Wichtige Erkenntnisse, intensive Erlebnisse und GFK mit Kindern – ein Interview mit Tassilo Peters (1)

Tassilo Peters ist Trainer für Gewaltfreie Kommunikation, Vater von drei Jungs, Diplomsozialpädagoge, Mitbegründer eines Waldkindergartens und … Meister im vorbildlichen Scheitern! Er sagt selbst, wie oft er „auf die Schnauze gefallen“ ist und wie viel er daraus gelernt hat. Im Laufe seines Lebens hat er einige Erfahrungen gesammelt, wie GFK vor allem im Umgang mit Kindern umsetzbar ist.

Heute hat er sich zu einem Interview mit mir bereiterklärt, in dem er mir von seinen Erfahrungen, Erkenntnissen und Sichtweisen der GFK berichtet.

Suki Klohn im Interview mit …
… GFK-Trainer Tassilo Peters

Hallo Tassilo! Lass uns gleich anfangen, ich weiß, du hast einen engen Zeitplan! Kannst du in einem Satz zusammenfassen, was GFK ist?

GFK ist eine Möglichkeit, um sensationell tiefe Verbindungen zu gestalten!

OK! Und wie lange beschäftigst du dich schon mit GFK?

Seit 2009 ungefähr. Also so 10 Jahre.

Gibt es für dich auch nach 10 Jahren noch Situationen, in denen dir GFK besonders schwerfällt?

Ja, wenn ich zum Beispiel hungrig oder müde bin, wenn ich in Notsituationen stecke wie bei Unfällen oder echter Gefahr. Dann fällt mir manchmal sehr schwer, Empathie zu geben oder mir auch nur klar darüber zu sein, was gerade wirklich passiert. Es kommt immer mal wieder vor, dass mein Wolf mit mir durchgeht!

Gibt es da auch spezielle Menschen, mit denen GFK besonders schwierig für dich ist? Ohne jetzt Namen zu nennen 😉

(lacht) Also vielleicht sicherheitshalber ganz allgemein: Mit Menschen, die einem am nächsten stehen, fällt GFK in der Regel besonders schwer, weil gewisse Beziehungsmuster den Zugang zum GFK-Wissen verhindern. In engen Beziehungen sind wir sehr schnell getriggert. Getriggert bedeutet, in unserem Gehirn wird ein alter Schmerz oder eine alte Angst aktiviert und wir reagieren dann aus Schutz davor mit einer der drei ursprünglichen Verhaltensweisen: Kampf, Flucht oder Totstellen. Diese Aktivierung behindert das klare Denken und steht oftmals nicht in Einklang mit unseren Werten. Das passiert vor allem mit nahestehenden Personen häufiger.

Wie kann man dem entgegenhandeln? Reicht da ein Bewusstmachen in der Situation?

Nein. Ich würde sagen, das ist ein längerer Prozess, weil wir unser Gehirn dafür dauerhaft umprogrammieren müssen. Es braucht ein wiederholtes, bewusstes Gegensteuern, das dem Gehirn immer wieder klarmacht, dass die Situation keine Gefahr mehr darstellt. Es ist ähnlich wie in der Traumatherapie. Vereinfacht gesagt wird durch Reden und Neubewertung dem Gehirn immer wieder klargemacht, dass heute nicht mehr die große Gefahr besteht wie damals, damit banale Auslöser einen irgendwann nicht mehr in diese starke Angst versetzen. Es ist also wichtig, sich mit seinen eigenen Triggerthemen zu beschäftigen, um dann entspannter damit umgehen zu können, wenn sie aktiviert werden.

Da muss ich mich ja richtig mit mir selbst auseinandersetzen! Klingt, als wäre GFK lernen anstrengend! Geht es denn nicht einfacher? Die vier Schritte befolgen und fertig? 😉

Ich fürchte nicht! Wenn wir uns wirklich ändern wollen, ist es immer erst mal schmerzhaft zu erkennen, was wir alles noch nicht so gut können.
Nur die Sprache zu ändern, würde relativ wenig bringen, wenn wir noch immer in unseren alten Mustern denken. Das wäre wie ein marodes Haus einfach schön anzustreichen. Bringt nix, innen ist es noch immer schimmlig und morsch! Wenn wir wirklich dauerhaft darin leben wollen – übertragen auf GFK also mehr Liebe und Leichtigkeit in unser Leben bringen wollen – dann ist manchmal eine Kernsanierung notwendig. Dabei wird es auch immer wieder Aufs und Abs geben und manches fällt uns vielleicht leichter, manches schwerer. Das Schöne ist, dass ja nicht erst ein perfektes Haus beziehbar ist. Wir können uns an jedem weiteren Detail, das hinzukommt, erfreuen und feiern! Das empfehle ich sowieso: ganz viel feiern, um sich zu motivieren und dranzubleiben! Wir sind nicht perfekt, hey, aber wir bemühen uns stetig, mehr nach unseren Werten zu leben!

Du bist ja vor allem Trainer für Eltern und PädagogInnen. Macht das einen Unterschied? Also ist GFK mit Kindern denn grundsätzlich anders als mit Erwachsenen?

Ja, auf jeden Fall! Es ist ein großer Unterschied.

Kinder brauchen…

Mehr gibt’s in Teil 2:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.