführt wird. Wenn die Bösen aber einen der Guten ermorden, dann rasten wir aus! Wie können die nur?! So grausam! Jetzt sind wir erst recht für die Guten!

Das ist jetzt ein wenig überspitzt dargestellt, schon klar. Aber wenn wir uns klassische Actionfilme ansehen, dann steckt da schon ein Fünkchen Wahrheit dahinter. In vielen Filmen wird Grausamkeit von Seiten der „HeldInnen“ gerechtfertigt, weil sie die „Guten“ sind. Mit GFK würde das ein bisschen anders aussehen.

Alles, was Menschen tun, ist ein Versuch, sich wesentliche menschliche Bedürfnisse zu erfüllen. Menschen wollen lieber kooperativ handeln als mittels Gewalt und wählen nur dann Gewalt, wenn sie keinen anderen Weg sehen, für sich zu sorgen.

Das sind Teile der Grundhaltung der GFK. Wenn wir das berücksichtigen und auch im Film mitbekommen, dann gibt es kein stupides Gut oder Böse. Es gibt Handlungen, die wir nicht schön finden, auf beiden Seiten, und gleichzeitig können wir alle Beteiligten verstehen und ihre Not nachvollziehen. Man könnte keine „Seite“ mehr wählen, da wir mit allen Empathie hätten. Wir würden ständig auf unsere eigenen moralischen Werte zurückgeworfen und müssten darüber reflektieren. Es gäbe gar kein Schwarz und Weiß mehr, sondern alles würde in einem weichen Grau verschwimmen. Das wäre doch ziemlich anstrengend, oder?!

Es ist doch entspannender, sich keine Gedanken machen zu müssen und für jeden eine Schublade zu haben!

3. GFK zerstört „Romantik“

Wenn wir mal wirklich darüber nachdenken, sind viele Aspekte der sogenannten „Romantik“, wie sie in Filmen und Serien gezeigt werden, ziemlich krass. Menschen, die völlig abhängig voneinander sind, ohne einander nicht leben können oder extrem klammern und „den anderen niemals gehenlassen“ wollen. Menschen, die auch nach jahrelangen Beziehungen voneinander nur die schönste Seite kennen, dem anderen die Wünsche von den Augen ablesen oder einfach darüber entscheiden, was für den anderen „das Beste“ ist. Menschen, die die Verantwortung für die Gefühle des Partner/der Partnerin übernehmen („Ich werde alles tun, um dich glücklich zu machen!“ oder auch „Ich habe dich verletzt!“) und ein besitzergreifendes „Sie gehört mir!“ gehören oftmals dazu.

Mit GFK wäre das alles ein bisschen anders.

Da würde jeder selbst die Verantwortung für seine Gefühle übernehmen. „Wie ich etwas auffasse, was du tust, liegt bei mir.“ Es gäbe weder Schuld noch Wiedergutmachung.

Außerdem würden sich die ProtagonistInnen klarwerden, was ihnen die Beziehung an Bedürfnissen erfüllt. Ein romantisches und unaussagekräftiges „Ich liebe dich!“ würde dann ersetzt durch so etwas wie „Wenn ich bei dir bin, gibt mir das Geborgenheit, Sicherheit und Verbindung. Da fühle ich mich ganz wohlig und warm!“ – Das ist zwar konkret, aber doch ein wenig langatmig!

Die Leute würden aufhören, für ihren Partner oder ihre Partnerin Entscheidungen zu treffen und stattdessen anfangen, vernünftig über alles Wesentliche miteinander zu sprechen. Geheimnisse, um den anderen zu schützen, gäbe es wohl nicht mehr, genauso wenig wie exzentrische Ausraster, weil von Jahren angestauter und unausgesprochener Frust hochkommt.

Bitten würden geäußert werden, statt einem Warten darauf, dass der andere einem alle Wünsche von den Augen abliest: „Schatz, würdest du mir heute Abend rote Rosen mitbringen! Das würde mir Wertschätzung erfüllen!“ Das auszusprechen wäre ja total unromantisch!

Ganz merkwürdig wären auch Männer, die plötzlich offen über ihre eigenen Gefühle sprechen könnten. „Ich bin total traurig und wünsche mir Geborgenheit.“ – Igitt, Männer mit Bedürfnissen! (Ich verweise auf die Anmerkung zu Beginn des Artikels!) Oder: „Ich fühle mich etwas unsicher … Würdest du mir sagen, ob dir der Sex gestern gefallen hat und was du dir vielleicht anders wünschst?“

A propos Sex: Wenn wir auch ein bisschen GFK über Sexszenen streuen würden, wäre das wilde und ohne jede Absprache vollkommen perfekte Übereinanderherfallen vielleicht deutlich weniger spannend: „Ich mag es, wenn du mich hier anfasst. Schau so. Würdest du das machen?“ – „Ich würde gerne diese Stellung im Büro ausprobieren, hast du Lust?“ – „Es ist mir unangenehm, wenn du das machst, fass mich lieber hier an, okay?“

Kurz gesagt wären also ProtagonistInnen in Filmen mit GFK wesentlich weniger von ihrer Partnerschaft abhängig, würden selbst Verantwortung für ihre Gefühle und Wünsche übernehmen, offen über die meisten Dinge – auch ihre Bitten, Gefühle und Bedürfnisse – sprechen und grundsätzlich viel weniger perfekt, aber dafür authentisch sein.

Natürlich ist dieser Artikel überspitzt ausgedrückt und stereotypisiert Actionfilme wie auch die GFK – diesen Artikel sollte man mit einem Augenzwinkern lesen.

In allem steckt jedoch auch Wahrheit und Kritik an den Medien, die die Sichtweise der breiten Masse in großem Maße beeinflussen.

Wenn wir dort eine andere Art des Umgangs miteinander, eine Distanzierung von Schwarz-Weiß-Denken inklusive starrem Richtig und Falsch, Gut und Böse und der Schuldfrage vorfinden würden, könnte bereits der Boden gepflügt werden für eine neue Kultur des empathischen Umgangs, des offenen Sprechens über Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche, der Authentizität und der Eigenverantwortung. Aus meiner Sicht könnte etwas mehr GFK statt immer noch expliziterer Gewalt, mehr Splatter und noch mehr abstumpfender Grausamkeit in Filmen wirklich nicht schaden.

2 Antworten auf „3 Gründe, warum GFK die meisten Filmplots zerstören würde“

  1. Ich fand deinen Artikel jetzt gerade herzerwärmend und erfrischend lustig 🙂
    Ich denke mir bei vielen Krimis, die ich schaue: ach Mensch, hättet ihr doch einfach mal miteinander geredet, dann hätte es diesen Mord nicht gebraucht – und wenn ihr es nicht alleine schafft, hättet ihr doch auch jemanden um Unterstützung bitten können, einen Mediator zum Beispiel.
    Und im echten Leben ist es zwar nicht ganz so stereotyp wie im Film, aber trotzdem gibt es leider so viele Beziehungen (im Sinne von Paar-Beziehung und im Sinne von Freundschaft- oder Arbeitsbeziehung), bei denen sich über Jahre hinweg Unausgesprochenes und Missverständnisse ansammeln und die Atmosphäre vergiften.

    1. Hallo Judith! Ja, ich finde auch, dass das schon die Wirklichkeit in gewisser Weise abbildet. Das prägt ja auch die ZuschauerInnen ungemein, ständig solche Szenen zu sehen. Gerade das Bild von Beziehungen finde ich in Filmen oft stark destruktiv, was wirklich schade ist, da Medien sicherlich zu einem anderen Miteinander und Denken beitragen könnten.

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